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Erfahrungsbericht Selbsttest Vegan! Ich und vegan?

Ein Erfahrungsbericht Selbsttest vegan: SOFA-Chefredakteur Markus hat seinen Appetit auf tierische Produkte eingemottet. Seit fünf Monaten lebt er fast ausschließlich vegan. Ein ganz persönlicher Bericht. 

Zu schwer, zu Blutdruck und zu Zucker. Suboptimal war für diese Diagnose gar kein Ausdruck. Es war mehr ein Wink. Einer mit dem verdammten Riesenzaunpfahl. Besonders nach stressigen Arbeitsphasen und dem dazugehörigen Lebenswandel zeigte mir mein Körper, was er von etlichen Jahren der Misswirtschaft hielt. Nichts, gar nichts. Aber was kann man schon machen. Besonders wenn man so gut und so gerne isst wie ich. Auch nix, oder? Doch. In Erfahrungsbericht Selbsttest vegan erfährst du was!

Ich und Vegan? Das kann ich nicht.

Beim Anblick von gut marinierten Fleischteilen bekam ich immer wieder eine Gänsehaut. Vom Geruch ganz zu schweigen. Käse in all seinen Formen war pure Erotik für mich. Und eine Hühnersuppe mit Nudeln, ließ mich die härtesten Winter wegstecken. Auch wenn ich Veganer immer bewundert habe, ein Leben ohne tierische Produkte war für mich unvorstellbar. Ähnlich wie ein Leben als erfolgreicher Bodenturner oder Extrembergsteiger. Tiere mochte ich allerdings immer schon. Allein der Gedanke an Massentierhaltung und Tiertransporte konnte mir den sonntäglichen Schnitzelgenuss ziemlich verderben. Aber ganz darauf verzichten? Das konnte ich einfach nicht. Ich hatte gelernt Gewissensbisse zu verdrängen. Bis zum November 2019.

Einfach das Spiel ändern

Nach etlichen Artikeln über Tierethik und vielen Internetvideos bin ich Ende letzten Jahres auf den Film „The Game Changers gestoßen. Der Dokumentarfilm feierte sein Debüt im Januar 2018 auf dem Sundance Film Festival und erzählt die Geschichte von James Wilks. Er war auf Suche nach der Wahrheit über die Frage, ob ausreichende Proteinzufuhr, Stärke und optimale Gesundheit durch tierische Produkte bedingt sind. Die Antworten haben mich erstaunt. Es sind nicht bloß spindeldürre Ökofreaks und Waldorfschülerinnen, die tierischen Produkten abgeschworen haben. Es sind Läuferinnen, Feuerwehrmänner, Gewichtheber und Arnold Schwarzenegger, die in dem Film zu Wort kommen. Alle machen Werbung für Veganismus. Ich konnte es kaum glauben.

Probieren geht über krepieren

Mit 44 Jahren bin ich der Oldie in meinem Studiengang. Die Haare sind zum Großteil grau und wachsen an den ungewöhnlichsten Körperstellen. Schuhe zubinden ist mein Morgensport und die bunte Heizdecke ist unter den Top-Ten meiner besten Freunde. Wenn ich die Teenagerzeit meiner Kinder und die ersten Rollatorausflüge noch erleben möchte, sollte ich meinen Lebensstil ändern. Soviel stand auch letzten November schon fest. „Wer mit 43 noch ein Studium beginnt, kann Veganer auch werden“, erzählte ich meiner Frau leicht großmäulig. Ich hoffte insgeheim, sie würde es mir schon wieder ausreden. Die Hoffnung starb zuerst, denn meine Lieblingsfrau sprang sofort mit ins Boot. Zusammen verhungern ist sicher doppelt so schön.

Nicht gleich überstürzen

Frage Eins auf dem Weg zum veganen Paar: Wer isst jetzt die Lasagne vom Mittagessen auf? Die komplette Umstellung der Ernährung war für Laien wie uns gar nicht so einfach. Der beste Tipp ist, es langsam angehen zu lassen. Die meisten, die ihre Gewohnheiten von einem auf den anderen Tag umstellen, halten nicht lange durch. Esst erst einmal eure nicht veganen Vorräte auf. Lebensmittel wegwerfen geht gar nicht. Beginnt langsam mit der Umstellung: Lasst für ein paar Wochen nur das Fleisch weg, dann den Käse, dann die Milch. Die Reihenfolge ist egal. Lasst euch Zeit und sucht in den Geschäften nach Ersatzprodukten. Sachen die auch schmecken. Probiert Rezepte aus, die euch ansprechen. Seid nicht zu streng zu euch. Lest Berichte über vegane Ernährung. Seht euch Dokus an. Meinen Erfahrungsbericht Selbsttest Vegan“ lest ihr ja schon.

Der Verzicht auf tierische Produkte hat nicht nur Auswirkungen auf die Gesundheit, er ist auch ein Statement von euch als Konsumenten. Je weniger Fleisch gekauft, je weniger Milch getrunken wird umso weniger davon kommt auf längere Sicht in die Regale der Märkte. Die Tiere freuen sich.

Es wird zu viel Fleisch gegessen

Laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen werden derzeit weltweit fast 20 Milliarden Hühner, 1,4 Milliarden Rinder und jeweils 1 Milliarde Schweine und Schafe gehalten. Diese Tiere benötigen Fläche und Futter. 80 Prozent der weltweit verfügbaren landwirtschaftlichen Nutzfläche wird in Form von Weide oder Ackerland für die Tierhaltung in Anspruch genommen. Und es wird mehr – mit gravierenden Auswirkungen auf die natürlichen Lebensräume unseres Planeten. So sind zum Beispiel 60 bis 75 Prozent der neu gerodeten Flächen im Amazonasgebiet auf die Schaffung von Weideland zurückzuführen. Den größten Flächenanteil brauchen nicht die Tiere selbst, sondern ihr Futter. Mir sind diese Informationen sehr nahe gegangen. Sie haben mich Tag für Tag motiviert weiterzumachen. 

Kochen für Fortgeschrittene

Gekocht habe ich immer schon gern. Laut meiner Frau würde ich sogar einen passablen Küchenchef abgeben. Die Umstellung auf die vegane Küche verlangt aber selbst dem leidenschaftlichsten Hobbykoch einiges ab. Es ist fast so, als würde man eine neue Sprache lernen. Lässt man sich darauf ein, kann es aber zu einer wunderbaren Herausforderung werden. Seit einigen Monaten gehe ich viel bewusster einkaufen. Ich lege viel mehr auf die Zutaten. Ich lese die Inhaltsstoffe, schaue woher sie stammen. Eine Sache war meiner Frau und mir aber von Anfang an wichtig: Schmecken muss es.  Körnern und Rohkost als Hauptnahrungmittel kommt für mich nicht in Frage. Ich möchte meine Geschmacksnerven auch künftig verwöhnen – nur eben gesünder.

Militant möchte ich nicht werden

Ich möchte auch kein „militanter“ Veganer werden, der Fleischesser des Mordes bezichtigt und sich moralisch erhaben fühlt. Das liegt mir fern. Ich muss sogar gestehen, dass ich hin und wieder kleine Ausnahmen mache. So esse ich mit meiner Familie jeden Sonntag ein Omelett aus echten, regionalen Bio-Eiern (Ei-Ersatzprodukte sind ziemlich grauslich) und verwende immer noch Honig, wenn auch in Maßen. Mein geliebter Frühstückskaffee aus der Bialetti-Espressokanne schmeckt mir mit Hafermilch inzwischen allerdings besser denn je und sogar Tofu ist toll, wenn man ihn richtig zubereitet.

Die Sache mit den Vitaminen

Wer immer noch glaubt, vegan sei ungesund, sollte erst einmal darüber nachdenken, wie viele Menschen durch herkömmliche Ernährung krank werden. Ich habe festgestellt, dass mir die tierfreie Ernährung dabei geholfen hat, viel bewusster zu essen. Ich habe inzwischen viel über Veganismus gelesen und bin überzeugt, mich inzwischen so gesund zu ernähren wie nie zuvor. Die häufigste Mangelerscheinung bei Veganern ist der Vitamin B12-Mangel (bei vielen Fleischessern übrigens auch), den ich durch die zusätzliche Einnahme von veganen B12-Tropfen verhindere.

Erfahrungsbericht Selbsttest Vegan! Ich und vegan?

Es wird besser

Ach ja, seit November hat sich mein Blutdruck gesenkt, meine Cholesterinwerte haben sich verbessert und ich habe bereits 11 Kilo abgenommen. Ich und vegan? Aber sicher. 

Erfahrungsbericht Selbsttest vegan
von Markus Neumeyer

Zapatka, BiancaVegan Foodporn. Kochbuch. Erschienen 2019 im Riva Verlag. 272 Seiten.  ISBN: 978-3-7423-1145-0

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Die Doku The Game Changers gibt es übrigens auch auf Netflix.

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