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Armut in der Hausordnung: Bettler auf dem Uni-Gelände

Die Hausordnung von Universitäten regelt alles und jeden. Auch die steigende Anzahl der Bettler und die Frage nach dem Wo und Wie wird nicht außer Acht gelassen. Doch wie reagieren Unis, wenn es zur direkten Konfrontation kommt? Die Caritas gibt hilfreiche Tipps im Umgang mit Bettlern.

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„100 bis 150 bettelnde Menschen sitzen in der Salzburger Altstadt“, sagt Robert Buggler, Sprecher der Salzburger Armutskonferenz. Vor allem seit der EU-Erweiterung von 2004 und 2007 ist ein Anstieg von obdachlosen Zuwanderern festzustellen. Der Personenverkehr wurde besonders aus östlichen Ländern erleichtert, erläutert die Informationsbroschüre „Armut muss Platz haben“ der Caritas Wien.

Betteln als der letzte Ausweg

Migranten aus Rumänien, Bulgarien, Polen, Ungarn, der Slowakei und Tschechien sähen oftmals als letzten Ausweg nur das Betteln in Österreich, beschreibt die Caritas Wien weiter. Das erbettelte Geld soll dann die zurückgebliebene Familie im Heimatland unterstützen. „Die Anzahl der bettelnden Menschen hat jedoch irgendwann eine ganz natürliche Grenze“, sagt Buggler. „Wenn Bettler sehen, dass keine Plätze frei sind, ziehen sie weiter.“ Wenn es um den geeigneten Sitzplatz der Bettler geht, müssen sich auch Universitäten mit dem Bettelthema auseinandersetzen. Sie orientieren sich hierbei grundsätzlich an der Hausordnung.

Rudolf Feik, einer der Vizerektoren der Universität Salzburg, erklärt, dass Bettler laut Hausordnung nicht zu den nutzungsberechtigten Personen zählen. Sie sind somit im Gebäude unerwünscht. Das Vizerektorat für Infrastruktur der Universität Innsbruck bestätigt jedoch, dass der Grund vor Universitäten zum öffentlichen Raum gehöre und dass Betteln dort nicht verboten sei.

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"In den vergangenen Jahren ist das Betteln in der Universität Wien zurückgegangen."

Auch die Universität Wien mit ihren fast 80 Standorten kann sich dem Thema Betteln nicht entziehen. Die Universitätsgebäude zählen grundsätzlich zum öffentlichen Bereich. Belästigungen oder andere Verhaltensweisen, die gegen die Hausordnung verstoßen, werden nicht toleriert. „In den vergangenen Jahren ist das Betteln in der Universität Wien zurückgegangen“, sagt Angela Brandl vom Raum- und Ressourcenmanagement. Dennoch sei schon seit mehreren Jahren ein Sicherheitsteam im Einsatz, um die Einhaltung der gesetzlichen Richtlinien zu gewährleisten.

Doch wie sollen Studierende mit Bettlern vor oder sogar in Universitäten umgehen? „Die Begegnung zwischen den Bettelnden und denen, die angebettelt werden, ist eine unglaublich emotionale, intensive Situation“, sagt Buggler. „Wir tragen alle einen Widerspruch in uns: Geben oder nicht geben? Erst wenn wir uns mit dem Thema auseinandersetzen und eine eigene Haltung dazu entwickeln, können wir den Zwiespalt in uns auflösen.“

Not sehen und handeln“ lautet der Leitgedanke der Caritas. In diesem Zusammenhang hat die soziale Hilfsorganisation einen Leitfaden zum Thema Armutsmigration entwickelt. Der Folder „Geben oder nicht geben“ liefert hilfreiche Tipps im Umgang mit bettelnden Menschen:

  • Es gibt kein Richtig oder Falsch: Geld allein verändert die Notsituation der Bettler nicht.
  • Geben Sie, wenn Sie gern geben.
  • Sie können ohne schlechtes Gewissen auch Nein sagen.
  • Schenken Sie den Menschen ein Lächeln – oder vielleicht sogar ein „Hallo“.
  • Glauben Sie nicht jedes Vorurteil, das Sie hören – informieren Sie sich.
  • Entwickeln Sie eine eigene Haltung.

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