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MEINUNG | 581 Gründe zur ÖH-Wahl zu gehen

Seien wir doch ehrlich: Die ÖH-Wahl ist eine völlig sinnlose Veranstaltung. Die braucht man wie einen Kropf. Schade um die Zeit. Da lern ich lieber oder spiele auf der Xbox bevor ich auch nur eine Stunde investier um irgendwelchen Kollegen meine Stimme zu geben, die mich dann eh nicht wirklich vertreten. Die ganze Studienvertretung ist doch ein Witz. Was machen die überhaupt so den ganzen Tag?

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Früher, ja da war alles anders. Die glorreichen Zeiten, in denen Studenten, wenn es sein musste, organisiert auf die Straße gingen, um die eigene Sache voranzubringen.Damals, in den 1970er Jahren, als Studiengebühren tatsächlich gekippt, der Uni-Zugang erleichtert, Wiederholungsmöglichkeiten bei Prüfungen ausgebaut und die Freifahrt in den Öffis durchgesetzt wurde. Da macht Studienvertretung einen Sinn, dafür geht man dann auch gerne wählen.

Aber heute? Es gibt ja nicht einmal ein großes Thema im Wahlkampf! Die Studiengebühren wurden wieder eingeführt, sind inzwischen einzementiert und scheinbar akzeptiert. Es gibt wahrlich viele Argumente, um die österreichische Studentenvertretung schlecht zu reden. Und noch mehr, um vor sich selbst zu rechtfertigen, warum man nicht zur ÖH-Wahl zu gehen braucht.

Tatsächlich aber gibt es noch mehr Gründe, um sehr wohl wählen zu gehen. Genau genommen sind es 581 Gründe. So viele Jahre hat es nämlich gedauert, bis österreichische Studenten überhaupt erst die Möglichkeit zur Mitbestimmung über eine politische Interessenvertretung bekommen haben. Ein hart erkämpftes Recht, das heute mit Füßen getreten wird. Vielleicht ist geht es uns ja einfach viel zu gut

Die erste ÖH-Wahl fand 1946 statt. Damals beteiligten sich rund 80 Prozent der Studenten, 73 Jahre später wackelt die Marke vom 25 Prozent. Wir haben 581 Jahre gebraucht, um eine gewählte Studentenvertretung zu bekommen, aber nur 70, um diese fast schon der Lächerlichkeit preiszugeben!

Denn mit jedem Prozentpunkt weniger Wahlbeteiligung sinkt die Legitimation der ÖH und damit ihre politische Macht. Genau das ist jene Negativ-Spirale, in der sich die studentische Interessen-Vertretung seit vielen Jahren befindet. Von der Politik wird sie kaum noch ernst genommen.

Die, die darüber klagen, dass die ÖH eh nichts zu melden hat, sind somit die, die daran selbst schuld tragen. Nur wer wählt, hat das Recht, sich über etwaige Defizite zu beschweren. Alle anderen sollten sich schämen.

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