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Zwischen Hörsaal und Arbeitsplatz

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Wie kann man Studium und Beruf möglichst stressfrei vereinen?

Rund zwei Drittel der Studentinnen und Studenten in Österreich sind nebenbei berufstätig. Doch für so manche wird dieser Stress auf Dauer zu viel. Wir verraten euch, wie andere Studierende damit umgehen und wie ihr diese Doppeltbelastung meistern könnt.

Für über 150.000 Studentinnen und Studenten in Österreich ist der Nebenjob fixer Bestandteil ihres Lebens. Darunter findet man auch viele, die neben dem Studium 20 bis 40 oder sogar noch mehr Arbeitsstunden pro Woche meistern.

Außer sonntags ist meine Woche komplett voll.“

Zu diesen berufstätigen Studierenden zählt auch Martin P. Er bewältigt neben seiner Arbeit auf Vollzeitbasis ein berufsbegleitendes Studium an der FH Burgenland. Für ihn bleibt in der Woche nur wenig Platz für Freizeit. Sein größtes Problem dabei sei, dass sein Sozialleben darunter stark leidet. „Zurzeit wäre es für mich einfach unmöglich, in einer Beziehung zu sein.“ Mit dem Dauerstress kommt der 27-jährige bis dato noch relativ gut zurecht. Problematisch ist es für ihn nur, dass er wegen der mangelnden Zeit viele Arbeiten und Übungen bis zum letzten Moment aufschiebt.

„Der Stress gibt mir den nötigen Antrieb und Druck.“

Prokrastination – das ständige Aufschieben von Pflichten – ist ebenso ein vertrautes Problem des 21-jährigen Jus-Studenten Jakob S. Um Arbeit und Studium zu vereinen, sucht er immer wieder Ablenkungen und flüchtet vor Belastungen. Aber er spricht auch von einem positiven Effekt des Stresses. Er gibt ihm den notwendigen Druck, um gezielt auf Projekte hinzuarbeiten oder für Prüfungen zu lernen. Allerdings funktioniert diese Taktik auf Dauer nicht. Auch er habe schon den Lernaufwand für so manche Vorlesung unterschätzt, was schon zu Misserfolgen bei Prüfungen führte. Er berichtet, dass sich Stress bei ihm vor allem durch Schlaflosigkeit und Gereiztheit äußert.

„Ohne Verständnis der Arbeitgeberstelle wäre das nicht ganz möglich.“

Julian T. arbeitet zusätzlich zu seinem Vollzeitstudium an der FH Burgenland noch im Marketingbereich einer Firma und als Grafiker bei einer Agentur auf Teilzeit-Basis. Der Druck zwischen Studium und Arbeit betrifft natürlich auch den 27-jährigen. „Ich persönlich finde es ganz wichtig, dass man ein richtiges Time-Management hat.“ Wenn stressige Wochen anstehen, versucht sich Julian T. die Sachen rechtzeitig vorzubereiten beziehungsweise vorzuarbeiten, wenn es sich zeitlich ausgeht. „Wenn sich etwas nicht ausgeht, sage ich das ganz offen. Das geht natürlich nicht immer, aber ich finde es wichtig, dass man offen kommuniziert, dass das Studium Vorrang hat und manche Sachen nicht auf Knopfdruck passieren können.“, so der Student. Es sei vor allem wichtig, sich selbst einzugestehen, was man schafft und was nicht. „Ich finde das auch sehr wichtig, dass die Arbeitgeberstelle dafür Verständnis aufbringt, denn ohne dem wäre das nicht ganz möglich“.

Alarmsignale im Frühstadium erkennen!

Gesundheitsyogaexpertin und Mind-and-Balance-Coachin Alexandra Meraner wurde vor vielen Jahren selbst zum Opfer von Stress. Die Folge: Burnout. Jetzt hilft sie Personen mittels Entspannungstraining und Stressbewältigung, durch die gleiche Situation zu kommen, in der sie damals war. Im Gespräch schildert Alexandra Meraner Alarmsignale des Körpers, die man bereits im Frühstadium erkennen kann. „Man merkt es, wenn man nicht mehr schlafen kann. Oder wenn man auf harmlose Dinge aggressiver oder weinerlicher reagiert als sonst“. Flache und schnelle Atmung sei ebenfalls ein Signal, für Stress im Körper. „Vor allem wenn der Atem nicht mehr tief geht und eher im Brustkorb bleibt“. Aber auch Kopfschmerzen, Kreislaufprobleme, Herzklopfen und Verspannungen zählen zu Alarmsignalen.

Tipps, um Stress zu vermeiden:

Alexandra Meraner verrät im Gespräch zusätzlich Tipps, die gegen Stress helfen. „Der Fokus liegt vor allem auf der Atmung und dass man tief in den Bauch atmen kann. Die tiefe Bauchatmung vergisst man leider immer wieder. Ganz wichtig ist es auch, die Ausatmung zu verlängern“. Neben den Atemtechniken können aber auch ganz einfache Dinge in Stresssituationen helfen. „Es ist sinnvoll,Pausen einzubauen. Aber nicht, dass man zu sich sagt, `so, ich mache jetzt eine Stunde Pause’, denn dann bekommt man wieder Stress. Es ist besser, eher kleinere Pausen einzubauen, das Fenster zu öffnen und frische Luft einzuatmen. „Einen Kaffee soll man bewusst trinken und nicht nur nebenbei.“

Auch bewusste Computer- und Handypausen sind für die Gesundheitsyogaexpertin sinnvoll, genauso wie das Einbinden von Pausen in der Natur. „Ich kann jedem empfehlen, die Pausen bewusst zu nutzen, um hinauszugehen. Die Natur ist ein heilsamer Ort.“, ergänzt die Mind-and-Balance-Coachin. Wenn man also das nächste Mal zwischen Hörsaal und Arbeitsplatz wechselt, wäre es also sinnvoll, inzwischen eine kurze Pause in der Natur einzuplanen. Letztendlich wirkt sich Stress auf jeden Menschen individuell aus. Dabei unterscheidet sich sowohl die Stresstoleranz als auch die entstehenden Symptome. Ebenso verhält es sich mit der Stressbewältigung: Da jeder Mensch unterschiedlich auf Stresssituationen reagiert, muss auch individuell darauf eingegangen werden. Sollte man merken, dass man allein nicht weiterkommt, ist es vor allem sinnvoll, sich professionelle Hilfe von Expert*innen zu holen.

Stressbewältigungsmethoden kurz zusammengefasst:

  • Sport, um körperliche Anspannungen abzubauen
  • Multitasking vermeiden
  • bewusste Pausen machen
  • Atemtechniken & Entspannungsübungen
  • soziale Kontakte pflegen
  • Zeit-Management verbessern
  • eigene Grenzen kennen
  • lernen „Nein“ zu sagen