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Der Kater am nächsten Morgen

Wein auf Bier, das rat ich dir! Bier auf Wein, das lass sein! …oder kann’s doch rein? Egal in welcher Sprache, derartige Lebensweisheiten sind weit verbreitet und halten sich hartnäckig. Wissenschaftlich gab es jedoch lange Zeit keinerlei Beweise – weder dafür, noch gegen diese Thesen.

Muss ich mich vor der nächsten Party entscheiden, was ich trinken möchte? Oder sollte ich vorsichtshalber einfach immer mit Bier anfangen?

Ernst beiseite, wer macht sich schon solche Gedanken, wenn er sich am nächsten Morgen eh an nichts mehr erinnern kann… Aber dennoch bleibt die Frage nach dem Ursprung der eingangs erwähnten Lebensweisheiten.

Erklärungsversuche

Es kursieren halbherzige Erklärungsversuche, wie zum Beispiel, dass es besser für den (nüchternen) Magen ist, eine geringere Konzentration Alkohol – wie im Bier – einzunehmen, anstatt ihn mit dem oft doppelt so starkem Wein zu überfordern. Dadurch erreiche man auch eine langsamere Aufnahme des Alkohols in den Blutkreislauf, so Professor Anton Piendl vom Institut für Brauereitechnologie der TU München (Zeit). Ein weiterer Grund könnte die Kohlensäure im Bier sein. Allerdings ist strittig, ob es mehr schadet, wenn sie sich mit dem Wein vermischt, oder wenn sie auf den (nüchternen) Magen trifft. Einig ist man sich nur darüber, dass sich die Sprüche zur richtigen Reihenfolge dieser alkoholischen Getränke im Mittelalter entwickelt haben.

Damals war Dünnbier das preiswerte Tischgetränk für jedermann. Wein hingegen war kostbarer und den höheren Schichten vorbehalten. Wenn man vom Bier zur besseren Klasse der Weintrinker aufstieg, war man erfolgreich und genoss gesellschaftliche Anerkennung. Der Weg „zuerst Bier, dann Wein“ spiegelt also auch wirtschaftlichen Erfolg wider und ist daher erstrebenswert (gewesen). Auf der anderen Seite musste großes Unglück geschehen sein, wenn man als elitärer Weintrinker wieder zum Bier griff.

Die Menge macht’s aus, nicht die Reihenfolge

Auch heute assoziiert man Wein immer noch mit feinen Banketten und Galadinners und das Bier gehört zum Fußballspiel im Stadion, zur Grillparty oder wird in der Kneipe zum Stammtisch getrunken. Auch wenn die Trennung immer mehr verwischt, wird das Bier seinen Status als „einfacheres Getränk“ nicht los. Das durch das Trinken geprägte Rollenbild des „feinen Weintrinkers“ bestärkt auch Professor Szolnoki, Weinexperte aus Geisenheim (FAZ), der klarstellt: je höher der Schulabschluss, desto höher die Wahrscheinlichkeit, Wein zu trinken. Laut ihm ist der soziale Status eine Kombination aus Bildung, Einkommen und Beruf – wenn dieser zunimmt, wird Wein den Menschen auch wichtiger, da Wein das Image hat, mit einem kultivierteren Lebensstil verbunden zu sein.

Doch spielt die Reihenfolge nun eine entscheidende Rolle, wenn sowie so beides getrunken wird? In einem Experiment wurde genau das untersucht. Eine Gruppe trank zuerst Bier, dann Wein, eine andere trank in umgekehrter Reihenfolge. Zusätzlich gab es Kontrollgruppen, die nur eins der beiden getrunken haben. Nach zwei Wochen wurde getauscht und jeweils das Wohlbefinden am nächsten Tag abgefragt. Das ernüchternde Ergebnis: Es gab keine signifikanten Unterschiede, weder bei der Reihenfolge, noch zwischen den Geschlechtern. Köchling und sein Team konnten mit dieser Studie feststellen, dass die Reihenfolge keinerlei Auswirkungen auf das Wohlbefinden „danach“ hat. Die Lebensweisheiten bleiben witzige sich reimende Sprüche, ohne wissenschaftlichen Konsens.

Fazit: Ob Bier, ob Wein, alles kann rein – aber immer nur in MAẞEN.

Dieser Artikel wurde verfasst von Studierenden des Studiengangs Internationales Weinmarketing an der Fachhochschule Burgenland.

Quellen

Bayer, D. (2016) Stimmt: Bier auf Wein, das lass sein – Wein auf Bier, das rat ich dir? . URL: http://wein-verstehen.de/woher-kommt-die-redewendung-bier-auf-wein-das-lass-sein-wein-auf-bier-das-rat-ich-dir/ (18.03.2019)

Drösser, C. (1997) ZEIT-Serie „Stimmt’s“: Bier auf Wein, das laß sein – Wein auf Bier, das rat‘ ich dir . URL: https://www.zeit.de/1997/46/stimmt46.txt.19971107.xml (18.03.2019)

Franz, G. (2019) FAZ: Warum junge Menschen keinen Wein trinken . URL: https://www.faz.net/social-media/instagram/warum-junge-menschen-weniger-wein-trinken-15985727.html?premium (19.03.2019)

Köchling, J, et al. (2019) Grape or gain but never the twain? A randomized controlled multiarmmatched-triplet crossover trial of beer and wine . American Society for Nutrition, vol. 109, pp 345-352

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