OBEN

Ein spätes Studium als Karrieresprungbrett

Der Bildungsweg sieht üblicherweise zuerst die Ausbildung und dann den Berufsalltag vor. Was aber, wenn man sich dazu entscheidet, noch einmal den Bildungsweg einzuschlagen und ein spätes Studium zu starten? Kostendeckung, Freizeit und Lernen können dabei zur Herausforderung werden. Andererseits kann ein spätes Studium als Karrieresprungbrett dienen.

4

Minuten Lesedauer

Studieren mit Anfang dreißig – keine einfache Angelegenheit

Sebastian ist 31 Jahre alt und hat vor drei Semestern zu studieren begonnen. Die Entscheidung ein spätes Studium zu starten, war für ihn nicht einfach. Sebastian hatte einen gut bezahlten Job in einer Werbeagentur, den er zugunsten seines Vollzeitstudiums aufgeben hat. Die Mischung aus Neugier und dem Drang, etwas dazuzulernen, waren für seine Entscheidung ausschlaggebend, um mit Anfang dreißig zu studieren. Auch die Aussicht auf bessere Aufstiegschancen haben für ein spätes Studium gesprochen. „Ich wollte etwas anderes machen. Und weil viele in meinem Bekanntenkreis und Arbeitskollegen ein Studium haben, dachte ich, dass ich es auch versuche. Gelernt habe ich immer schon gern und Bildung schadet nie“, schildert Sebastian.

So ähnlich, wie Sebastian, geht es laut der aktuellen Studierenden-Sozialerhebung des Instituts für Höhere Studien Wien 22 Prozent aller Studierenden. So viele waren nämlich 2015 für mindestens ein Jahr vor der Erstzulassung zu mindestens 20 Wochenstunden erwerbstätig.

Einschränkungen beim Lebensstandard

Für Sebastian war die zentrale Frage, wie er seinen bestehenden finanziellen Grundbedarf decken kann. Schließlich hatte Sebastian bereits eine eigene Wohnung, ein Auto, Versicherungen und andere Fixkosten, die er zahlen muss. Von heute auf morgen kann er seinen Lebensstil somit nicht ändern. „Das ist schon hart, wenn man plötzlich mit deutlich weniger auskommen soll. Ohne Stipendium ginge es nicht“, betont Sebastian.

Laut der Studierenden-Sozialerhebung beziehen 7,4 Prozent der Studenten ein Selbsterhalterstipendium, ähnlich wie Sebastian. Dieses Stipendium ist eine Sonderform der Studienbeihilfe. Die Voraussetzungen für das Stipendium sind, dass zumindest vier Jahre vor dem ersten Beihilfenbezug Einkünfte bezogen wurden. Und diese Einkünfte jährlich zumindest € 8.580,- betragen haben.

"Das ist schon hart, wenn man plötzlich mit deutlich weniger auskommen soll. Ohne Stipendium ginge es sowieso nicht."

Sebastian erhält dadurch den monatlichen Höchstsatz von € 801,-. Zusätzlich bekommt noch einen Zuschlag von € 20,-, weil er älter als 27 Jahre ist. Sein monatliches Einkommen beträgt also € 821,-. Sein aktuelles Einkommen ist allerdings um ein Vielfaches weniger, als jenes bei der Werbeagentur. Sebastian ist somit dazu gezwungen, einer Nebenbeschäftigung nachzugehen. So ähnlich geht es auch zwei Drittel aller Studierenden. „Es würde ohne Zuverdienst einfach nicht gehen“, bekräftigt Sebastian. Allerdings darf Sebastian nicht zu viel dazuverdienen. Die Zuverdienstgrenze beträgt jährlich € 10.000,-. Alles darüber hinaus muss im darauffolgenden Jahr wieder zurückgezahlt werden.

 

Knappe Freizeit

Sebastian hat sich aber nicht nur an seine neue finanzielle Situation gewöhnen müssen. Er musste auch bei der Gestaltung seiner Freizeit Kompromisse eingehen. Denn aufgrund seiner finanziellen Situation hat Sebastian auch weniger Geld für Urlaub und Fortgehen zur Verfügung. Zusätzlich steht ihm auch weniger Freizeit zur Verfügung. „Ein Vollzeitstudium heißt nicht ohne Grund so. Daneben noch zu arbeiten, minimiert die eh schon knapp bemessene Freizeit“, sagt Sebastian ernüchtert.

Beim Lernen hat Sebastian keine Probleme. Dennoch kann es hier zu Herausforderungen kommen. Denn Lernen ist ein Prozess, der geübt sein muss. Wenn Lernen zu lang her ist, ist es nötig, sich neu daran zu gewöhnen oder es gar neu zu erlernen, meinen Experten.

Wer sich vor einer ähnlichen Ausgangslage wie Sebastian befindet, kann sich unter stipendium.at oder studieren.at zu Unterstützungen und Stipendien informieren.

Wenn ihr wissen wollt, wie und wo ihr euch noch ein bisschen Taschengeld dazu verdienen könnt und euer spätes Studium dann doch leichter von der Hand geht, könnt ihr in unserem Beitrag „Check dir dein Stipendium“ nachlesen.

Kommentar posten