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Die digitale Chance in der Krise

In Zeiten der Corona-Krise wurden uns viele digitale Wege zur Kommunikation aufgezeigt. Wir haben uns angesehen welche und wie es damit weitergeht.  

Wer kennt ihn nicht – den Klang des eingehenden Skype-Calls oder die Aufforderung kurz zu telefonieren? Seit Beginn der Corona-Pandemie und den damit verknüpften Ausgangsbeschränkungen sitzen die, bei denen es möglich ist, im Home-Office. Auch Studierende lauschen ihren Lehrveranstaltungen von zu Hause aus. Sämtliche Bereiche werden mithilfe von Technologie gemeistert. Abgesehen von ein paar Startschwierigkeiten scheint das ja ganz gut zu funktionieren.  

Österreich ist Digitalisierungsmuffel  

Geht es um Neuerungen in der Welt der Technik, beschreibt „never change a running system” – oder „das war schon immer so” – die Österreicherinnen und Österreicher recht treffend. Immerhin hätte sich laut einer Umfrage letztes Jahr nur ein Drittel der österreichischen Bevölkerung als „Befürworter” der Digitalisierung bezeichnet. Das zeigt sich auch im internationalen Vergleich der Arbeiterkammer Wien, bei dem Österreich in vielen Bereichen nur im Mittelfeld liegt. So werden Cloud-Dienste eher wenig genutzt, auch das schnelle Internet ist in Österreich nicht so verbreitet wie in anderen EU-Ländern. Im eGovernment hingegen ist Österreich zwar gut aufgestellt, allerdings wird es von der österreichischen Bevölkerung bislang verschmäht.  

COVID als Chance 

Doch was, wenn eine globale Gesundheitskrise plötzlich eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema forciert? Zu den Opfern der COVID-19 Pandemie zählen nicht nur Klein- und Mittelunternehmen oder der Kultur- und Tourismussektor, sondern auch die österreichische Sturheit sich mit neuen Technologien zu beschäftigen. Während für viele das Internet und dessen Vorzüge bereits zum täglichen Leben dazu gehören, mussten sich nun auch die größten Skeptiker wohl oder übel in die Untiefen des World-Wide-Web begeben. Dabei wird der eine oder andere vermutlich merken, dass man sich mit der unliebsamen Technologie doch einige Umstände ersparen kann.  

Wirtschaft muss umdenken 

Auch die österreichische Unternehmenswelt musste sich plötzlich umstellen und von ihren traditionellen Werten abweichen. Ausgangssperren und Verordnungen zwangen die Betriebe Österreichs im März dieses Jahres dazu ihre Angestellten ins HomeOffice zu schicken. Laut der FlexibleWorkingStudie 2019 boten jedoch 97 Prozent der Unternehmen ohnehin die Möglichkeit an von zu Hause aus zu arbeiten, aber “Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser” schien vielerorts zu gelten: denn für 85 Prozent spielte die physische Anwesenheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine große Rolle. Dies könnte daran gelegen haben, dass die Anwesenheitszeit oft als Leistungsindikator gesehen wurde und sich die unternehmensinterne Kommunikation ohne standardisierte Kommunikations- und Kollaborationstools schwierig gestaltete. Doch wie ist es heute?  

Aufbruch ins Unbekannte  

Ein paar Monate nach Ausbruch der CoronaPandemie und den damit verbundenen Einschränkungen des alltäglichen Lebens haben Unternehmen gelernt mit der Situation umzugehen. Nach dem Sprung ins kalte Wasser merkte man, dass die Krise nicht nur Schlechtes mit sich gebracht hat. Die Beschäftigung mit der Digitalisierung, Vertrieb und Events, aber auch Kommunikation und Kollaboration über das Internet zeigen viele Prozesse auf, die mit Hilfe neuer” Technologien beschleunigt und vereinfacht werden können. Neue Online-Shops wurden gelauncht, Events live gestreamt und unternehmensweit eingeführte Kommunikations- und Kollaborationsplattformen ermöglichten ortsunabhängige Meetings und unkomplizierte Zusammenarbeit.  

Burgenland holt auf 

Auch im Burgenland machte die Digitalisierungswelle nicht Halt, denn in den regionalen Betrieben des östlichsten Bundeslandes wurde die Online-Kommunikation zu einem Teil des Firmenalltags. So auch in der Esterhazy Betriebe GmbH, einem großen Unternehmen im Nord- und Mittelburgenland, das über 300 Mitarbeiter in Tourismus und Kultur, Immobilien, Land- und Forstwirtschaft beschäftigt. Hier wurde bereits recht früh auf die sich anbahnende Home-Office-Zeit reagiert und die Kommunikation und Zusammenarbeit auf Microsoft Teams ausgelagert. Stefan Deutsch, IT-Leiter der Esterhazy Betriebe, gibt uns einen Einblick, wie das Unternehmen mit den neuen Herausforderungen umgeht. Aufgrund dessen, dass man sich schon früh mit der Thematik auseinandergesetzt hat, gestaltete sich die Umstellung auf Teams recht unproblematisch.  

„Wir haben es so gemacht, dass jeder User sich Teams selber installieren musste, also über unser Deploymenttool. Damit konnten wir sicherstellen, dass es jeder User hatte, bzw. sich derjenige meldet, bei dem es nicht klappt.“

Stefan Deutsch, IT-Leiter der Esterhazy Betriebe

Teams“ für Teams 

Bei einem automatischen Rollout hätte es mehr Probleme gegeben, als wenn die User sich bewusst damit auseinandersetzen müssen. Des Weiteren könne man “Teams generell in einem halben Tag ausrollen”, meint Deutsch. Auch die Aufnahme des neuen Tools im Unternehmen schätzt er positiv ein: Durch die COVIDKrise wird Teams sehr gut von den Usern und auch von der Geschäftsführung angenommen. Da Esterhazy ein sehr regionales Unternehmen ist, gab es bis dato eher wenig Bedarf an Videokonferenzen, aber durch das vermehrte Home-Office hat es einen regelrechten Boom gegeben.” Am häufigsten kommt hierbei die ChatFunktion zum Einsatz, am zweithäufigsten Videokonferenzen, welche sowohl für kurze Anrufe als auch für Konferenzen mit bis zu 100 Teilnehmern genutzt werden. Obwohl MS Teams noch viel mehr Funktionen bietet, finden diese noch wenig Anklang.  

Hier denke ich, müssen die Grundfunktionen zum Alltag gehören bevor auch bis auch OneNote, Teams Verwaltung, Kalender, SharePoint usw. genutzt wird.” Teams war aber nicht das erste Tool, das ins Unternehmen implementiert wurde. In den vergangenen Jahren wurde bereits ein Versuch mit Skype for Business gestartet, der aber weniger erfolgreich ausfiel. Auch Home-Office war bei Esterhazy unüblich, doch die Zeit nach der Krise sieht Stefan Deutsch durchaus optimistisch.  

„Das Thema HomeOffice hat nun endlich seinen Schrecken verloren, und zwar, dass Mitarbeiter zu Hause weniger oder gar nicht arbeiten, sondern eher noch produktiver sind als im Unternehmen. Ich denke, dass eben dadurch viele Unternehmen umdenken und die Thematik in der Entwicklung etliche Jahre übersprungen hat.“

Stefan Deutsch, IT-Leiter der Esterhazy Betriebe

Effizienter durch Digitalisierung 

Hierbei deutet er vor allem auf die Vorteile für die Unternehmen hin, da Mitarbeiter, die von zu Hause aus arbeiten, kein Büro und keine Infrastruktur benötigen, also keine Betriebskosten verursachen. Dies spart dem Unternehmen Kosten und das bei gleicher oder sogar mehr Arbeitsleistung, weshalb er denkt, dass in Zukunft viele Posten als Home-Office angeboten werden. Für Deutsch ist Teams daher das perfekte Tool, um Arbeit und Kommunikation zu koordinieren.  

Die Welt der Kommunikationstools 

Doch welche Tools für Videotelefonie gibt es überhaupt und welche soll man verwenden? Wir haben mit Alexander K. über die einzelnen Möglichkeiten gesprochen. Er ist Softwareentwickler der Communi5 GmbH in Wien, sie programmieren Tools für Kommunikation über die Cloud, unter anderem Voice-OverIP und Videokonferenzen. Ihre Aufträge haben sich in der Krise vermehrt.  

„Viele Leute nutzen jetzt Videokonferenzen, weil sie im HomeOffice sind. Generell streben jetzt sehr viele Unternehmen an, hier Lösungen anzubieten, da es ein sehr großer Markt ist und wie man sieht auch ein sehr wichtiger Markt.“

Alexander, Software Entwickler

Wir haben uns die gängigsten Tools am Markt angesehen und bewertet. Das hier sind die wichtigsten:  

  • Skype 

Den meisten bekannt und von den meisten schon mal verwendet: Skype ist das „Urgestein“ der Videotelefonie. Es hat den unglaublichen Vorteil, dass es so weit verbreitet ist, sagt Alexander: „Skype wird eher verwendet, Konferenzen über längere Distanzen zu halten. Als zum Beispiel meine Schwester im Ausland war, haben wir eigentlich immer über Skype telefoniert, weil man übers Handy meistens keinen Datentarif hat im Ausland.“ Ob mit Familienmitgliedern in anderen Teilen der Welt oder für die nächste Büro-Besprechung: Skype ist sehr vielfältig einzusetzen. Außerdem kann man beim Gespräch den eigenen Hintergrund weichzeichnen – sehr praktisch, wenn das Home-Office mal nicht ganz so aufgeräumt ist.  

 

  • Microsoft Teams 

Besonders für den professionellen Bereich geeignet ist Microsoft Teams. Dort kann direkt die Struktur der Firma in Teams angelegt werden. Auch das File-Sharing ist hier vorbildhaft. „Das ist sehr praktisch, weil man auch Daten teilen kann und nicht sofort das ganze Unternehmen Zugriff darauf hat, sondern nur die einzelnen Personen, die im Team sind“, erklärt uns Alexander. Wenn das Unternehmen bereits auf Microsoft-Technologien setzt, lässt sich Teams sehr leicht integrieren.  

 

  • Zoom 

Besonders von der Krise profitiert hat Zoom, die Anwendung schaffte es in kürzester Zeit an die Spitze der Videochat-Tools. Sie wurde jedoch bald auch heftig wegen der fehlenden Sicherheit kritisiert. Das sieht auch unser Experte so: „Von Zoom halte ich nicht sehr viel, da es nicht sehr auf Datensicherheit aufgebaut ist. Es ist halt eine sehr bequeme Lösung und hat es über den privaten Weg in viele Firmen geschafft. Aber sehr große Technologiefirmen haben es teilweise schon aus ihren Systemen verbannt und es darf nicht mehr benutzt werden. Es wurde so verurteilt, weil es am Anfang nicht End-zu-Endverschlüsselt war und sich auch sehr einfach externe fremde Personen über eine Teilnehmer-ID in fremde Konferenzen eingewählt haben.“  

 

  • CiscoWebEx  

Als sehr professionelle Lösung von Cisco ist WebEx unter anderem auf virtuellen Meeting-Räumen aufgebaut. „Es ist ein eher teures Kommunikationsmittel, also ich hab‘ es in der Firma kennengelernt. Es ist sehr professionell aufgestellt, die Qualität der Videostreams ist sehr gut, aber es ist halt das Hindernis, dass das Geld kostet. Es wird daher meistens nur in Firmen verwendet oder Hochschulen. Ich sehe hier nur die Lizenzierung als Problem“, so die Meinung von Alexander. Wenn also die Kosten keine Rolle spielen, ist WebEx für Hochschulen und Unternehmen eine sichere und hochwertige Lösung.  

 

  • Discord 

Discord wurde zuerst als OpenSourceProgramm für gemeinsame Computerspiele bekannt. Langsam hat es seinen Weg aber auch zu den Unis geschafft, so Alexander. „Discord kenne ich eher aus der Gaming-Ecke und von der Hochschule wird das teilweise auch verwendet. Es ist ein offenes System, kann daher von jedem genutzt werden, aber meistens halt in der Technologie-Szene.“  

 

Neben den eher komplexen Tools für Arbeit, Schule und Studium haben wir uns auch Tools für die private Kommunikation angesehen. Denn man sucht ja auch seine sozialen Kontakte zurzeit vermehrt über Videochat auf. Hier unsere Auswahl:  

 

  • WhatsApp 

WhatsApp wird mehr im privaten Bereich verwendet, da es sehr einfach ist. Ich persönlich halte nicht sehr viel davon, da WhatsApp generell nicht so sehr auf Datenschutz Wert legt, sondern eher auf Komfort. Da es im Messaging-Bereich sehr verbreitet ist, wird es auch hier von sehr vielen Nutzern als Videokonferenz verwendet,“ sagt uns Alexander. WhatsApp hat heutzutage fast jeder – auch unsere Großeltern. Bei Video-Gesprächen können jedoch nur maximal 4 Personen teilnehmen.  

 

  • Facetime 

Direkt in Apple integriert ist Facetime, damit kann man mit einem Klick ein Video-Telefonat mit anderen starten – sofern sie auch ein iPhone, iPad oder anderes Apple-Gerät besitzen. Facetime punktet auch mit Gimmicks wie zum Beispiel lustigen Filtern. Unser Experte bleibt hier zurückhaltend: „Im Apple-Universum habe ich nicht so viel Erfahrung. Ich denke, es wird sehr häufig von AppleUsern verwendet, da es auch sehr praktisch ist, wie zum Beispiel, dass Kontakte automatisch mit Facetime verknüpft werden.“  

 

  • Houseparty 

Ähnlich wie Zoom hat Houseparty von der Krise profitiert, obwohl es davor schon fast von der Bildfläche verschwunden war. „Houseparty ist auch eine sehr schnell gewachsene App, die sehr komfortabel ist, jedoch auch nicht sehr auf Sicherheit auslegt.“ Ein Vorteil der App: man kann sich auch mit Freunden von Freunden vernetzen, also perfekt dazu, um virtuell neue Leute kennenzulernen.  

 

  • Signal 

Noch eine persönliche Empfehlung von unserem Experten: „Ein Tipp von mir ist, sich auch mal die SignalApp anzusehen, denn sie ist sehr einfach zu bedienen und legt mehr Wert auf die Datensicherheit. Sie ist sogar der Datenschutzrichtlinie unterlegen, wo WhatsApp nicht datenschutzkonform ist.  

Sicherheit versus Komfort 

Während die professionellen Tools auf Qualität, Sicherheit und Struktur aufbauen, sind bei den privaten Tools eher Eigenschaften wie Einfachheit, Verfügbarkeit als App und die direkte Integration von Kontakten ausschlaggebend. Auf die Frage, ob die Tools auch nach der Krise bestehen bleiben, zeigt sich der Softwareentwickler Alexander K. mit einem positiven Ausblick.  

„Bei einigen Unternehmen wird es zu Mischvarianten kommen – beispielsweise ein Tag in der Woche Home-Office, der Rest vor Ort. Ich denke, die Arbeit im Büro wird trotzdem auch weiterhin geschätzt.“

Alexander, Software Entwickler

Die Digitalisierung bleibt am Vormarsch 

Da es für kurze Besprechungen auch sehr praktisch ist, werden derartige Technologien mehr in den Fokus gerückt und viele Menschen werden sie nach der Krise auch noch verwenden.“ Und privat? Treffen wir uns von fortan virtuell? „Hier kommt es sehr auf den Charakter einer Person an, denn einige Personen, so wie mich eingeschlossen, treffen sich lieber persönlich mit seinen Freunden. Aber für kurze Besprechungen und Unterhaltungen, denke ich, werden weiterhin Videokonferenzen verwendet.“

Entscheidung oft vorgegeben 

Für welches Programm man sich tatsächlich entscheidet, ist oft vom Arbeitgeber, von der Uni oder von den Freunden abhängig. Ganz ohne geht es aber fast nicht. Das betont auch Alexander: „In der Krise hat sich herausgestellt, wie wichtig das Internet ist. Und ich hoffe, dass viele Unternehmen auch erkennen, wie wichtig die neuen Technologien sind, und diese in Zukunft auch integrieren.“ Mit diesen Erwartungen sehen wir in der vermeintlichen Krise auch eine Chance. Vor allem für die Digitalisierung. 

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