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Die tägliche Öffis-Odyssee

Bus, Bahn oder doch mit dem Auto? Die Frage, die sich jeder Studierende stellen muss, wenn er über seinen Weg in die FH oder Uni nachdenkt. Neben Gedanken über Fahrpläne, Abfahrtszeiten und Kosten, spielt bei vielen der Faktor Umwelt eine große Rolle. Doch was, wenn der einfachste Weg nicht auch der umweltbewussteste ist?

Die Regentropfen, welche von meiner Kapuze abprallen, sammeln sich auf meinem Handydisplay und bilden einen kleinen See, während ich versuche, die Uhrzeit zu lesen. Es ist 6:10 Uhr, die Straßenlaternen schalten sich der Reihe nach ab und übergeben ihre Aufgabe an die langsam aufgehende Sonne. Während ich noch versuche mein Gesicht weiter unter der Kapuze zu verstecken, um dem peitschenden Regen zu entkommen, sehe ich zwei Lichter um die Ecke biegen. Die Lichter des Buses sind das Startsignal für meine heutige Reise. 

Ich steige durchnässt in den beheizten Bus und lege 1,80 Euro auf das Pult. Meine Fahrt beginnt recht angenehm. Jeder, der schon mal früh morgens oder spät nachts mit Öffis gefahren ist, kennt diese Atmosphäre. Ein fast leerer Bus, bis auf einige bekannte Gesichter von täglichen Pendlern. Jeder sitzt auf einem leeren Platz, um die Stille zu genießen – die Stille vor dem (An)Sturm an Schülern. 

Noch während der Fahrt tippe ich meinen heutigen Abfahrtsort (Wiener Neustadt Hauptbahnhof) und mein Ziel (FH Eisenstadt) in das Suchfeld meiner Öffis-App ein. Während die „ÖBB-Scotty“ App versucht, meinen heutigen Weg zu planen,  beobachte ich die am Bus vorbeifahrenden Autos. Der Gedanke, dass jedes dieser Autos pro Tag zirka 2,5 kg CO2 an unsere Luft abgibt, lässt meinen Entschluss mit den Öffis zu fahren, wie eine Heldentat auf mich wirken.

Dieses Gefühl kann auch nicht durch den Blick auf meine Reiseroute, welche die App bereits geplant hat, getrübt werden. Drei Züge, einen Bus und einen, laut der App, 15-minütigen Fußweg braucht es, um mein heutiges Ziel, die FH in Eisenstadt, zu erreichen. Die ruhige Atmosphäre weicht, als ich, den Hauptbahnhof in Wiener Neustadt erreiche. Scharen von Schülern warten darauf, in den haltenden Bus einzusteigen. Der Blick auf die Bahnhofsuhr versetzt mich sofort in einen nervösen Zustand, denn in zwei Minuten fährt mein Zug ab. Ich sprinte durch die wartenden Menschenmassen am Bahnhof und rein in den vollgestopften Zug. Mein Glück: Nicht allzu viele dieser Leute fahren, wie ich, bis zur Endstation „Sopron“.

Das heißt, dass ich in zirka einer Viertelstunde einen der heißbegehrten Sitzplätze ergattern und vielleicht meinen fehlenden Schlaf bis zur Endstation nachholen kann. Die halbstündige Fahrt, welche ich teils schlafend, teils vor mir hindösend verbringe, vergeht wie im Flug. Angekommen am Bahnhof in Sopron verbringe ich die nächsten Minuten damit, die dicht aneinander gedrängten und wohl gestressten Menschen zu beobachten. Ich frage mich, wie diese Leute heute zur Arbeit oder in die Schule kommen. 

60 Prozent fahren morgens mit dem Auto

Laut einer Studie des VCÖ (Organisation für ökologische und effiziente Mobilität) fahren 60 Prozent der Arbeiterinnen und Arbeiter morgens mit dem Auto in die Arbeit. Im Burgenland sind es sogar 73 Prozent der Beschäftigten. Dass dieser PKW- Verkehr ein Problem für die Umwelt darstellt und Ausweichmöglichkeiten wie gute öffentliche Verkehrsanbindungen fehlen, ist wohl jedem Studierenden bewusst, der schon einmal mit Öffis in die FH oder Uni gefahren ist. Insbesondere in der Landeshauptstadt Eisenstadt gibt es einen Mangel an Verkehrsanbindungen.

So plant die STEP (Stadtentwicklungsplanung) Eisenstadt eine Verbesserung der Verkehrsanbindung in naher Zukunft. Auf meine Nachfrage, mit welchen konkreten Maßnahmen, insbesondere für Studierende zu rechnen ist, bekam ich jedoch keine Auskunft. Es ist fraglich, ob überhaupt Verbesserungen für Studierende in Planung sind. 

„Ich verbinde mich mit dem kostenlosen WLAN des Zuges – für jeden Handy-Junkie das Beste an einer Zugfahrt"

Gerade als ich mir Gedanken über die magere Verkehrsanbindung mache, fährt mein nächster Zug ein. Endlich geht es wieder zurück nach Österreich, genauer gesagt nach Wulkaprodersdorf. Die nächste halbe Stunde verbringe ich, so der Plan, damit, mich auf meine bevorstehende Prüfung vorzubereiten. Aber dann packe ich erneut mein Handy aus, um mir die Zeit zu vertreiben. Ich verbinde mich mit dem kostenlosen WLAN des Zuges – für jeden Handy-Junkie das Beste an einer Zugfahrt – und stecke meine Kopfhörer an.

Doch noch bevor ich versuchen kann, die reale Welt mit Musik zum Schweigen zu bringen, werde ich von ÖBB-Werbung überflutet. Unerwartet aber doch, weckt eine Anzeige über das „ÖBB Rail & Drive“ Angebot mein Interesse. Das Angebot wirbt damit, dass „ÖBB Rail & Drive“ DAS neue Car-Sharing in Österreich ist. An verschiedenen Standorten in Österreich stehen an Bahnhöfen Autos als weitere Anschlussmöglichkeiten bereit.

Die Nutzung, bei welcher das gewünschte Auto am Ziel-Bahnhof über die App reserviert werden kann, sowie der Preis, beginnend ab 1,50 Euro pro Stunde, wirken sehr ansprechend auf mich. Eine Frage stellt sich mir jedoch: Gibt es das Angebot auch in Eisenstadt? Ein kurzer Blick auf die Liste der teilnehmenden Städte beantwortet diese Frage. Ein Leihauto anstelle von Öffis innerhalb der Stadt zu nutzen, klingt für mich nach einer guten Alternative, sollte wie so oft meine Anschlussverbindung ausfallen. 

Die Ansage „Nächster Halt Wulkaprodersdorf“ reißt mich aus meinen Gedanken. Ich schließe die Website des Car-Sharing-Dienstes und schalte meine Musik an. Während mir die Töne meines Lieblingssongs im Ohr dröhnen, steige ich am Bahnhof aus und schlendere zum dritten und letzten Zug in Richtung Eisenstadt. Bald hab ich es geschafft! Die 15-minütige Fahrt wirkt im Vergleich zu meiner bereits zurückgelegten Wegstrecke wie ein Katzensprung. Lediglich der Schaffner, welcher nach meiner 6 Euro Tageskarte fragt, reißt mich aus meiner Ruhe heraus.

Endlich ist es soweit, es ist 8:50 Uhr und der Zug hält in Eisenstadt. Stressen brauche ich mich nicht, denn der nächste Bus, der in die Richtung der FH Eisenstadt fährt, wird erst in zehn Minuten am Bahnhof sein. Eingemummt in meinen Schal und die Mütze warte ich auf diesen. Ich komme nicht umher die grellen Lichter der unzähligen Taxis und ihrer Aufschrift „City Taxi“ zu beobachten. Was wäre es für ein Luxus, jetzt mit einem vorgewärmten Taxi den restlichen Weg zurückzulegen? 

Wenn Taxis sich zusammenschließen

Der Gedanke an diesen Luxus geht mir nicht mehr aus dem Kopf und deswegen zücke ich erneut mein Handy und suche online nach dem Taxiunternehmen. Wie sich herausstellt, handelt es sich bei den „City Taxis“ nicht um ein einzelnes Unternehmen, sondern um mehrere verschiedene Taxianbieter, welche sich zusammengeschlossen haben und vergünstigte Tarife anbieten. Sowohl Anrainer als auch Anreisende können sich im Rathaus eine „City Taxi Karte“ ausstellen lassen und damit um 2,50 Euro innerhalb von Eisenstadt fahren.

Der günstige Tarif wirkt zwar sehr interessant, aber noch mehr Fahrten mit dem Auto sind nicht das, was die Umwelt braucht. Ein näherer Blick auf das Prinzip der „City Taxis“ lässt mich jedoch etwas aufatmen. So bekommt nicht jeder Fahrgast eine eigene Fahrt, sondern ganz nach dem „Stapelprinzip“ werden mehrere Fahrgäste, welche die selbe oder einen Teil der Strecke teilen, gemeinsam befördert.

Diese Idee als Alternative zu verpassten Anschlussverbindungen behalte ich im Hinterkopf und steige endlich in den warmen Bus. Ich bin bereit für die vorletzte Etappe auf meinem Weg. Erneut lege ich der Busfahrerin 2 Euro auf das Pult und mache es mir auf einen der vielen leeren Plätze gemütlich. Nach 15 Minuten stehe ich jedoch schon wieder im Regen. 

Das letzte Stück des Weges muss ich nun zu Fuß gehen und jeder der schon einmal bei so einem Sauwetter draußen war weiß, dass sich zehn Minuten wie eine Stunde anfühlen. Gerade als ich meine Kapuze fester ziehen will, um den peitschenden Regen abzuwehren, merke ich, dass ein Auto neben mir am Straßenrand stehen bleibt. Die Beifahrertür öffnet sich und meine Studienkollegin lächelt mir zu.

Fahrgemeinschaften bieten viele Vorteile

Freunde – die universellen Helfer in jeder Lebenslage. Wer sich mit Kollegen zusammenschließt und gemeinsam mit einem Auto fährt, lebt nicht nur umweltbewusster, sondern hat definitiv auch mehr Spaß bei der Fahrt. Eine Studie des VCÖ ergab, dass bereits 5 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher auf eine Fahrgemeinschaft setzen. Damit kein Streit die freundliche Atmosphäre trübt, empfehle ich euch einen Fahrtenplan zu erstellen, um jede Fahrt genau im Blick zu behalten.

Nachdem ich das letzte Stück meines Weges und im wahrsten Sinne des Wortes meiner Irrfahrt nun auch hinter mir habe, kann ich ein Fazit ziehen. Das Ergebnis von dieser Öffis-Odyssee: Ich bin nun um knapp 10 Euro (3,80 Euro Bus + 6 Euro Zug) leichter, etwas nass aber mit gutem Gewissen etwas Umweltbewusstes getan zu haben, in der FH angekommen. Ihr denkt meine Geschichte ist ein Einzelfall und ich wohne weit entfernt? Hier der Vergleich: Mit den Öffis brauche ich zwei Stunden, mit meinem Auto 20 Minuten.

Der Weg in die FH oder Uni muss nicht immer unbequem und lästig sein. Wer die ausgetretenen Wege verlässt und aufhört, in Wehklagen zu verfallen, findet eine akzeptable und umweltbewusste Fortbewegungsmethode. Bereits während meiner Öffis-Odyssee wurde ich auf bestimmte Alternativen aufmerksam. Auch in Eisenstadt lassen sich schon alternative Konzepte, wie z. B. das Car-Sharing entdecken und sollten die Zukunftsplänen wie versprochen umgesetzt werden, so wird in vielen Städten die Verkehrsanbindung in naher Zukunft verbessert werden.

Klar ist es auch eine Einstellungsfrage auf den Komfort seines Autos zu verzichten und komplett auf Öffis umzusteigen, aber wem das doch ein zu harscher Schritt ist, der kann immer noch auf eine Fahrgemeinschaft mit Freunden zurückgreifen und zumindest so gemeinsam etwas Gutes für die Umwelt tun. 

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