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Digitale Grundausbildung in der Schule

In den letzten Jahren ist Österreich mehr und mehr aus seinem Dornröschenschlaf erwacht und hat viele Anstrengungen im Bildungsbereich unternommen, um die zukünftige Generation digital fit zu machen. Es war den Bildungsverantwortlichen wichtig, bereits in der Volksschule die notwendigen Schritte zu setzen, um die Kinder auf das digitale Zeitalter vorzubereiten.

Wien/Burgenland: Fast hätte man wieder einmal denken können, dass in Österreich eine wichtige Entwicklung im Bildungsbereich verschlafen wird. In der letzten Regierung haben politische Verantwortungsträger es sich zum Ziel gesetzt, unsere SchülerInnen und PädagogInnen auf die zukünftigen Herausforderungen, die stark im digitalen Bereich liegen, vorzubereiten. Viele Anstrengungen und Investitionen wurden unternommen, um Versäumtes aufzuholen. Ein Mithalten mit asiatischen Ländern wie China, Japan oder Südkorea erscheint aufgrund der dort streng autoritären Bildungssysteme äußerst schwierig. In Österreich sollte es zumindest möglich sein, mit seinen europäischen Nachbarn Schritt halten zu können.

„Digitale Grundbildung“ als Pflichtfach

Im Schuljahr 2018/19 wurde das Pflichtfach „Digitale Grundbildung“ in der Sekundarstufe I verpflichtend eingeführt. Innerhalb von vier Jahren und im Umfang von zwei bis vier Wochenstunden erwerben die SchülerInnen Kompetenzen aus insgesamt acht Bereichen. Unter anderem wird SchülerInnen „Sicherheit im Umgang mit digitalen Medien“ gelehrt. Des Weiteren beinhaltet das Fach Digitale Grundbildung „Mediengestaltung“, „Digitale Kommunikation und Social Media“, „Gesellschaftliche Aspekte von Medienwandel und Digitalisierung“, „Informations-, Daten- und Medienkompetenz“, „Betriebssysteme und Standardanwendungen“, „Technische Problemlösung“ und zu guter Letzt „Computational Thinking“.

Im letztgenannten Bereich steckt enormes Potential für die zukünftige Generation. Computational Thinking heißt nichts anderes als die Fähigkeit zu erwerben mit Algorithmen zu arbeiten und Programmiersprachen kreativ zu nutzen.

Coding & Robotik

Ein Grundstein für das Programmieren muss bereits in der Volksschule gelegt werden. Es sollte gelingen, Buben und Mädchen gleichermaßen dafür zu begeistern. Im Bereich des Programmierens liegt ein möglicher Lösungsansatz, um die Gleichstellung von Mann und Frau in der Berufswelt voranzutreiben.

„Beim Programmieren lernen Kinder selbstständig zu arbeiten, sie lernen vernetztes und logisches Denken und Problemlösungskompetenz. Sie können sich besser konzentrieren und sie können das Wissen, das sie in der Schule gelernt haben anwenden und weiterentwickeln.“

Das Projekt „Denken lernen Probleme lösen“ oder kurz DLPL ist der Ansatz, der zum Tragen kommt. Das Informatische oder algorithmische Denken soll zum Einsatz kommen und die Grundlage für das Verstehen und Lösen vielschichtiger Problemstellungen aus Schule und Alltag bilden. Auch die Kreativität wird durch DLPL gefördert.

Laut einem Bericht in der Kleinen Zeitung vom 31. Jänner 2019 fehlen in Österreich 10.000 IT-Fachkräfte. Aus diesem Grund ist es essenziell, diesen Bereich zu fördern. Einen ersten Ansatz gibt es in der Schule mit dem Fach „Coding und Robotik“. Das Burgenland nimmt eine Vorreiterrolle ein. Seit dem Schuljahr 2017/18 wird „Coding & Robotik“ als alternativer Pflichtgegenstand ab der 7. und 8. Schulstufe angeboten. Ziel ist es, dass alle burgenländischen SchülerInnen aktiv mit digitalen Medien konfrontiert werden und das Programmieren mittels Robotersystemen vorerst in einfachen Schritten lernen. Ab der 8. Schulstufe steigert sich das Programmierniveau. Interessierte PädagogInnen des Landes besuchten einen zweijährigen Lehrgang. Alle burgenländischen Schulen, die „Coding & Robotik“ im Lehrplan verankern, wurden im Mai 2018 für ihr Engagement vom Bildungsdirektor mit einer Acryltafel zur Anbringung in der eigenen Schule ausgezeichnet. Zurzeit wird der Gegenstand als Hochschullehrgang an der Pädagogischen Hochschule angeboten.

Praktische Einblicke – „Coding & Robotik“ an der EMS-Pamhagen

Unter dem Motto „digitales Lernen“ findet der Unterrichtsgegenstand Coding & Robotik in der EMS-Pamhagen seit dem Schuljahr 2017/18 statt. In diesem Schuljahr wurden der 7. Schulstufe 2 Wochenstunden und der 8. Schulstufe 3 Wochenstunden seitens der Direktion zur Verfügung gestellt. Der Fokus liegt im Bereich Programmieren.

In der 7. Schulstufe verschaffen sich die SchülerInnen einen Einblick in die digitale Welt und erlernen das Schreiben von Codes und das Bedienen und Programmieren von Robotern. Für ein langsames Herantasten an die Thematik eigenen sich BeeBots und OzoBots hervorragend als Basis. Auf einfache Art und Weise wird das räumliche, logische und vorausschauende Denken und die Problemlösungskompetenz gefördert.

Im Anschluss empfiehlt es sich die Programmiersprache spielerisch zu vertiefen. Die kostenlose Website von Code.org oder das Programmieren mit Scratch bieten sich an, um SchülerInnen das Coden kreativ und auf einem leistungssteigernden Niveau beizubringen. Darauf aufbauend wird mit dem Bausatz von Lego WeDo 2.0 das Bauen von Modellen und das Programmieren vereint. Es beruht auf ein handlungsorientiertes Lernkonzept, das Kreativität und die Freude am Lösen von Aufgabenstellungen weckt.

In der 8. Schulstufe haben die SchülerInnen die Möglichkeit ihre digitalen und sozialen Kompetenzen zu vertiefen. Lego Mindstorms ist im Vergleich zu Lego WeDo 2.0 im Bau und Programmieren viel komplexer, vielfältiger und umfangreicher. Die Spitze aus all dem Erlernten bildet Arduino. Das ist eine aus Soft- und Hardware bestehende Physical-Computing Plattform.

Für Arduino verwendet man die Programmiersprache C in einer einfachen Form. Zum Beispiel kann man eine Leuchtdiode zum Blinken bringen, wenn man alle Teile richtig verwendet und das Programm richtig geschrieben hat.

Die Einführung der Digitalen Grundbildung in der Sekundarstufe I war ein wichtiger Schritt in die digitale Richtung. Es sind alle LehrerInnen verpflichtet in den Unterrichtsfächern Medien-Kompetenzen einfließen zu lassen. Das Fach Coding & Robotik sollte flächendeckend als Pflichtgegenstand in allen Schulen Österreichs eingeführt werden. Die SchülerInnen profitieren in vielen Bereichen. Die Kommunikation und die soziale- und emotionale Ebene wird durch Interaktion mit den MitschülerInnen gefördert. Die Orientierungs- und Strukturierungskompetenz sowie die kognitiven Fähigkeiten werden aktiviert und vorangetrieben.

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