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„98 von 100 Punkten waren eine Niederlage“

Top Gun – coole Jungs, schöne Frauen, waghalsige Flugmanöver und jede Menge Testosteron. Der Film aus 1986 begeisterte Kinobesucher weltweit, machte Tom Cruise zum Superstar und hat längst Kultstatus erreicht. Eine ganze Generation kaufte sich im Anschluss ähnliche Lederjacken wie sie Tom Cruise alias Pete „Maverick“ Mitchell im Film getragen hat. Ein Junge aus Deutschland ging deutlich weiter: Er hat damals eine Entscheidung getroffen, die sein Leben veränderte. „Als ich den Film gesehen habe, wusste ich: Das will ich einmal machen“, erzählt Christian Rode, der es schließlich tatsächlich zum Kommandanten einer Fliegerstaffel in den USA gebracht hat. Das Sofa-Magazin traf ihn auf Stippvisite in Wien, wo er auf Einladung von Marketagent.com eingeflogen ist.

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Dieser Tage hält Christian Rode Vorträge, in denen er Managern erklärt, was sie aus der Fliegerei lernen können. Er referiert zum Beispiel über Risikomanagement. Auch wir wollten Einblicke in die Welt der Eliteflieger erhalten, vor allem wissen, wie die „fliegenden Studenten“ so ticken. „Wir mögen diesen Film heute noch, wir Flieger betrachten ihn freilich eher als eine Komödie“, sagt Rode, der betont, dass der Hollywood-Streifen klarer Weise nicht allzu viel mit der Realität gemeinsam hat. “Wir sehen auch nicht so gut aus, wie die im Film“, sagt der ehemalige Kampfpilot mit einem Lächeln.

"Das Ziel ist immer, die Mission so nahe wie möglich an der Perfektion zu fliegen“,
,Top Gun' Christian Rode

Top Gun, die Elite-Jagdflugschule für die Besten der Besten, existiert allerdings wirklich. Rode ist Absolvent des deutschen Pendants zum amerikanischen Top-Gun-Kurs oder auch FWIC (Fighter Weapons Instructor Course). Dies entspricht der höchsten Qualifikation, die ein Kampfpilot erreichen kann. Und im Jahr 2004 wurde er als Austauschoffizier in die USA versetzt, wo er als Fluglehrer eingesetzt wurde.

2008 kam Rode dann zu hohen Ehren: Damals wurde ihm das Kommando über seine Ausbildungsstaffel, die 88th Fighter Training Squadron übertragen – eine Einsatzstaffel mit 30 Jets, 45 Fluglehrern und 180 Flugschülern. Aufgrund seiner Leistungen wurde er mit der USAF Meritorious Service Medaille ausgezeichnet. Eine Vita, die uns zeigt, dass es sich lohnt, nach den Sternen zu greifen und meist mehr möglich ist als man denkt. 

Das Top-Gun-Prinzip

In seinem Vortrag sprach Christian Rode über das Top-Gun-Prinzip („Do things right the first time, every time.“) und die „Golden Rules of Aviation“. Eine davon wird mit K.I.S.S. abgekürzt – das steht für: „Keep it stupid simple“. Und man sollte jeden Tag etwas Neues dazulernen. Tipps, die auch im Studentenalltag kein Fehler sind.

Individuelle Leistung hat einen hohen Stellenwert, jeder schaut in der Ausbildung nur auf sich selbst und will der beste sein. „Wir sind da schon extrem“, verrät Rode dem Sofa-Magazin. Extrem sind auch die eigenen Ansprüche an sich selbst: „Wenn wir einen Test hatten, bei dem man maximal 100 Punkte erreichen konnte, dann wollte ich auch 100 Punkte. 99 waren kein Stimmungsmacher, aber noch ok, einmal kann mach sich schon irren oder bei einem Multiple-Choice-Test verdrücken. Aber wenn ich 98 Punkte hatte, dann war das eine Niederlage und ich war total frustriert. Die anderen hatten ja schließlich auch meist 100 Punkte.“ Das Streben nach absoluter Perfektion gilt auch im Fliegeralltag: „Das Ziel ist immer, die Mission so nahe wie möglich an der Perfektion zu fliegen“, erklärt Christian Rode.

Den Rücken freihalten

Gleichzeitig sei klar, dass man, bei all den Egos, am Ende doch nur gewinnt, wenn das Team effizient funktioniert. „Kampfpiloten müssen optimal zusammenarbeiten“, erklärt der Jetpilot. Schließlich würde man sich im Einsatz gegenseitig den Rücken freihalten und im Extremfall das Leben anvertrauen. Übrigens: Piloten rangieren seit Jahren unter den Top 5 der angesehensten Berufe. Sie liefern sich innerhalb dieser in diversen internationalen Umfragen meist ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Ärzten, Krankenpflegern und Apothekern. Die Nummer eins sind indes fast immer Feuerwehrleute.

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