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Studierende helfen wie Superhelden

Sie schleppen Einkaufstaschen, geben medizinische Ratschläge oder führen fremde Hunde Gassi: Einige Studierende helfen ihren Mitmenschen durch die Krise und mausern sich so zu kleinen Superhelden.

Nach der Schließung der österreichischen Hochschulen stellte sich für viele Studierende die Frage, was sie denn nun mit so viel Zeit anfangen sollen. Für einige von ihnen war schnell klar: Die neu gewonnene Zeit möchten sie in Nächstenliebe investieren. Wir haben uns mit einigen Studierenden unterhalten, die für ihre Mitmenschen interessante Rettungspakete geschnürt haben.  

Die Einkaufshelden

Die Studentinnen Hannah-Sophie und Magdalena haben es sich zusammen mit weiteren 26 StudienkollegInnen zur Mission gemacht, zu helfen. Sie bieten ein Einkaufsservice an und erledigen die Einkäufe für Personen, die sich in der COVID-19-Risikogruppe befinden. Mittels Postwurfsendung oder durch Social Media haben sie auf ihre Hilfsbereitschaft aufmerksam gemacht und in kürzester Zeit viele Anfragen bekommen.

„Es melden sich immer mehr Menschen, die unsere Hilfe brauchen. Bis jetzt haben wir ca. 22 Einkäufe erledigt. Hauptsächlich sind es ältere Menschen bzw. Menschen mit gesundheitlichen Problemen und vor allem solche, die keine jüngeren Familienmitglieder in der Umgebung haben, erzählt uns Magdalena.  

Reaktionen auf das Einkaufsservice sind durchwegs positiv. Die Einkaufslisten werden ihnen per Nachricht zugeschickt, per Anruf durchgegeben oder auch persönlich übergeben – dabei wird jedoch der notwendige physische Abstand gehalten. Die Studentinnen legen das Geld für die Einkäufe aus und erhalten die bezahlten Beträge im Nachhinein. Und ja, unter anderem wird auch Klopapier am häufigsten gewünscht.

„Bei den Einkäufen, die ich erledigt habe, wäre mir nichts Spezielles aufgefallen, das Leute vermehrt bestellt haben. Aber frisches Obst und Gemüse wird öfter gewünscht. Vielleicht ist es aber auch Germ, weil jetzt alle Zeit haben, Salzstangerl zu backen“, sagt uns Hannah-Sophie

Die Hotline-Helden

Medizinstudenten, die sich mindestens im 8. Semester ihres Studiums befinden und helfen möchten, werden aufgerufen, entgeltlich bei der telefonischen Gesundheitsberatung mitzuwirken. Da sich die Anzahl der Hotline-Anrufe um das Fünfzigfache auf mehr als 20.000 Anrufe pro Tag erhöht hat, ist hier offensichtlich Not am Mann. So folgte auch Medizinstudentin Victoria diesem Aufruf und begann den Anrufern der Gesundheitsberatung telefonisch Hilfestellung zu geben.

„Am Telefon versuchen wir so gut wie möglich zu helfen. Die Anrufer schildern uns ihre Symptome und daraufhin bieten wir ihnen Antworten auf ihre Fragen. Sie bekommen Tipps von uns, wir rufen ihren Arzt an, gehen für sie in die Apotheke, rufen die Rettung… je nach Bedarf wird ihnen bestmöglich geholfen“, erzählt uns Victoria. 

Als eine von 20 MitarbeiterInnen hat sie die Möglichkeit, sich bis zu drei Mal pro Woche telefonisch zu engagieren. In der sogenannten „First Line“ werden die Anrufer aussortiert, die Daten aufgenommen und detaillierte Auskünfte zu den Symptomen eruiert. Von höchster Bedeutung ist auch die Info, ob der Anrufer bereits Kontakt mit einer positiv getesteten Person hatte. In diesem Fall werden auch Tests angeordnet, um schnellstmöglich Gewissheit zu erlangen

Für Medizinstudenten gibt es noch weitere Möglichkeiten, zu helfen. In Altersheimen ist ebenso jede Hilfe willkommen. Falls jemand noch Hilfe leisten möchte, bitte ich euch diese Information weiterzugeben“, sagt Victoria. 

Die Betreuungshelden

Nicht immer muss man in die Ferne blicken, um jemandem Hilfe anbieten zu können. Oftmals wird diese auch vor unsere Nase benötigt – sogar in unserem direkten Umfeld. Diese Erfahrung machte Pädagogikstudentin Katarina. Da ihre beste Freundin vor einiger Zeit nach Deutschland auswanderte, wurde Katarina gebeten, von Zeit zu Zeit nach der Mutter der Freundin zu sehen. Diese ist 65 Jahre alt und Diabetikerin – somit gehört auch sie leider zur Risikogruppe. 

Da wir so unendlich viel Zeit miteinander verbracht haben, ist es wohl das mindeste, der Mama meiner besten Freundin zur Seite zu stehen. Ich gehe alle paar Tage für sie einkaufen, besorge ihr ihre Medikamente und biete technischen Support für Skype-Anrufe zwischen ihr und ihrer Tochter“erzählt uns Katarina. 

Die Pädagogikstudentin appelliert an alle, die Augen offen zu halten und Betroffenen so gut wie möglich unter die Arme zu greifen. Bedürftige Personen sind über jedes Engagement mehr als dankbar und diese Zufriedenheit sieht man natürlich an ihren Gesichtern.

Die Hunde-Helden

Thomas hat sich vorgenommen, die Nachbarshunde aus der Quarantäne zu retten und mit ihnen die Wälder unsicher zu machen. Der Student der Ernährungswissenschaften war schon immer sozial engagiert und hat bereits von der Caritas-Suppenküche bis hin zu diversen Tierheimen ausgeholfen.

„Nachdem die Uni Wien ihre Pforten geschlossen hatte, blieb mir viel Zeit über, die ich natürlich nützlich einsetzen wollte. Da ich in einer Gemeindewohnung lebe und von vielen älteren Menschen umgeben bin, bin ich automatisch davon ausgegangen, dass sich hier einige Personen aus der Risikogruppe befinden. Schnell war mir klar, wie ich meinen tierliebenden Nachbarn helfen kann“, sagt Thomas. 

Ein Hund wird von Studierenden durch den Wald gassi geführt.

Thomas hat einen Türzettel erstellt und in diesem angeboten, sich um die Hunde zu kümmern und mit ihnen Gassi zu gehen. Ihm macht es richtig Spaß und die gefährdeten Personen gehen dem Virus elegant aus dem Weg. Es ist ein regelrechter Hype entstanden: Jede Menge Anfragen für Gassigänge zu jeder Tageszeit. Die Pensionisten beschenken Thomas mit Süßigkeiten oder mit ein paar Euromünzen. Die entspannte Atmosphäre unter den Nachbarn und die guten Vibes sind deutlich zu spüren.

Jetzt wollt ihr euch bestimmt auch als Superheld-StudentInnen beweisen, nicht wahr? Nehmt euch der Challenge an und gebt euer Bestes, um die Weltherrschaft zu erobern – ähm, nein, nicht ganz – aber allen Personen in Not Hilfestellung zu bieten. Vergesst nicht: Man ist nie zu klein, um großartig zu sein.

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