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Aktivistinnen mit Schildern für eine klimafreundlichere Zukunft Aktivistinnen protestieren für eine klimafreundliche Zukunft. (Symbolbild: abgebildete Personen sind nicht die Autorinnen. Foto: Benedikt Lindner)

Nachhaltig leben – So geht’s!

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Minimalismus, plastikfreies Leben, CapsuleWardrobe und Veganismus – spätestens seit dem Aufkeimen der Fridays for Future–Bewegung sind diese Begriffe fest in unserer Gesellschaft verankert. Julia und Kathrin, zwei Studentinnen der Universität Salzburg, wollten herausfinden, wie nachhaltig Leben funktioniert und haben dafür ein einwöchiges Experiment gewagt.

Wie jeden Morgen startet Kathrin auch den Montag mit Sojajoghurt, frischem Obst und Müsli in den Tag. Als sie den Joghurtbecher aus dem Kühlschrank nimmt, kommt ihr eine Idee: Es muss doch möglich sein, Joghurt selbst herzustellen. Sie würde damit nicht nur eine Menge Plastik einsparen, auch preislich macht es einen Unterschied: Pro 500-Gramm-Becher bezahlt man nämlich rund zwei Euro. Doch wie lässt sich Sojajoghurt eigentlich unkompliziert selbst herstellen?  

Easy: Sojajoghurt selbst machen 

Zu Hause hat Kathrin bereits alles, was sie für den „Do it yourself“-Joghurt benötigt. Einen Liter Sojamilch, zwei Esslöffel Sojajoghurt und zwei Schraubgläser. Das Rezept stammt aus ihrem Lieblingskochbuch „Iss dich grün“, von der Nachhaltigkeits-Influencerin und Autorin Anina Gepp. Zu allererst muss die Sojamilch kurz in einem Topf erhitzt werden. Als nächstes lässt man die Milch auf Raumtemperatur abkühlen, bevor zwei Esslöffel des gekauften Sojajoghurts dazugegeben werden. Kurz umrühren und die Milch danach in Schraubgläser umfüllen. Damit der Joghurt fest wird, müssen die Gläser für 15 Stunden bei ca. 20 bis 40 Grad Celsius ruhen.  

Bei Kathrin hat es tatsächlich geklappt! Geschmacklich kann sie auch keinen Unterschied zu dem Gekauften erkennen. Von nun an wird es nur mehr selbstgemachten Joghurt zum Frühstück geben.   

Es müssen nicht immer Avocados sein

Bei Julia geht der Weg am Montagmorgen direkt zum Discounter ihres Vertrauens. An der Obsttheke gleitet ihr Blick für gewöhnlich zuerst zu den gereiften Avocados. Dieses Mal bleibt es aber nur bei einem Blick, denn Avocados sind nicht gerade die umweltfreundlichsten Lebensmittel. Bei ihren Recherchen fand Julia heraus, dass für 1 kg Avocados laut der Tierschutzorganisation „PETA“ mehr als 1.000 Liter Wasser benötigt werden. Der ansässigen Bevölkerung nahe den Anbaugebieten wird dafür der Zugang zu Trinkwasser erschwert, wenn es nicht ohnehin schon mit Pestiziden aus dem Anbau verseucht ist.

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Wenn man Avocados jedoch mit Fleisch- und Milchprodukten vergleicht, relativiert sich der hohe Wasserverbrauch. Denn Schweinefleisch verbraucht in etwa 6.000 Liter/kg, Käse rund 3.200 Liter/kg und Rindfleisch sogar unglaubliche 15.500 Liter/kg!

Trotzdem werden durch die steigende Nachfrage an Avocados jährlich etliche tausend Hektar Regenwald für neue Plantagen abgeholzt und auch die langen Transportwege belasten die Umwelt. Julia hat sich deshalb dazu entschlossen, erstmal auf ihr Lieblingsobst zu verzichten.

Tipp
Avocados schneiden in der Ökobilanz immer noch deutlich besser ab als Fleisch- oder Milchprodukte – das gilt auch für den CO2 Verbrauch. Dennoch sollte man auf das Herkunftsland und das Bio-Siegel achten. Darüber hinaus gilt: Regionales Obst und Gemüse ist stets die beste Wahl!

Kartoffeln aus der Nachbarschaft

Seit Kurzem landet wöchentlich ein Kilo Kartoffeln in Julias Einkaufswagen. Normalerweise würde sie die bei ihrem Bauern um die Ecke kaufen, doch die Nachfrage nach dem Schattengewächs stieg in den letzten Monaten so stark an, dass der Bauer seit Kurzem keine mehr hat.

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Schade, denn geschmacklich und auch in der Haltbarkeit haben diese Kartoffeln definitiv mehr zu bieten als die im Geschäft. Mal ganz abgesehen von den Transportwegen und der Unterstützung eines lieben Mannes aus der Nachbarschaft, der all sein Herzblut in den Anbau und die Ernte steckt. 

Vegan für die Umwelt

Bereits seit drei Jahren versucht sich Kathrin, so gut es geht, vegan zu ernähren. Diese Woche achtet sie darauf, ausschließlich auf vegane Alternativen zurückzugreifen. Mit einer veganen Ernährung tut man nämlich nicht nur Tieren etwas Gutes, sondern schont zudem die Umwelt

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Laut dem Ökologen Joseph Poore von der britischen Oxford-University, können mit einer veganen Ernährung zwei Tonnen CO2 eingespart werden, im Vergleich zum CO2-Ausstoß von Menschen, die Fleisch und Milchprodukte konsumieren. Das ist so viel, wie wenn man acht Mal in der Economy-Class von London nach Berlin fliegen würde.

Zurück im Supermarkt hat sich der rein vegane Einkauf leichter herausgestellt als gedacht. Die Auswahl an Fleisch- und Käseersatzprodukten in allen Formen war größer als erwartet. Auch bei veganen Joghurt- und Milchalternativen fehlte es an nichts und sogar ihr heißgeliebtes Magnum-Eis mit Mandelsplitter konnte Kathrin in veganer Ausführung finden. Das hat ihr wieder einmal gezeigt, dass der Umstieg auf eine vegane Ernährung heutzutage immer leichter wird, da die Auswahl an Alternativen deutlich größer ist, als noch vor ein paar Jahren. 

Gemüse aus Balkonien 

Auch Julia achtet sehr darauf, wo ihre Lebensmittel herkommen. Seit einigen Wochen zieht sie auf ihrem Balkon Obst und Gemüse groß und jetzt ist es endlich soweit – der erste Teil des Gemüses ist erntereif. Im Hochbeet befinden sich Eisbergsalat, Blattspinat, Erdbeeren sowie Kräuter. Von Zucchini, Gurke, roter und gelber Paprika bis hin zu verschiedenen Tomatensorten ist die Vielfalt auch in den Töpfen neben dem Hochbeet groß.

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Ob es sich preis-leistungsmäßig rentiert, kann sie aktuell noch nicht genau feststellen, da noch ungewiss ist, wie viele Früchte die Pflanzen schlussendlich tragen werden. Spaß hat der Anbau aber auf jeden Fall gemacht und auch nächstes Jahr wird sie ihr Hochbeet mit frischem Obst und Gemüse direkt vor der eigenen (Balkon-)Tür nicht missen wollen.  

Plastikverbot (beim Haarewaschen) 

Es ist Donnerstag und für Kathrin wird es Zeit für eine Haarwäsche. Dabei möchte sie auf Plastikverpackungen weitgehend verzichten

Seit einiger Zeit nutzt sie dafür ein festes Shampoo aus der Drogerie, welches überraschend gut schäumt und sich einfach und problemlos auftragen lässt. Außerdem passt das kleine viereckige Shampoo-Stück hervorragend in jede Tasche und ist somit bestens für Reisen geeignet.

Kathrin ist positiv überrascht. Shampoo-Flaschen kommen ihr damit nicht mehr ins Bad, denn die plastikfreie Alternative liegt preislich ungefähr im gleichen Rahmen und der Umwelt wird auch geholfen. 

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„Umwelt-Ritter“ gegen Plastik (Foto: Benedikt Lindner)

Hinweis
In den vergangenen Jahrzehnten ist die Menge an Plastik rasant gestiegen und mehr als die Hälfte der Plastikmenge, die seit Anbeginn weltweit produziert wurde, geht auf die vergangenen 15 Jahre zurück. Auch immer größere Mengen an Mikroplastik gelangen dadurch in unser Essen und Trinkwasser – sogar im Regenwasser konnten Spuren von Mikroplastik gefunden werden. Aber nicht nur wir Menschen, sondern auch Tiere leiden unter den Massen an Plastikmüll.

Gesichtswasser aus Apfelessig

Auf Kathrins Empfehlung hat auch Julia das feste Shampoo in den Einkaufskorb gepackt. Ursprünglich war sie auf der Suche nach wiederverwendbaren Wattepads, denn sie hat es sich zur Mission gemacht, ein reinigendes Gesichtswasser selbst herzustellen. So legt sie also die wiederverwendbaren Wattepads, das feste Shampoo sowie eine Flasche Apfelessig auf das Kassenband. Was ihr nachhaltiges Herz gleich viel höherschlagen ließ: KEIN Stück Plastik ist bei diesem Einkauf vorzufinden!  

Zuhause angekommen bereitet sie ihr Gesichtswasser vor. Hierzu wird ein Esslöffel Apfelessig zusammen mit etwa fünf bis sechs Esslöffel warmen Wasser vermischt. Das Wattepad wird in den Sud getunkt, kräftig ausgedrückt und nun streicht man damit über die Gesichtshaut. Aber Achtung: die Augenpartie aussparen! Vom Geruch darf man sich nicht abschrecken lassen. Dieser verfliegt aber innerhalb von wenigen Sekunden.  

Selbst eine Woche später ist Julia hin und weg vom Gesichtswasser. Ihre Haut fühlt sich sauber und weich an und auch ihre Pickel haben sich aus dem Staub gemacht. Nachhaltiger und günstiger gehen Abschminken und Hautpflege wohl nicht. 

5 Tipps und Tricks für einen nachhaltigen Alltag

Die meisten Putzmittel sind in Plastikflaschen verpackt und für jede Oberfläche besitzen wir einen anderen Reiniger. Das führt zu unnötigem Plastikmüll, der sich durch Selbermachen vermeiden lässt. 

Im Internet lassen sich dafür viele einfache DIY-Rezepte finden. Um die dort vorgestellten Reinigungsmittel herzustellen, werden lediglich fünf Zutaten benötigt: Essig, Natron, Soda, Zitronensäure und Kernseife

Alle benötigten Zutaten können im Drogeriemarkt oder über das Internet gekauft werden. Zum Anmischen der Do-It-Yourself-Produkte eignen sich alte Plastiksprühflaschen oder Sprühflaschen aus Glas.  

Für die Herstellung von Hafermilch benötigt man einen Liter Wasser, 80 Gramm feine Haferflocken sowie eine Prise Salz.  

Die drei Zutaten werden im Standmixer für etwa zwei Minuten gemixt. Danach geht’s ans Absieben: Dafür verwendet man zum Beispiel ein dünnes Geschirrtuch oder einen Nussbeutel, welche zu einem Beutel geformt werden. Die Masse wird am besten von einer zweiten Person nach und nach in den Beutel geleert. Das Geschirrtuch mit der Milch wird über einer Schüssel ausgedrückt und anschließend in eine Flasche umgefüllt. Die fertige Pflanzenmilch ist im Kühlschrank für ca. drei Tage haltbar. 

Sogenannte Zero-Waste-Shops ermöglichen einen nachhaltigen Einkauf ganz ohne Verpackung. Unverpackt-Läden beziehen häufig regionale Bio-Produkte, was den CO2-Abdruck der Ware zusätzlich senkt.  

Eine ausführliche Liste mit Standorten verschiedener Zero-Waste-Shops in Österreich hat Zero Waste Austria zusammengestellt. Unverpacktes Einkaufen ist jedoch auch in vielen Supermärkten möglich. Ein Großteil an Obst und Gemüse, sowie Backwaren und Nüsse können dort ohne Verpackung gekauft werden. 

Durch die Nutzung von Sharing-Angeboten kannst du Ressourcen sparen und der Umwelt etwas Gutes tun. Vor allem durch das gute Preis-Leistungs-Verhältnis sind Sharing-Dienste für Studierende mit einem schmalen Budget prädestiniert. Geteilt wird jedoch nicht nur in der Mobilitäts- und Unterkunftsbranche, auch das Teilen von Kleidung ist immer mehr im Kommen. Sharing-Angebote kannst du zum Beispiel auf verschiedenen bekannten Online-Plattformen finden und inserieren. So schonst du nicht nur die Umwelt, sondern auch deinen Geldbeutel. 

Beachte die Regeln der Mülltrennung, denn nur so können Abfälle umweltfreundlich, kostensparend und ressourcenschonend recycelt und weiterverarbeitet werden. Doch besonders bei Gegenständen, die nicht eindeutig einer Gruppe von Abfällen zuordenbar sind, kann es knifflig werden. Da eine gute Vorsortierung für ein effektives Entsorgungssystem jedoch wichtig ist, hat die IKB ein Alphabet der Mülltrennung zusammengestellt. Hier kannst du nachsehen, falls du dir bei bestimmten Gegenständen unsicher bist. 

Nachhaltigkeits-Tipps findest du übrigens auch in unserem Video:

https://youtu.be/fmay4fHmUkk

Hast auch du Tipps zum Thema nachhaltig leben? Verrate sie uns gerne in den Kommentaren. Wir sind gespannt! 

PS: Hör auch gern in den aktuellen Podcast rein! Hier haben wir mit Dr. Karin Dobernig, Leiterin des Instituts für Nachhaltigkeit an der FH Wiener Neustadt, über ein nachhaltiges Studierendenleben gesprochen.

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