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Food-Bloggerin Verena Pelikan: „Ich habe mich noch nie an ein Rezept gehalten“

Sie ist eine der erfolgreichsten Food-Bloggerinnen im deutschsprachigen Raum. Das Rüstzeug dafür hat sich die Food-Bloggerin an der FH Burgenland geholt: Verena Pelikan erklärt dem Team des Sofa-Magazins wie es dazu kam, wie sie als Food-Bloggerin ihr Geld verdient und warum Screenshots für sie die Pest sind.

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Minuten Lesedauer

Verena, wie wird man überhaupt Food-Bloggerin? Also wie bist du dazu gekommen? 

Also bei mir kam das so nach und nach. Ich hab gerne gekocht und gebacken und dann hab ich die ersten Food-Blogs im Internet gesehen. Das waren amerikanische Seiten und da dachte ich, das wäre doch nett, selbst Food-Bloggerin zu sein. Ich hab dann wirklich begonnen zu googlen: Wie starte ich einen Blog. Und dann hab ich mich so weiter durchgehantelt.

Und letztendlich hast du dann an der FH Burgenland studiert, nämlich Medien Information Kommunikation, wo du dir das nötige Rüstzeug geholt hast. Wie hilfreich war das Studium und war dabei tatsächlich der Food-Blog die treibende Kraft?

Ja, absolut. Ich wollte mich in diese Richtung weiterentwickeln. Und das Studium war dafür wirklich ideal. Man muss wissen, dass ich ja aus einer ganz anderen Ecke komme. Ich hatte davor Logistik und Transportmanagement studiert und im Bereich Verkehrssicherheit und Mobilitätsmanagement gearbeitet. Das Backen war rein privat, ein Ausgleich. Mein Food-Blog hat entsprechend ausgesehen. Und ich hatte keine Ahnung vom Programmieren, vom Fotografieren, von Suchmaschinenoptimierung auch nicht. Und auch von Social Media hatte ich ehrlich gesagt wenig Ahnung. Also hab ich mich an der FH Burgenland beworben. Ich hab ja dann sogar meine Masterarbeit zu dem Thema geschrieben: die Bedeutung von Content-Strategie in der Markenentwicklung von Food-Blogs.

Und dann hast du als Food-Bloggerin den Sprung in die Selbständigkeit gewagt und alles auf eine Karte gesetzt…

Zunächst hab ich noch bei einer Online-Agentur gearbeitet und den Food-Blog nebenbei vorangetrieben. Dann kam ein Mail von einem Verlag, der ein Buch von mir herausbringen wollte. Ich dachte zunächst, das ist ein Spam. Das ist doch der Traum von jedem Food-Blogger bzw. Food-Bloggerin. Aber es war ernst und dann hab ich das gemacht.

Worum ging es in dem Buch?

Wintergetränke. Das Buch heißt „Punsch, Glögg & heißer Kakao“. Letztendlich hab ich dann gekündigt und mich voll auf meine Arbeit als Food-Bloggerin fokussiert.

Mit beachtlichem Erfolg: Du bist ja eine der bedeutendsten Food-Bloggerinnen im deutschsprachigen Raum. Wie groß ist deine Fangemeinde?

Ich habe mehr als 800.000 Seitenaufrufe und rund 449.000 Unique Visitors.

Kann man von der Arbeit als Food-Bloggerin leben?

Leicht ist es nicht. Und es ist schon harte Arbeit. Man muss sich halt positionieren und überlegen, was man alles anbieten möchte. Ich geh jetzt beispielsweise auch in den Bereich Content-Creation, mach also Content, allen voran Bilder, für Unternehmen, die das für ihre Social Media-Kanäle brauchen. Oder generell für ihre Werbematerialien. Also man kann mich auch nur für Foodstyling und Fotos engagieren. Und ich habe eine eigene Fruchtnektar-Serie am Markt gebracht und eine Gewürzmischung. Damit bin ich auf Märkten präsent.

Ein Food-Blog allein bringt also zu wenig ein, auch wenn du Content anbietest, der Werbung enthält, was auch klar gekennzeichnet ist?

Heutzutage nennt sich jeder Blogger. Und die Firmen haben teilweise noch nicht den Wert verstanden, den die guten, größeren Blogger haben bzw. liefern. Ich habe das Gefühl, dass die Qualität oft gar nicht so sehr zählt, Hauptsache, es ist günstig. Dazu kommt Preisdumping von Leuten, die das nur so nebenbei machen und die hauen den Markt zusammen. Generell herrscht im Netz eine Gratiskultur. Es wird auch viel kopiert und damit de facto geklaut. Aber den Leuten ist das gar nicht bewusst, dass sie Urheberrechte verletzen. Screenshots sind die Pest! Dagegen ist man machtlos.

Wer sind eigentlich deine größten Firmenkunden?

Kenwood, Jura, Wiener Zucker, jetzt auch Thea.

Wie gelangen die meisten User überhaupt auf deine Seite?

Die meisten kommen über Google. Facebook ist für meinen Food-Blog auch ganz wichtig. Meine Leute liken meine Seite nicht nur, sondern sie interagieren auch sehr stark mit mir. Das ist zwar toll und wertschätzend, aber auch sehr anstrengend. Ich betreibe Community-Management, versuche wirklich alle Anfragen möglichst rasch zu beantworten. Aber das ist schwierig, weil ich ja allein bin und alles selbst machen muss.

Und Instagram?

Das ist schwierig, weil es ist viel Arbeit, bringt mir aber kaum Klicks auf meiner Seite. Ich sag das immer meinen Kunden im Erstgespräch: Instagram machen wir mit, aber sie dürfen sich nicht erwarten, dass ich mich im Bikini mit einem Champagnerglas in ein Whirlpool setze. Weil das machen Blogger ja oft, aber das ist für mich nicht nachhaltig. So ein Insta-Foto verschwindet ja im Feed.

Du bist eine One-Woman-Show, machst du auch die Fotos selbst?

Ja, zu 95 Prozent. Ich bin 2018 sogar unter den zehn besten Food-Fotografen der Welt gerankt worden! Nur wenn ich selbst am Foto bin, engagiere ich eine Fotografin.

Wie oft kochst du?

Vier bis fünf Tage pro Woche jeweils drei bis fünf Gerichte.

Und wer isst die dann alle?

Familie, Freunde, die Kollegen von meinem Lebensgefährten. Reste bekommen manchmal auch die Hühner von der Oma, von denen ich wiederum die Eier bekomme.

Woher kommen deine Rezepte?

Verschieden. Viele sind überliefert, alte Rezepte von meiner Oma oder Mama, aber da schau ich schon, dass ich zumindest Fett und Zucker reduziere. Und dann habe ich verschiedenste Inspirationen. Aber ich habe mich noch nie an ein Rezept gehalten, ich hab immer schon viel selbst herumgepanscht und ausprobiert.

Würdest du jungen Studenten raten, hauptberuflich Blogger zu werden?

Es gehört wie alles gut überlegt, aber ja, warum nicht! Nur darf man halt keine falschen, überzogenen Erwartungen haben. Man darf nicht glauben: In einem halben Jahr bin ich berühmt und reich. Das würde ich jedem wünschen, aber ich glaub, das schaffen nur die Wenigsten. Und ich muss schon sagen: Ich habe in den zurückliegenden 2,5 Jahren insgesamt nur zwei Wochen Urlaub gehabt und den einen hab ich gleich wieder abgebrochen, weil ich ohnehin nur online war, Blogbeiträge geschrieben habe und Kundenmails beantwortet habe. Das zweite Mal hab ich dann darauf geachtet, dass ich nur drei Stunden am Tag arbeite im Urlaub.

Was ist Deine Lieblingsspeise?

Apfelstrudel.

Was ist Dein USP?

Einfache Rezepte, gut erklärt, sodass es praktisch eine Garantie gibt, dass sie auch gelingen.

Was sind die wichtigsten Geräte in einer Küche?

Eine Küchenmaschine, ein Herd und ein gutes Backrohr.

Wie hat deine Familie auf Deinen Werdegang reagiert?

Die Reaktionen schwanken zwischen Stolz und „Wahnsinn“. Mein Freund ist stolz und unterstützt mich voll. Dass er in einem angestellten Arbeitsverhältnis ist, ist freilich schon beruhigend. Das gibt eine Sicherheit, die man nicht unterschätzen darf. Meine Eltern hätten sicher gern gesehen, das sich was Sicheres mache. Aber wenn sie mich dann in einer Zeitung sehen oder gar im Fernsehen, dann sind auch sie sehr stolz.

Verena Pelikan betreibt die Website Sweets & Lifestyle. Mit ihrem Freund und ihren zwei Katzen lebt sie im Weinviertel. Über sich selbst und ihren Blog sagt sie: „Sweets and Lifestyle beschreibt meine Leidenschaft(en): Ich liebe Backen und das Verzieren von süßen Kleinigkeiten. Damit verbringe ich oft Stunden. Lifestyle beschreibt meinen genussvollen (süßen) Lebensstil. Ich bin Genießerin durch und durch.“

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