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Cloudrap ist der Mega-Shit

Musik wie Wölkchen. Nicht schöne Puffwolken, sondern unnötige Föhnwolken. Schaut nach nichts aus, bringt nichts außer heißer Luft – ist aber trotzdem da. Man stelle sich das vor und lernt dann den Namen dazu: Cloudrap.

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Diese Unart des internationalen Raps hat seinen Ursprung irgendwo im Süden der Vereinigten Staaten. Lil B hat unter der kalifornischen Sonne dieses „Gefühl“, wie die Cloudrap-Künstler ihren Musikstil benennen, ausgebrütet. Der Schwede Yung Lean brachte es dann nach Europa. Gemeinsam mit seinen Sad Boys landete er 2013 den ersten Cloudrap-Hit aus Europa. Dass Sad Boys sich nach dem Namen einer Emo-Band der mittleren 00er-Jahre anhört, verwundert kaum. Die Texte haben ähnlich banale Inhalte. Am schwierigsten ist es aber, überhaupt Sinn in den Texten zu erkennen. Denn Yung Lean reiht in seinen Liedern Worte wirr aneinander und sagt: Das ist Kunst. Ist es vielleicht auch – ist dann aber scheiße.

Tiefe Texte

Schlimmer ist nur noch das österreichische – respektive Wiener – Pendant: Yung Hurn, der Cloudrap noch in einen sexistischen Rahmen verpackt und dabei dauerbekifft wirkt. Wobei Yung Hurn in seinen Texten nicht explizit sexistisch ist. Ja, es geht um Drogen, Frauen und Sex, aber er wird in seiner Musik selten unterirdisch tief. Es sind eher die Erfahrungen, die eine VICE-Journalistin machen musste. Die fragte zu Beginn des Yung-Hurn-Hypes um ein Interview bei dem Künstler an. Wenig später bekam sie die Rechnung präsentiert. In einer geheimen Facebookgruppe mit u.a. dem Künstler selbst wurde sie zutiefst sexistisch beleidigt. Der Wortlaut dort: Sie wolle kein Interview, sondern „Yung Hurns dick“. Auch wenn Yung Hurn nicht persönlich die Vergewaltigungsphantasien befeuerte, bezeichnete er die Journalistin prophylaktisch als „größtes Opfer Wien“.

„Die Rapper klingen bekifft, der Beat klingt bekifft. Es stellt sich die Frage, ob der Hörer nicht am besten taub ist, um die Musik ertragen zu können. ”

Was er damit erreichen wollte, ist unklar. Vielleicht war er aber auch nur bekifft. Das würde die Musik an sich erklären: Die Rapper klingen bekifft, der Beat klingt bekifft. Es stellt sich die Frage, ob der Hörer nicht am besten taub ist, um die Musik ertragen zu können. Die Tatsache, dass die Künstler damit eine unerhört große Anzahl an Leuten erreichen, ist dramatisch. Gerade junge Menschen drehen durch, wenn Hurn eine Lobeshymne auf die schlimmste Jugenderinnerung vieler Erwachsener anstimmt: Stoli. Das ist dann offensichtlich fresh – oder doch retro? In der Kombination aber auf jeden Fall neu – das muss man den Künstlern hinter dem Musikunfall lassen.

Verwerflicher Rap

Neue Richtungen im Rap sind nicht verwerflich. Seit Kanye West auf Trapbeats rappt, ist auch er erträglich. Das mag aber an den Beats liegen. Sein ewiger Konkurrent und Freund Jay-Z macht es dann auf dem neuen Album 4:44 aber doch wieder besser, weil klassischer. In ‚Life of O.J.‘ singt er: „Light nigga, dark nigga, faux nigga, real nigga. Rich nigga, poor nigga, house nigga, field nigga. Still nigga, still nigga.“ Da spürt man noch den wahren Hip-Hop.

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