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Jetzt regiert das Prinzip Hoffnung

Künftig wird die soziale Herkunft eines Studenten wieder eine Rolle spielen. Wie die türkis-blaue Regierung eine Kluft in der Gesellschaft provozierte und warum Studenten im Herbst von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen sollten.

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Nach der Mindeststudienzeit plus zwei Toleranzsemestern müssen für jedes weitere Semester Studiengebühren bezahlt werden. Unter bestimmten Voraussetzungen werden diese jedoch zurückerstattet. Eine solche Ausnahme wurde bisher berufstätigen Studenten gewährt: Überschritt ihr Jahreseinkommen einen bestimmten Betrag, wurden sie davon befreit. Die türkis-blaue Regierung hatte Anfang des Jahres beschlossen dies zu ändern. Sie fordert nun rund Euro 500,- pro Semester von arbeitenden Studenten.

In ihrem Regierungsprogramm erklärten die beiden Parteien ein Studium so wieder verbindlicher machen zu wollen. Langzeitstudenten, die in keine Ausnahmeregelung fallen, sollten nach Überschreiten der vorgegebenen Zeit durchaus einen Beitrag leisten. Aber der Wunsch nach mehr Achtung vor einem Studium sollte nicht durch diejenigen verwirklicht werden, die neben der Ausbildung arbeiten müssen. Arbeiten, um zu überleben.

Arbeiten, um zu überleben.

Deutsche Medizinstudenten genießen eine kostenlose Ausbildung in Österreich, danach arbeiten sie in Deutschland und zahlen dort Steuern. Das ist freilich ein Problem und wird zu Recht als Grund für den Schritt der Regierung angegeben. Um in Österreich ausgebildete Akademiker im Land zu halten, soll daher ein Steuerbonus locken. Dieser kann später über die Arbeitnehmerveranlagung eingeholt werden. In diesem Fall sind Studiengebühren durchaus nachvollziehbar – jedoch betrifft die neue Regelung nun mal nicht nur Medizinstudenten aus Deutschland.

Ex-Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) erklärte zudem, dass erwerbstätige Studenten durch die Studiengebühren schnell und erfolgreich zu ihrem Abschluss kommen sollen. Viel eher wird es aber so sein, dass einige ihr Studium aus Kostengründen gar nicht abschließen werden können. Meist ist es schon Herausforderung genug, Studium und Job unter einen Hut zu bringen. Durch den Erlass wird sich aber ein Teufelskreis entwickeln: Höhere Ausgaben bedeuten mehr Arbeit. Das heißt weniger Zeit zum Lernen – und das bedingt logischerweise eine längere Studiendauer.

Die Regierung schmückte sich damit, dass sie auf unser Österreich und unsere Leute schaut, zeigt uns mit diesem Schritt jedoch deutlich, wer unsere Leute sind. Die soziale Herkunft jedes Einzelnen wird künftig wieder eine Rolle spielen. Es sei denn, die Machtverhältnisse ändern sich durch die Neuwahlen im Herbst. Dann könnte auch Bildung wieder neu bewertet werden.

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