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Auslandssemester in Zeiten des Terrors

Partys, neue Freunde, eine neue Kultur: Schlagworte, die mit einem Auslandssemester assoziiert werden. Doch das positive Bild wird von Terroranschlägen in vielen Städten mehr als getrübt. Haben Studenten Angst vor der Terrorgefahr?

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Spanien, Frankreich, Belgien, Großbritannien und Skandinavien, das sind die beliebtesten Destinationen für ein Auslandssemester, sagt Petra Höpfner, zuständig für die Incoming- Erasmusstudenten in Salzburg. Im Hinblick auf die derzeit angespannte Lage angesichts des Terrors, dürfte man annehmen, die Länderauswahl hätte sich verändert. Hat sie aber nicht, weiß Höpfner. „Frankreich hat sich trotz mehrerer Anschläge als Topdestination gehalten, es gibt keinen Einbruch“. Auf die Frage ob Erasmusstudenten gerne Auslandssemester in Salzburg absolvieren, erläutert Höpfner, dass die Mozartstadt sehr beliebt sei. Angst oder Unsicherheit? Es gebe keine Anfragen von Incoming-Studenten betreffend Sicherheit. Peter Mayer, Leiter des Büros für Internationale Beziehungen an der Uni Salzburg ergänzt, dass er Salzburg als eine der sichersten Städte weltweit einstufe.

Tatsächlich: Laut einer aktuellen Statistik, gilt Österreich neben Island und Dänemark als eines der drei sichersten Erasmusdestinationen. In Bezug auf die Sicherheit in Frankreichs Städten gehen die Meinungen auseinander. Die Kommunikations- und Politikwissenschaftsstudentin an der Uni Salzburg, Carina Schaffer, lässt sich beispielsweise von der vorherrschenden Terrorgefahr nicht einschüchtern. „Klar weiß man darüber Bescheid, aber ich lass mich davon nicht in meiner Lebensweise beeinträchtigen.“ Sie hat von Februar bis Juni hat an der Universität Grenoble studiert und neben Lyon, Marseille und Paris auch einen Abstecher nach Nizza gemacht.

„Ich will mich nicht verkriechen“

Seit nunmehr drei Jahren wird Frankreich von einer Terrorserie islamischer Extremisten erschüttert. Das jüngste Ereignis, das Frankreich in Atem hielt: Im April dieses Jahres wurde in Paris ein Polizist erschossen und zwei weitere Personen wurden verletzt. Warum hat sich Carina einen Studienort in einer französischen Stadt ausgesucht? „Ich wollte schon immer einmal nach Frankreich reisen. Außerdem möchte ich mein Leben ja trotzdem weiterleben wie bisher und mich nicht durch diese Dinge daheim verkriechen müssen. Dadurch entsteht sonst so eine Abhängigkeit und das will ich nicht. Abgesehen davon kann eh immer irgendwo etwas passieren.“ Das sieht auch Irina Veliz so. Sie ist verantwortlich für die Outgoing-Erasmusstudenten an der Uni Salzburg und konstatiert, dass man schon zur falschen Zeit am falschen Ort sein müsse, damit einem etwas passiert. Veliz nennt als Beispiel, dass zur Zeit der Anschläge in Paris im Oktober des Vorjahres, Erasmusstudenten vor Ort gewesen seien. Glücklicherweise sei nichts passiert. Die Studenten hätten nach telefonischer Nachfrage ihren Aufenthalt ohne zu Zögern fortgesetzt.

Weder abgebrüht noch naiv

Abgebrüht oder naiv? Laut Irina Veliz keines von beiden: „Das Leben ist nun mal gefährlich, aber es ist in Salzburg nicht gefährlicher als anderswo.“ Jedenfalls scheinen sich Terroranschläge nicht negativ auf das betreffende Land auszuwirken, wenn es um die Wahl als Studienort für ein Auslandssemester geht. Höpfner wirft ein, dass auch die USA nach wie vor von Erasmusstudenten aus Österreich gerne ausgewählt werden. Haben sich die Anschläge auf das World Trade Center 2001 negativ auf die USA als Erasmusdestination ausgewirkt? Nach ein paar Klicks auf dem Computer beantwortet Höpfner die Frage mit nein. Das Interesse der Studenten sei nicht gesunken und es seien auch keine gesunkenen Zahlen zu verzeichnen. Die Mehrheit der Outgoing-Studenten lässt sich folglich vom Terror nicht einschränken und genießt weiterhin die Vorzüge des Auslandssemesters. „Ich möchte auf jeden Fall nochmal ein Auslandssemester machen oder zumindest nochmal nach Frankreich reisen“, beantwortet Carina euphorisch die letzte Interviewfrage. Höpfner sieht die Terrorangst pragmatisch: „Man kann so etwas nicht steuern. Es ist vergleichbar mit der Entscheidung in den Urlaub zu fahren. Da entscheidet man sich schlussendlich aus Angst daheim zu bleiben und dann fällt einem die Lampe auf den Kopf.“

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