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Unsere Kinder lernen viel, nur nichts über Finanzen

Eine der allerersten Online-Exkursionen überhaupt führte die Studierenden des Masterstudiengangs Digitale Medien und Kommunikation der FH Burgenland in den Financial Life Park der Erste Bank nach Wien. Virtuell zumindest.

Das Semesterende steht vor der Türe. Für die meisten Studentinnen und Studenten eigentlich ein Grund, sich nach der letzten Vorlesung noch einmal gemütlich zusammenzusetzen und auf die vergangenen Monate anzustoßen. In diesem Fall wollten sich die FachhochschülerInnen  nach drei spannenden Führungen in Wien treffen, doch daraus wurde nichts. 2020 ist bekanntlich alles anders.

Das Wort Exkursion kommt von dem lateinischen Begriff excursio, was so viel wie Ausflug bedeutet. In Zeiten von Covid19 kann man sich allerdings nicht einmal mehr auf alte lateinische Wörter verlassen. So wie die Vorlesungen der letzten vier Monate fand auch das Abschlussmodul der Lehrveranstaltung „Online-Redaktion“ nur online statt. Passt ja eigentlich.

Drei verschiedene Stationen wurden von Lektor Thomas Goiser und dem Studiengangsleiter Michael Roither für den letzten Tag vor den Ferien geplant. Zu Beginn des Semesters konnte noch niemand ahnen, dass nur mehr über die Plattform Webex miteinander kommuniziert werden würde. Immerhin war die FH Burgenland perfekt auf diesen Fall vorbereitet.

Auch die Leiter des Financial Life Park der Erste Bank (FLiP) hatten ihre Hausaufgaben gemacht und erwiesen sich auch im Internet als vorzügliche Gastgeber. Sie sind darin allerdings geübt, denn im FLiP werden seit der Eröffnung 2016 fünf Schulklassen pro Tag durch die Ausstellung geführt. Die Idee dahinter ist großartig.

„Wir wollen junge Menschen finanziell gut ausgebildet wissen.“
Philip List, Direktor des Financial Life Park

Die Idee für das Riesenprojekt Financial Life Park entstand bereits 2012. „Uns ist aufgefallen, dass über 30 Prozent aller Klienten der Schuldnerberatung unter 30 sind und wir haben uns gefragt warum das so ist“, erzählt FLiP-Direktor Philip List den Studierenden. „Es ist eine traurige Tatsache, dass unsere Kinder in der Schule so gut wie nichts über unser Finanz- und Geldsystem lernen. Wir haben es uns zum Ziel gemacht, junge Menschen wieder mehr für Finanzen zu interessieren“, so List.

Nach der Projektzusage der Erste Bank konnte die Recherche beginnen. Vier Jahre lang haben die Projektverantwortlichen auf der ganzen Welt nach ähnlichen Projekten gesucht. Man muss das Rad ja nicht neu erfinden. 2016 dann die große Eröffnung des Erste Financial Life Park im 10. Wiener Gemeindebezirk. Das hochmoderne und multimedial gestaltete Eventlabor ist das erste seiner Art in ganz Österreich. 

„Wir lieben unseren Job, aber es dürfte ihn eigentlich gar nicht geben.“
Nina von Gayl, Kuratorin

Am Lehrplan stehen Dinge wie Wahrscheinlichkeitsrechnung, Geologie und Biologie auf Zellebene, aber niemand bringt unseren Kindern bei, wie man ein Konto eröffnet, was eine Überweisung ist oder wie ein Kredit funktioniert. „Das ist ein Skandal“, meint Kuratorin Nina von Gayl, „deshalb haben wir unseren Fokus auf Schulklassen gelegt, denen wir auf spannende und spielerische Art und Weise die grundlegenden finanziellen Zusammenhänge näherbringen.“ Der Eintritt ist kostenlos und die LehrerInnen sind dazu aufgerufen ihre Klassen anzumelden. Es lohnt sich.

Schon vor der Eröffnung wurden die verschiedenen Challenges in Schulen getestet und von Beginn an wurde mit Pädagogen und Wirtschaftswissenschaftlern zusammengearbeitet. Herausgekommen ist ein Lernerlebnis, von dem sich viele Schulen etwas abschneiden können. Der Erfolg und das hervorragende Feedback geben den Erfindern des Financial Life Park recht.  

„Bis zur Corona-Krise waren wie regelmäßig ausgebucht!“
Philip List, Direktor des Financial Life Park

Das schönste Kompliment machte uns eine 16-Jährige, als sie gestand, während der Führung zwei Stunden nicht auf ihr Handy geschaut zu haben“, berichtet Philip List, der besonders auf die Unabhängigkeit des FLiP stolz ist. Der Financial Life Park wird zwar von der Erste Bank finanziert, ist aber ein komplett eigenständiges Projekt, bei dem es ausschließlich um Wissensvermittlung geht.  „Wir sind in unseren Entscheidungen vollkommen autark“, so List.

Das Thema Geld und Finanzen hat im Leben von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen unterschiedliche Bedeutung. Um auf die individuellen Fragen und altersspezifischen Erwartungen einzugehen, stehen im FLiP Touren für drei Altersgruppen zur Auswahl. Die Gruppe der DetektivInnen ist 10 bis 14 Jahre alt. Die „EntdeckerInnen“ sind zwischen 15 und 18 und die „ExpertInnen“ nehmen aufgrund ihres Vorwissens die Rolle von Erwachsenen ein oder sind bereits erwachsen und haben eine der einmal wöchentlich stattfindenden offenen Touren gebucht. 

„Viele, die sich denken, Finanzen sind langweilig, werden bei uns überrascht.“ Nina von Gayl, Kuratorin

Im FLiP passieren tatsächlich noch Wunder, wenn junge Menschen plötzlich beginnen, sich für unser Wirtschaftssystem zu interessieren. „Im Zuge unserer Challenges gibt es immer wieder Aha-Erlebnisse“, plaudert Nina von Gayl aus dem Nähkästchen. „Es ist den meisten Schülerinnen und Schülern nicht bewusst, welch große Auswirkungen unsere Konsumentscheidungen haben können“, so von Gayl. Werden die fünf gemeinsam mit der Wirtschaftsuni ausgearbeiteten Fragen zu Beginn der Führung von ca. 50 Prozent richtig beantwortet, so sind es am Ende bereits fast 90 Prozent. Das ist ein großer Erfolg.

Anlässlich des 200-jährigen Jubiläums der Sparkassengruppe wurde FLiP2GO ins Leben gerufen – von dem gelungenen Projekt sollten schließlich nicht nur Menschen in Ostösterreich profitieren. In einem umgebauten Doppeldeckerbus findet „Wissensvermittlung on the road“ statt. Mit sieben interaktiven Stationen an Bord fährt der Bus durch das ganze Land. Für RollstuhlfahrerInnen wurde neben der hinteren Einstiegstür eigens eine Station konzipiert, an der alle Spiele absolviert werden können.

„Wir wollen den Umgang mit Geld vermitteln: Wenn ich etwas damit kaufe, verschwindet es.“ Philip List, Direktor des Financial Life Park

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