TOP

Ich will doch nur spielen

Jeder Umgang miteinander ist ein Spiel. In Freundschaften, in Beziehungen und auch zwischen Fremden. Aber die Grauzonen beim Spielen sind das herausforderne.

"Wer geht wie damit um, wer spielt auf welches Ziel hin?"

Sexualität wird nicht ohne Grund oft mit einem Spiel verglichen. Wie ein Schachspiel, wo man nie weiß, was der nächste Zug bewirkt. Wie ein Ballspiel, wo der Ball in der anderen Hälfte liegt und man warten muss. Genauso ist es mit dem Spiel bei der Annäherung, beim ersten Treffen, bei ersten Berührungen. Besonders beliebt ist dabei das Feigling-Spiel, wer küsst wen wann. Wer traut sich, Emotionen zuzugeben?

Ansonsten überwiegt das Spiel der Lust, sozusagen der Spieltrieb. Das hat dann nur mehr selten mit Moral oder sonst was zu tun, sondern es geht einfach nur darum, zu spielen. Weil, naja, weil es wirklich viel Spaß macht, hin und wieder einfach nur zu spielen. Zu flirten, zu lachen, Berührungen zu provozieren und eventuell ein bisschen zu knutschen. Oder je nach persönlichen Umständen auch mehr zu machen und schlussendlich das Spiel ins Bett verlagern zu können und zwei Körper hemmungslos miteinander spielen zu lassen. Ohne, dass der Kopf nach Regeln dafür schreit.

Problematisch wird es nur, wenn das emotionale Spiel und das Spieltrieb-Spiel sich in die Quere kommen. Oder besser: zwei Menschen, die jeweils das andere Spiel spielen, aber eigentlich miteinander spielen wollen. Das sorgt nämlich für ein ziemlich gefährliches Ungleichgewicht. Nicht von Anfang an, aber spätestens, wenn einer überreißt, auf welches Spiel der andere hinaus ist. Kompliziert wird es, wenn beide es wissen. Dann gibt es einige Möglichkeiten, klug enden aber wenige.

Entweder beide sind vernünftig. Eh gut, aber nur wenige Spieltrieb-Menschen stehen darauf, diesen Trieb zu kontrollieren. Die emotionale Seite ist erst recht schwierig zu kontrollieren. Oder man ist unvernünftig. Das kann dauern, weil irgendwo gibt es vielleicht doch Moral. Emotionsspieler sammeln Mut, wägen Risiken ab. Spieltriebspieler haben dann manchmal das Problem ihrer eigenen Moralvorstellungen. Kann man jemandem absichtlich weh tun, wenn keine Absicht dahinter steckt?

Besonders schwierig wird das kurz vor einem Kuss, wenn beide sich der Gefahr und der Lust bewusst sind. Da traut sich einer dann und der andere küsst, um den Schmerz noch ein bisschen abzuhalten und stattdessen das gute Gefühl zu teilen. Und die Lust. Auf jedes Risiko hin. Es gibt einige Möglichkeiten, klug enden aber nur wenige.

3
Minuten Lesedauer

Post a Comment