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Bike Citizens – Wie „FahrradbürgerInnen“ die Städte erobern.

Lisa wird so schnell nicht langweilig. Sie studiert Digitale Medien und Kommunikation an der FH Burgenland und arbeitet „nebenbei“ bei einem motivierten Grazer Start-up. For cyclistsby cyclists“  So und nicht anders lautet das Motto des Teams von Bike Citizens, das sich voll und ganz den Drahtesel-Fans verschrieben hat. Bike Citizens ist eine App von RadfahrerInnen für RadfahrerInnen – die erste, die auf die Bedürfnisse von Radfahrenden im urbanen Raum eingeht. Das Besondere dabei ist das intelligente Routing-Profil. Die Routenführung passt sich an die persönlichen Bedürfnisse der RadlerInnen und Radler anMan kann zwischen einem gemütlichen, einem schnellen oder einem bequemen Weg wählen. Echte Pedalritter sagen dazu auch: „Wie geil ist das denn, bitte!“ 

Globale Community

Bike Citizens verbindet Radfahrende in über 450 Städten weltweit. Als App-User kann man sich darüber informieren, was in der eigenen Umgebung passiert, und sein Wissen mit anderen Bike Citizens teilenDabei funktioniert die praktische App sowohl online wie offline. Mit „Cycling Intelligence“ tragen täglich rund 400.000 Personen dazu bei, bessere Bedingungen fürs Radfahren in ihrer Stadt zu schaffen. Alle aufgezeichneten Fahrten werden anonymisiert in Heatmaps dargestellt und für stadtplanerische Zwecke eingesetzt. Die BikeCitizensCommunity kann also Städte mitgestalten.

Finn! Klein, aber klug.

Die kreativen Köpfe von Bike Citizens haben außerdem eine eigene Smartphone-Halterung entworfen. „Finn“, die extrem flexible Halterung, ist ein idealer Fahrradkumpel und hält jedes Smartphone ohne direkten Kontakt am Lenker, egal welches Fahrrad. Intelligent und zuverlässig. Hergestellt mit höchsten Qualitätsstandards im Herzen Europas, in Österreich! 

Wir haben Lisa und ihrer Geschäftsführerin Elisabeth Felberbauer ein paar Fragen über ihre Arbeit, das Radeln in der Stadt und neue Ideen gestellt. 

"Ich hab mir sogar ein zweites Rad gekauft!"
Lisa Temmel

An Lisa: 

Alter: 26 

Wo geboren: Graz 

Wohnort: Graz (im Erdgeschoß eines superlieben Hauses mit großem Garten und Pool) 

Lisa, du arbeitest jetzt wie lange bei Bike Citizens 

Ich arbeite seit Oktober 2019 bei Bike Citizens als Key-Account-Manager im B2Gov-Bereich. Der B2Gov-Bereich (= Business to Government) ist jener Bereich, wo wir die Fahrrad-App und Services, die über die Fahrrad-App hinaus gehen, an Städte und Kommunen verkaufen.  

Was ist deine Aufgabe? 

Ich glaube, da sollte ich etwas weiter ausholen. Ganz grundsätzlich verkauft Bike Citizens die Smartphone-Halterung „Finn”, die App-Lizenz, Kampagnen und Analysen. Das wäre unser Produktportfolio, ganz grob angeschnitten.  

User können sich die BikeCitizensApp gratis herunterladen und In-App-Käufe tätigen. So können sie zum Beispiel in der App Städtepakete ihrer Wahl herunterladen. Diese Städtepakete können dann entweder bezahlt, freigeradelt oder mittels Gutscheincode erworben werden. 
Ganz großer Vorteil gegenüber Google Maps (weil ich das immer gefragt werde, haha) ist die Navigation und, dass ich meine gefahrenen Strecken aufzeichnen kann. 
Die Navigation basiert auf OSM (also dem gleichen Kartenmaterial wie Google Maps), ist aber dahingehend verbessert, dass wir den Fahrrad-Typ, Straßenbeläge und auch die gewünschte Navigationsgeschwindigkeit miteinbeziehen. Wenn man also beispielsweise mit einem Rennrad fährt, wird darauf geachtet, dass nur Straßen mit festem Belag (vorzugsweise Asphalt und kein Kopfsteinpflaster) angezeigt werden. Wenn man mit dem normalen City-Bike unterwegs ist und eine gemütliche Route fahren will, dann kann es auch sein, dass man durch Waldwege, Schotterwege oder andere Arten von Untergründen navigiert wird.  

Für Städte sieht unser Produktportfolio etwas umfangreicher aus. 
Grundsätzlich können Städte die App-Lizenz für 12 Monate erwerben. Dann wird ihr eigenes Städtepaket erstellt, in ihren Farben und mit Logo der Stadt gebrandet. (Siehe Weiz, Linz usw., alle Städte also, die momentan gratis zu haben sind).
Zusätzlich zur App-Lizenz erhalten Städte auch Analysen, die ihnen zeigen, wo die Fahrradfahrenden unterwegs sind, wie viele Strecken sie tracken oder navigieren, wie schnell sie fahren, zu welchen Tageszeiten, usw. Da gibt es also extrem viele Möglichkeiten, die sich Städte dazukaufen können. Somit tun sich die Städte auch in weiterer Folge leichter den aktuellen Fahrradverkehr einzuschätzen bzw. den zukünftigen zu planen.  

Städte können bei uns auch sehr lustige Kampagnen kaufen, wie die BikeBenefitKampage zum Beispiel. In dieser wird mit lokalen Partnerbetrieben gearbeitet. Radfahrende können pro gefahrener Strecke Punkte sammeln und diese dann gegen Rabatte oder Gutscheine in ihrer Stadt einlösen. So können wieder mehr Menschen zum Fahrradfahren motiviert, aber auch – zum Beispiel – die Innenstadt belebt werden. 

Meine Aufgabe ganz konkret ist also, die Services an die Städte zu verkaufen. Mittels der gewonnenen Analysen können die Städte dann Verbesserungen anhand unserer Daten planen und umsetzen. Ich stehe also meistens in Kontakt mit Stadträten, Politikern, Radverkehrsbeauftragten und anderen Personen in Gemeinden und Städten.  

Wie bist du zu diesem Job gekommen? 

Naja, ich habe mich halt beworben 🙂  

Ich habe eigentlich erst relativ kurz vor meiner Bewerbung bei Bike Citizens begonnen „richtig“ Rad zu fahren… Bis vor zweidrei Jahren hatte ich nicht einmal ein eigenes Fahrrad. Außerdem bin ich relativ ängstlich… Wenn ich nicht genau weiß, wo ich fahren kann (bzw. wo das Fahren sicher ist), dann lasse ich es auch lieber oder fahre neben den Autos (was auch echt nicht angenehm oder sicher ist). 
Ich habe dann einmal für meine alte Firma eine Recherche der österreichischen Startups gemacht und bin auf die BikeCitizensApp gestoßen. Hab mir dann die Graz-Karte heruntergeladen und mich von dieser navigieren lassen. Da sind mir Wege angezeigt worden, die mir Google Maps so nie gezeigt hätte (damit wären wir wieder beim Thema, warum BC besser ist als Maps) 🙂 
Somit habe ich den Spaß am Radfahren gefunden und mir sogar noch ein zweites Fahrrad gekauft! Jetzt habe ich ein „schnelles“ und ein „gemütliches“ Damenfahrrad, haha.
Nachdem mir die App so gut gefallen hat, habe ich mir auch einmal die Website angeschaut und gesehen, dass Jobs ausgeschrieben sind. Hab mich dann für was ganz anderes beworben, bin aber im Endeffekt in Sales gelandetwas sich mittlerweile auch schon ausgezahlt hat. Ich konnte an Weiz und Linz unsere App-Lizenz verkaufen und seit April/Mai gibt es die jeweiligen Stadtkarten gebrandet und gratis zum Download. 

Wie gefällt dir die Arbeit in einem Startup? Stimmt es, dass in jungen Unternehmen eine besonders intensive Aufbruchstimmung herrscht? 

Wir zählen wahrscheinlich offiziell nicht mehr als klassisches Startup (dafür gibt es uns schon zu lange), aber wir sind ein junges, dynamisches Unternehmen. 

Es macht viel Spaß bei Bike Citizens zu arbeiten. Wir haben recht flache Hierarchien (dennoch sind sie da, was auch die Arbeit etwas vereinfacht meiner Meinung nach), haben viele Freiheiten und die mentale und körperliche Gesundheit steht immer an oberster Stelle. Damit meine ich unter anderem unsere 4-Tage-Woche und die Gleitzeit. Das alleine schon zielt darauf ab, dass wir uns am Wochenende gut erholen können. Auch, dass wir während den Arbeitszeiten kochen oder Tischfußball spielen, wenn uns der Kopf raucht, ist ein absoluter Mehrwert. Grundsätzlich kann sich jeder, der möchte, zum Kochen eintragen. Je nachdem, wie viel die Person zu tun hat, kann das einmal oder öfter im Monat sein (das übertreibt auch niemand, da das Kochen für ~ 20 Leute auch ganz schön anstrengend sein kann). So etwas schweißt wirklich zusammen! 
Und auch bei der eigentlichen Tätigkeit, die man ausführt, wird man sehr wertgeschätzt und gefördert. Ich zum Beispiel kann mir meine Sales-Arbeit so einteilen, wie ich es für richtig halte. Ich habe sehr viele Freiheiten, aber auch klare Ziele und Ansprechpersonen. 
Man merkt einfach in jeglicher Hinsicht, dass auf Eigenverantwortung gesetzt wird. Das motiviert intrinsisch das Beste für die Firma rauszuholen, ohne, dass ständig ein enormer Sales-Druck auf dich eindrückt. Ich glaube, das gibt es in vielen eingesessenen Firmen nicht – da zählen oft nur harte Daten und Fakten, dass man aber noch ein Mensch ist, wird häufig vergessen.  

Bezüglich der Aufbruchstimmung, naja, nachdem sich generell bezüglich Fahrradverkehr momentan viel tut, passiert auch intern bei uns einiges. Viele Städte verstehen endlich, dass sie den Fahrradverkehr digitalisieren müssen – für Jugendliche existieren nichtdigitale Dinge schon kaum mehr. Alles, was heutzutage nicht zu Googlen geht, gibt es quasi nicht… Daher ist es wichtig auch den Fahrradverkehr auf das Smartphone zu bringen und den Menschen zu zeigen, wie viel sie fahren, wo sie fahren und wie oft. 
Dazu kommt, dass sich auch intern bei uns die Strukturen etwas geändert haben. Es läuft nun vieles rund, was vor einigen Monaten noch gestockt hat. Es passen also momentan einfach alle Bedingungen, um positiv in die Zukunft zu blicken 🙂 

Auf eurer Webseite steht was Bike Citizens ausmacht: Teamgeist, die 4-TageWoche und das gemeinsam gekochte Mittagsessen. Was davon ist dir am wichtigsten? 

Lustigerweise wusste ich bei meinem Bewerbungsgespräch nicht, dass BC eine 4-Tage-Woche hat. Ich habe das erst während des Gesprächs erfahren, nachdem ich gemeint habe, dass ich wegen der FH am Wochenende freitags nicht arbeiten kann 😊.
Ich würde also sagen – wenn ich wählen müsste – dass mir die 4-Tage-Woche am wichtigsten ist.  Zumindest aus der momentanen Sicht einer berufsbegleitend Studierenden an einer FH.
 

"Bike Citizens verfolgt die Vision von lebenswerten Städten."
Elisabeth Felberbauer

An die Geschäftsführerin: 

Name: Elisabeth Felberbauer 

Wo geboren: Graz 

Wohnort: Graz 

Was ist das Besondere an Bike Citizens? Warum sollte ich mir als Radler die APP auf mein Handy laden? 

Mit Bike Citizens entdeckt man immer neue Seiten an seiner Stadt – je größer die Stadt, desto größer die Entdeckungsreise. Bike Citizens navigiert dich über die fahrradfreundlichsten Routen ans Ziel. Alle, die Radfahren aus Sicherheitsgründen bislang skeptisch gegenüberstehen, haben mit der App einen tollen digitalen Freund, der ein sicheres und positives Fahrraderlebnis ermöglicht. Erst kürzlich bekam ich von einer Freundin das Feedback „Ich bin echt voll in Love mit eurer App …es wurde mir hin und retour eine andere Route vorgeschlagen. Das war jetzt das pure Vergnügen, weil ich Graz neu kennengelernt hab… war auf Straßen unterwegs, wo ich vorher noch nie war…es war MEGA!!!“  

Wer seine Routen bereits kennt und ohnehin viel oder nur mit dem Rad unterwegs ist, kann seinen Wegschatz ausbauen und über die persönliche Heatmap sehen, wie gut/wie viele Wege er eigentlich in seiner Stadt kennt. Überdies können die Daten den Städten helfen, den lokalen Radverkehr besser zu verstehen, um in Folge Infrastrukturprojekte zu optimieren. 

Welche Eigenschaften braucht man, um ein Startup zu leiten?  

Also wenn man es genau nimmt, sind wir schon ein Start-up mit grauem Bart 😉 Ich glaube, offiziell ist man nach 5 Jahren aus dem Start-up-Alter herausgewachsen. Bike Citizens gibt es seit 9 Jahren.  Dennoch kann man uns wahrscheinlich in vielerlei Hinsicht – Look & Feel – in diese „Schublade“ packen. Wir selbst sehen uns mittlerweile als junges Technologie-Unternehmen mit Start-upSpirit 😊.
Um ein Start-up zu leiten, braucht es Mut … zur Neugier, zum Ausprobieren, zum Tun. Das brauchen wir auch – vor allem braucht Bike Citizens jetzt aber Mut zum Fokus. Und Start-ups so wie auch wir brauchen Teams, die inspiriert sind und eine große intrinsische Motivation haben, das Projekt und Unternehmen weiterzutreiben. Dafür müssen entsprechende Rahmenbedingungen und Freiheiten beim Arbeiten geschaffen werden.  

Was plant Bike Citizens für die Zukunft? 

Das digitale Zuhause von urbanen Radfahrenden zu werden. Viele Fahrradprojekte mit Städten im DACH-Raum und Europa. Viele digitale Kampagnen, die die Begeisterung für das Radfahren in der Stadt beflügeln und den Städten und Kommunen die Grundlage zur besseren Infrastrukturplanung liefern.  

Was bedeutet Nachhaltigkeit für Sie? Was für Bike Citizens? 

Nachhaltigkeit bedeutet, dass auch die Generationen nach uns eine Welt vorfinden, die lebenswert ist. Nachhaltigkeit bedeutet bewusster und verantwortungsvoller Umgang mit Mensch und Natur. Jeder kann für sich überlegen, ob es immer schneller, höher und weiter sein muss. Bike Citizens verfolgt die Vision von lebenswerten Städten – und dabei ist auch Mobilität ein wichtiger Baustein. Bike Citizens hat es sich zum Ziel gemacht, mittels digitaler Lösungen die Freude am urbanen Radfahren zu steigern. Egal ob Sicherheit und Orientierung zum Einstieg oder mittels Belohnungskampagnen oder Wettbewerben.  

Sind bei Bike Citizens alle Teammitglieder selber Radfahrerinnen? 

Ja, tatsächlich ist der Fahrradabstellplatz vor unserem Büro in Graz mittlerweile zu klein. Und es steckt natürlich auch an, wenn alle mit dem Fahrrad kommen, dass man selbst auch „dazu gehören“ will.  Unser Büro liegt in der Innenstadt, d.h. das Team kommt größtenteils mit dem Fahrrad, manchmal auch zu Fuß, mit Scooter oder den Öffis – das Auto ist tatsächlich die absolute Ausnahme. Die Wahl des Verkehrsmittels hängt auch immer von den Möglichkeiten ab – ich kann von niemandem verlangen zwei Stunden mit den Öffis oder über 20 km mit dem Fahrrad zur Arbeit zur fahren. Das Fahrrad macht dort Sinn, wo die Wege kurz sind – und in der Stadt sind bekanntlich über 60 % der Wege kürzer als 5 km. 

Was ist Ihre Meinung zu E-Bikes? 

E-Bikes sind toll – sie vergrößern den Radius der Erreichbarkeit mit dem Fahrrad (von rd. 5-8 km pro Strecke zu rd. 10-15 km pro Strecke). Überdies wird das Fahrrad in Regionen spannend, die sehr hügelig sind, und wo man viele Höhenmeter nimmt. Und, der dritte Punkt, der im urbanen Bereich dafürspricht, ist, dass das E-Bike auch die Zielgruppe der Radfahrenden erweitert. Ich muss nicht mehr nur jung und sportlich sein, sondern mittels E-Unterstützung ist das Fahrrad sowohl für alt und unsportlich eine Option wie für Menschen, die einfach nicht verschwitzt im Büro ankommen möchten. Und, wie auch beim Autofahren – desto mehr Übung, desto sicherer ist die Fahrt.  

…und was sie sonst noch sagen möchte… 

Ich hoffe, jetzt sind alle so neugierig, dass die BikeCitizensApp und Finn gleich getestet werden. PS: Wir freuen uns auch über Bewerbungen für Praktika und überhaupt 😊. 

Mehr Infos findet ihr auf bikecitizens.net.

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