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Liebes Studium, ich mache Schluss mit dir

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Die anfängliche Euphorie ist verblasst. Aus der Vorlesung wird, abgesehen vom leeren Kaffeebecher, nichts mehr mit nach draußen genommen. Allgemeine Zweifel machen sich breit. Und im Zentrum steht die große Frage: Soll ich mich durch mein Studium quälen oder doch eine Alternative suchen?  

Sarah Pramendorfer (22) hat vor ihrem jetzigen Studium vier Semester lang Rechtswissenschaften an der JKU Linz studiert. „Mein Grundgedanke war: Ich schau mir das jetzt einfach mal an“, schildert sie. Zu ihrem Erstaunen gefiel ihr Jus, auch heute findet sie das Thema noch interessantDoch nach drei Semestern fing Sarah an, ihre Entscheidung zu hinterfragen: „Ich hätte es schon früher merken müssen, dass der Lernaufwand für mich einfach zu hoch ist. Vor allem dafür, dass ich mich eigentlich nie so richtig in dem Berufsfeld später gesehen habe“. Sie begann damit, herauszufinden, was sie wirklich beruflich machen möchte, wo eigentlich ihre persönlichen Stärken liegen.  Rückblickend ist sie der Meinung, dass sie sich das schon vor dem Studienantritt hätte überlegen sollenMittlerweile studiert Sarah im vierten Semester Kommunikationswissenschaft an der Universität Salzburg, womit sie „zu 100 Prozent zufrieden“ ist.

Portrait Sarah Pramendorfer
Sarah Pramendorfer, studiert heute Kommunikationswissenschaft in Salzburg

Laut der bislang letzten Erhebung zum Thema Studienabbruch des Instituts für Höhere Studien (IHS) im April 2009 entschieden sich 19,4 Prozent der österreichischen Bachelorstudierenden dazu, ihr Studium vorzeitig zu beendenWeitere 9,4 Prozent wechselten den Studiengang. Um in Österreich weiterhin Anspruch auf die Studienbeihilfe zu haben, muss der Studienwechsel innerhalb der ersten beiden Semester erfolgen. Es ist oft schwierig, weil die Leute zu spät reagieren“, schildert Elba Frank, die Leiterin des ÖH-Beratungszentrums in Salzburg. Für den Fall, dass Studierende erst in einem späteren Semester den Wechsel anstreben, versucht das Beratungszentrum in Form von Einzelgesprächen Alternativen zu suchen. So können die drohenden Kosten im besten Fall noch umgangen werden.

Doch weshalb entscheiden sich Studierende eigentlich gegen ihr laufendes Studium? Während Sarah den Lernaufwand nicht mehr mit ihrer Motivation vereinbaren konnte, seien auch falsche Vorstellungen häufig ein Grund für den Studienwechsel oder -abbruch. Elba Frank beschreibt besonders diejenigen, die sich von ihrem Studium in den ersten zwei Semestern abwenden, als „eine Gruppe, die schlecht vorbereitet ist“. Die Studierenden agieren im universitären System auf die gleiche Art und Weise, wie es für sie im schulischen System vorher halbwegs erfolgreich war. Und das funktioniert nicht“.  Zudem stellen bestandene Aufnahmeprüfungen an Fachhochschulen oder positive Aufnahmetests für Universitäten ein Motiv für den Studienwechsel dar.

Portrait Elba Frank
Elba Frank, Leiterin des ÖH-Beratungszentrums in Salzburg

Julian Aechtner (20) vermisste im Rahmen seines Studiums den praktischen Bezug: „Es war einfach nur Theorie, die auf dich herabgeprasselt ist.“ Damit ist er nicht zurechtgekommen. Nach zwei Semestern des Bachelorstudiengangs Umweltingenieurwesen an der TU München zog er den Schlussstrich. Somit entschied er sich vorerst gegen ein anderes Studium und für eine Ausbildung zum Industriekaufmann„Das war mit eine der besten Entscheidungen meines Lebens. Als schlecht vorbereitet würde er sich selbst nicht beschreiben, er habe sich vor seinem Studienantritt „ausführlich informiert“. Im Rahmen eines Praktikums wurde ihm endgültig klar, dass er sich in diesem Berufsfeld keine Zukunft vorstellen kann.

Portrait Julian Aechtner
Julian Aechtner ist glücklich mit der jetzigen Ausbildung zum Industriekaufmann

Um Maturanten bestmöglich über ein bevorstehendes Studium aufzuklären, besucht das Team des ÖH-Beratungszentrums in Salzburg gemeinsam mit der FH Salzburg, der Privatuniversität Schloss Seeburg und der Wirtschaftskammer Salzburg die Vormatura-Jahrgänge im BundeslandDas geschieht für gewöhnlich im Zeitraum von April bis Juni, dieses Jahr wurde die Maturantenberatung zum ersten Mal virtuell angeboten. Österreichweit ermöglichen derartige Initiativen den Absolventen, die Vorstellungen bei der Studienwahl zu konkretisieren. So soll jedem der Zugang zu dem Studium ermöglicht werden, das tatsächlich die persönlichen Interessen widerspiegelt.  Auch Sarah bestätigt: „Es macht einfach einen großen Unterschied, ob einem ein Studium wirklich gefällt.

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