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„Wenn Sie einen Finanzvorstand haben, wissen Sie woher die Probleme kommen.“

Was haben ein gelernter Krankenpfleger, ein ehemaliger Staatschef und ein Manager von Samsung gemeinsam? Sie alle haben spannende Geschichten über revolutionäre Veränderungen zu erzählen und taten das in der Wiener Hofburg.

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„The Power of Ecosystems. Managing in a Networked World“. Unter diesem Motto stand das 11. Global Peter Drucker Forum. Mehr als 1000 Gäste fanden sich in der Wiener Hofburg ein, um Impulsvorträgen und Podiumsdiskussionen beizuwohnen sowie an Workshops teilzunehmen. Ein zentrales Thema der Veranstaltung war Changemanagement und Disruption. Im Zentrum des Interesses steht damit eine Frage: Wie kann man Ökosysteme vollkommen neu aufsetzen, um für die Zukunft fit zu machen?

Eine Brache, die vor besonderen Herausforderungen und Veränderungen steht, und die auch jedem Menschen betrifft, ist das Gesundheitswesen. Hierzu präsentierte ein Gast aus den Niederlanden sein Geschäftsmodell – eines, mit dem er riesigen Erfolg hat: Jos De Blok, der Gründer und CEO von Buurtzorg, einer Organisation, die die häusliche Altenpflege revolutioniert (Buurtzorg bedeutet auf deutsch so viel wie Nachbarschaftsbetreuung).

Menschlichkeit statt Bürokratie

De Blok war selbst Krankenpfleger, weiß somit worauf es ankommt, und er war mit dem Status Quo der Branche alles andere als zufrieden. Also beschloss er, es besser zu machen und gründete sein Unternehmen. „Menschlichkeit vor Bürokratie“ lautet dessen Motto. Und so hat De Blok beispielsweise die Verträge, die mit den pflegebedürftigen Kunden abgeschlossen werden, von 100 auf nur sechs Seiten reduziert und darauf geachtet, eine einfache, leicht verständliche Sprache anstatt „Juristensprech“ zu verwenden. Ein Passus lautet, dass sich im Falle von Beschwerden mit einem Glas Wien zusammensetzen werde. „Es geht darum, Menschen zu vertrauen, nicht zu glauben, immer alles kontrollieren zu müssen“, sagt der Unternehmer.

Der Clou seines Geschäftsmodells ist dementsprechend folgender: Buurtzorg besteht aus unabhängigen Teams, die aus jeweils maximal zwölf Krankenpflegerinnen und -pflegern bestehen und vollkommen autonom agieren. Es gibt laut De Blok keine Hierarchie. Auch hier gehe es um Vertrauen: „Das sind Krankenpfleger, da kann man doch davon ausgehen, dass sie grundsätzlich bemüht sind, den Patienten zu helfen“, sagt De Blok: „Man muss doch nicht krampfhaft alles kontrollieren.“ Der Erfolg gibt ihm recht: Mehrmals in Folge ist das Unternehmen bereits zum besten Arbeitgeber gewählt worden. „Wir haben keine HR, wahrscheinlich ist die Zufriedenheit deshalb so groß“, sagt De Blok. Die Zufriedenheit der Patienten ist ebenfalls hoch. Und mittlerweile auch der Erlös: Buurtzorg erwirtschaftet bereits mehr als 400 Millionen € Umsatz.

Der einfachste Job

Der „Mutterkonzern“ ist der Organisation entsprechend bemerkenswert aufgestellt: Den 15.000 Pflegern, die in etwa 1000 Teams unter dem Dach von Buurtzorg arbeiten, stehen leidglich rund 50 Beschäftigte im Backoffice gegenüber – und nur zwei Chefs. Finanzvorstand gibt es keinen, diese Aufgabe macht De Blok selbst und das ist, wie er sagt, sein einfachster Job, für den er nur zwei Stunden in der Woche aufwenden muss. Im Übrigen meint er etwas pointiert: „Wenn Sie einen CFO im Unternehmen haben, dann wissen Sie woher die Probleme kommen.“ Auch auf Marketing verzichtet man bei Buurtzorg komplett, entsprechend effizient und kostengünstig ist man aufgestellt.

Das Erfolgsrezept des ungewöhnlichen Unternehmers, bringt dieser selbst in englisch wie folgt auf den Punkt:

„Keep it simple and everybody will be happy.“

Hoher Besuch aus Singapur

Über ganz andere Veränderungen referierte ein honoriger Gast aus Asien: niemand geringerer als der ehemalige Präsident von Signapur. Tony Tan Keng Yam, der den Stadtstaat von 2011 bis 2017 als Staatschef führte und zuvor bereits verschiedene hohe Ämter innehatte, berichtete darüber wie dieser zu einer höchst erfolgreichen modernen Volkswirtschaft reformiert wurde. „Wir haben Schritt für Schritt eine unternehmerisch orientierte Gesellschaft aufgebaut“, sagt Tony Tan.

Dies gelang nur mit vereinten Kräften, durch ein Zusammenspiel von Regierung, Privatsektor und der Community. Die Regierung fungiere dabei als „Enabler“, stelle Fördermittel und Infrastruktur zur Verfügung und sie schaffte unternehmer-freundliches Rahmenbedingungen. Im Privatsektor werden Mentoring-Programme und andere Netzwerke forciert und Best Practice-Beispiele promotet. Die Gesellschaft wiederum hat eine Kultur des Lernens entwickelt und nicht zuletzt auch eine, in der unternehmerischer Mut gefördert wird und auch Fehler akzeptiert werden. „Man muss die Menschen dazu bringen, dass sie herumexperimentieren und innovativ sind“, betont Tony Tan. Alle Institutionen müssten an einem Strang ziehen und kooperieren.

Mobility 2.0

Auch Samsung-Manager Young K. Sohn stellt die Notwendigkeit von Kooperationen in den Vordergrund, wobei er von länderübergreifenden Kooperationen spricht. Diese würden in Anbetracht des technologischen Wandels immer wichtiger werden. Schließlich gelte es, vernünftige regulatorische Rahmenbedingungen für neue Technologien zu schaffen. Seine Präsentation am Drucker Forum hieß „The Era of Conversion“ und er erklärte darin, dass nach Mobile 1.0 (der Entwicklung von Smartphones und Apps) nun Mobility 2.0 im Fokus stehe. Hierbei gehe es um Entwicklungen wie autonomes Fahren, Telematik oder auch 5G. „Die größte Herausforderung ist dabei nicht die Technologie, sondern die Fragmentierung durch unterschiedliche Regularien“, so Sohn. Freilich braucht es auch Investments: Samsung investiert in den kommenden drei Jahren 160 Milliarden US-Dollar.

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