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Amazon und die Mikrowelle

Die amerikanische Futuristin Amy Webb gibt Einblicke in die neusten Entwicklungen der Technologie-Branche in den USA. Und erklärt am Drucker Forum in Wien, wieso Amazon sprachgesteuerte Mikrowellen um 59 Dollar verkauft und in den USA bereits Reihenhaus-Siedlungen entwickelt.

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„Die Leute dachten, das sei ein Scherz“, erinnert sich Zukunftsforscherin Amy Webb an eine Pressekonferenz am hypermodernen Campus von Amazon. Zwei Stunden wurde dabei über Innovationen, insbesondere Künstliche Intelligenz referiert, am Ende dann aber ein Mikrowellenherd präsentiert, der mit Alexa gekoppelt auf Sprachbefehle reagiert und ganze 59 US-Dollar kostet. „Alexa mach Popcorn“ heißt es dann und man spart sich glatt, auf eine Taste zu drücken. Das klingt nun wirklich nicht nach dem großen Durchbruch. 

AI für die Küche

Tatsächlich aber steckt viel mehr dahinter: Amazon weiß bislang ganz genau, wer wann wie viel Popcorn kauft, um bei diesem Beispiel zu bleiben. Die Künstliche Intelligenz im Hintergrund, die die Daten der Konsumenten analysiert, weiß allerdings nicht, was in der Folge dann mit dem Popcorn passiert. Wer bereitet es dann zu? Um wie viel Uhr? Und wer isst es schließlich? Wird es überhaupt gegessen? All das weiß der Algorithmus nicht. Genau diese Daten liefert nun aber die Mikrowelle. Und das ist nur ein Beispiel dafür, wie Tech-Riesen à la Amazon immer mehr Daten sammeln und immer mehr in unsere Haushalte Einzug erhalten. 

Amazon als Häuslbauer

Amazon ist in den USA bereits mit dem Immobilienentwickler Lennar eine Kooperation eingegangen – und verkauft nun Häuser über seine Plattform. Smart Homes, selbstverständlich. Ganze Siedlungen davon, und sie sind günstig. „Den Tech-Riesen geht es nicht darum, mit den Produkten direkt Geld zu verdienen“, sagt Webb. Genauso wie sie mit ihren Banking-Apps in der Regel kein Geld verdienen. Apples Kreditkarte würde beispielsweise nicht einmal Zinsen verrechnen. Aber: „Die Konzerne sammeln Daten, viele Daten“, betont Webb und fügt hinzu: „Was, wenn sie einmal beginnen, mit diesen Daten zu handeln?“ 

„Künstliche Intelligenz ist längst Realität“

Solche Fragen müsse man stellen, so Webb. Bei vielen Unternehmen vermisst sie langfristige Pläne und Visionen, meist würde die Planung gerade einmal über 18 Monate voraus reichen. Die meisten Menschen jedenfalls würden Artificial Intelligence unterschätzen: „Sie glauben, das ist Zukunftsmusik, denken an Dinge, die sie aus irgendwelchen Science Fiction-Filmen aus Hollywood kennen“, sagt Webb. „Aber nein: Künstliche Intelligenz ist längst Realität!“ Man denke nur an intelligente Bremssysteme in moderne Autos oder selbst Spamfilter, die von sich aus Mails aussortieren, so die Zukunftsforscherin aus den USA. 

Und dann sagt Webb, es sei ein Trugschluss ist, zu glauben, dass man zur Überwachung und Gewinnung biometrischer Daten eine Kamera brauche: „Das geht alles über WLAN.“ Und die Tech-Firmen forschen munter weiter. „Die Leute glauben, Amazon ist ein Onlinehändler,“ sagt Webb, „tatsächlich aber ist Amazon viel mehr, etwa ein Top-Forscher in Sachen Künstliche Intelligenz“. Die Spracherkennung Alexa entwickelt sich dahingehend, Emotionen zu erkennen, durch Änderungen in der Stimme. Oder auch Husten oder Schnupfen. Man könne sogar Krankheiten oder eine Depression erkennen, noch bevor der Betroffene selbst darüber Bescheid weiß. Das wiederum wirft eine Frage auf: Wer besitzt unsere biometrischen Daten? „Es gibt derzeit keine Antwort auf diese Frage, auch weil sie niemand stellt“, sagt Amy Webb. Auch das sei Aufgabe von Zukunftsforschern, solche tiefgreifenden Fragen aufs Tableau zu bringen. 

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