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Studium und Sport: Mit Bewegung motivierter ans Ziel

Studieren und dann noch zum Sport in der lernintensivsten Zeit im Jahr? Nein danke! Keine Zeit dafür! Doch, wenn gerade diese körperliche Anstrengung hilfreich für das Lernen ist und du zu mehr Motivation findest? Würdest du dann deine Meinung ändern? Mehr Bewegung bessert nicht nur die körperliche Fitness, sondern auch dein Gehirn wird Danke sagen.

Der Kampf gegen den Schweinehund

Du fühlst dich müde und erschöpft von den vielen Vorlesungen, ausgelaugt von den Gruppenarbeiten und dann sollst du dich auch noch für Prüfungen vorbereiten. Das kommt dir vielleicht alles bekannt vor und die eine oder andere Situation hat dich schon einmal in deinem Studentendasein zum Verzweifeln gebracht. Wer seinen Studentenalltag ernst nimmt, braucht abgesehen vom bloßen Bemühen sein Bestes zu geben auch noch ein ausgefuchstes Zeitmanagement. Wenn zwischen all den wichtigen Terminen dann doch noch die eine oder andere freie Minute zur Verfügung steht, ist man manch anderen Studierenden einen Schritt voraus.

In den Minuten, die du dir zwischen Lernen und Anwesenheitspflicht an der Uni gönnst, würdest du dich am liebsten auf der Couch unter der Decke verkriechen und mit „Netflix and chill“ die freie Zeit vertreiben? Um sich danach wieder für das anschließende Weiterbüffeln aufzuraffen fehlt schlicht und ergreifend die Motivation. Die Gier nach der weiteren Folge der Serie ist wahrscheinlich größer, als die Lust endlich mit dem Lernen für die nächste Prüfung anzufangen. Die Couch entwickelt sich zu einem Magneten. Der innere Schweinehund und die Anziehungskraft des Sofas entpuppen sich in diesen Fällen als zwei Feinde, die bekämpft werden müssen. Ein Energieschub ist jetzt dringend notwendig.  Die Motivation muss wieder in Schwung gebracht werden. Wer würde sich nicht am liebsten in solchen Momenten eine Motivations-Wunderpille vom Arzt verschreiben lassen? Leider ist das nicht möglich, aber man kann seinem Gehirn in solchen Fällen trotzdem etwas Gutes tun. Die positiven Effekte von Sport auf die Gesundheit und dem persönlichen Wohlbefinden sind seit Langem unbestritten. Doch der kognitive Lernaspekt im Zusammenhang mit Sport ist noch nicht ausreichend im allgemeinem Bewusstsein verankert.

Bewegung hilft unseren Geist zu versorgen

Das Gehirn ist ständig neuen Informationen und Eindrücken ausgesetzt und wird von diesen regelrecht überschwemmt.

Auch wenn es gerade entspannend wirkt, sich die neue Lieblingsserie „reinzuziehen“, sind es im Endeffekt doch wieder neue Informationen, die das Gehirn verarbeiten muss. Wie soll man dann noch klar denken und erfolgreich lernen können? Die einzige Zeitspanne, in der das Gehirn Zeit hat alles zu verarbeiten, ist in der Nacht, während wir schlafen oder aber auch beim Sport! Vielleicht wirst du dir jetzt denken: beim Sport? Wie kann sich hier mein Gehirn Auszeit gönnen?

Unser Gehirn, das aus vielen Milliarden Neuronen und einem Vielfachen an Verbindungen zwischen diesen Nervenzellen besteht, ist der Dreh- und Angelpunkt des Körpers und hier muss angesetzt werden, genauer gesagt – im Hippocampus. Dort laufen die Lern- und Gedächtnisprozesse ab. Durch Lernen oder aber auch durch körperliche Aktivitäten kann die Neubildung von Nervenzellen beeinflusst werden. [1]  Mit der körperlichen Bewegung wird die Durchblutung im ganzen Körper erhöht und das führt auch im Gehirn zu einem positiven Effekt: die Konzentration wird gesteigert und der Lernprozess unterstützt. [2]

[1] vgl. Kubesch 2004, S. 136

[2] vgl. Ratey 2009, S. 99

Vom Couchpotato zur Sportskanone

Es ist nun also nachweislich bewiesen, dass Sport einen ungeheuren Einfluss auf die Gehirnaktivitäten hat. Welche Art von Sport man betreiben sollte hat keine Relevanz. Das bedeutsamste Kriterium ist: einfach bewegen! Ob mit Ausdauersport, Kraftsport oder einer Kombination davon ist gleichgültig. Wichtig ist, dass man sich eine Sportart aussucht, die einem persönlich Spaß macht und vor allem: Kontinuität! Durch jegliche Bewegung wird unser Gehirn für das Lernen vorbereitet und die dafür notwendigen Verbindungen werden durch die Stimulationen während der Bewegung gestärkt. Wenn man diese Interaktionen zwischen Körper und Gehirn verstanden hat, kann man dieses Wissen für die Lernphasen entsprechend einsetzen.

„Wenn man beispielsweise am Morgen eine halbe Stunde Sport macht, ist das Gehirn und das Gemüt anschließend in der richtigen Verfassung, um still sitzen und sich auf den Lernstoff konzentrieren zu können.“ [1]

Sport kann am Morgen mit Kniebeugen und Ausfallschritten beim Zähneputzen, zu Fuß in die Arbeit gehen oder mit dem Fahrrad zur Uni fahren, eingebaut werden. So verbringt man nicht nur mehr Zeit an der frischen Luft, sondern hat sich auch schon bewegt. Das Gehirn ist besser gerüstet den Lerninhalt aufzunehmen und zu behalten, anstatt den ganzen Morgen auf der Couch zu verbringen und sich mit neuen (vielleicht sogar nutzlosen) „Informationen“ berieseln zu lassen.

[1] vgl. Ratey 2009, S. 13f

Keine Ausreden mehr

„Ich habe keine Zeit.“ oder „Ich muss noch so viel lernen.“ sind die klassischen Ausreden von Studierenden und diese sollten ab jetzt auch bei dir der Vergangenheit angehören. Wenn du dann bereits eine Zeit lang Sport betreibst, musst du dafür sorgen, dass du am Ball bleibst. Gestalte dein Sportprogramm immer abwechslungsreich, indem du z.B. deine Laufstrecke oder Fahrstrecke änderst oder neue Übungen im Fitness-Studio ausprobierst. Diese kleinen Dinge machen dein Fitnessprogramm noch interessanter und haben großen Einfluss auf deine Motivation.

Es ist also Fakt, dass man dem Körper und der Gehirnfunktion mit Bewegung und Sport etwas Gutes tut. Man fühlt sich wacher, aufmerksamer und motivierter und dass obwohl einem noch einige Stunden Lernzeit bevorstehen.

Wenn also das nächste Mal dein Handy klingelt und dein Freund oder deine Freundin sich zum Sport verabreden will, du aber keine Zeit hast, weil du mal wieder lernen musst – sag trotzdem zu! Das ist die beste Entscheidung, die du treffen kannst und der erste Schritt in ein aktiveres Leben.

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