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„Klimaschutz soll leistbar und selbstverständlich für alle sein.“ – Besuch bei einem Organisator des Klimavolksbegehrens

Zur selben Zeit wie ein Demonstrationszug der FridaysForFuture-Bewegung in Wien fand am 26. Juni auch die letzte Online-Exkursion des Semesters im Studiengang Digitale Medien und Kommunikation unter der Leitung von FH-Lektor Thomas Goiser und Studiengangsleiter Michael Roither statt. Über WebEx lud Gastgeber Raphael die Studierenden in seine Privatwohnung im 7. Wiener Gemeindebezirk ein, um mit ihnen über das Klimavolksbegehren zu plaudern.

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„Unser wichtigstes Leitmotiv ist: Klimaschutz soll leistbar und selbstverständlich für alle sein.“
Raphael, Partnerbetreuer des Klimavolksbegehrens

Viele Menschen möchten laut Raphael gerne Klimaschutz betreiben. In der Praxis ist dies aber meist schwierig: Biofleisch kostet zum Beispiel sowohl für die Produzenten als auch für die Endverbraucher mehr als konventionell produziertes Fleisch. Subventionen werden statt für nachhaltige Nahrungsproduktion, für Fluggesellschaften und Kerosin vergeben. All das schlägt sich in immer extremeren Wetterphänomenen und länger andauernder Trockenheit nieder. 

Um dem entgegenzuwirken und die Politik zum Handeln aufzufordern, wurde das Klimavolksbegehren ins Leben gerufen, eine Bewegung mit mehr als 1000 Freiwilligen in ganz Österreich. Die Hauptforderungen des Volksbegehrens sind, das Recht auf Klimaschutz in der österreichischen Verfassung zu verankernschädliche Treibhausgase abzuschaffen, ökologische Alternativen zu belohnen, das Steuersystem ökosozial zu reformieren und nachhaltige Mobilität zu begünstigen.  

Grass-Roots-Arbeit und robuste Organisationsstruktur 

Bis auf Katharina Rogenhofer, die Vorstandsvorsitzende, arbeiten alle Organisatoren und Helfer ehrenamtlich für das Volksbegehren. Der Gastgeber der Exkursion, Raphael, arbeitet im Kernteam zusammen mit seinem Team als Betreuer für Partnerorganisationen.

Die freiwilligen Helferinnen und Helfer wechseln stetig, da viele durch Job und Studium nur eine begrenzte Zeit mitmachen könnenAuch Laura, eine der Studentinnen, die bei der Exkursion dabei waren, hat vor der Corona-Krise mitgemacht. „Meist ist es einfach mehr Verantwortung als ursprünglich angenommen und als die Leute eigentlich übernehmen konnten“, erklärt Raphael. Deshalb gibt es ein fixes Kernteam und jeder Bereich der Organisation hat eine Leitung und eine Co-Leitung, sodass Fluktuationen kompensiert werden können. Auch Raphael hat schon drei verschiedene Teams geleitet. 

„Grass-Roots-Arbeit ist für das Volksbegehren sehr wichtig. Es gibt viele junge Leute, die zum Beispiel in ihrem Ort beim Gemeindeamt stehen und Menschen zum Unterschreiben hineinschicken“, lobt Raphael die vielen Helferinnen und Helfer. „Viele Leute wissen nicht wirklich, was ein Volksbegehren ist und wie es abläuft. Viele glauben auch, dass Volksbegehren eh nicht viel verändern.“ 

Laut Raphael fehlt es generell an Bekenntniskultur und Motivation, tatsächlich zum Unterschreiben hinzugehen. Skeptiker zu überzeugen, das hat er schon aufgegeben. Die meisten Menschen, die das Klimavolksbegehren unterzeichnen, sind selbst klimaaffine Menschen und gehören eher nicht zur Durchschnittsbevölkerung. 

„Man kann Geld nicht komplett durch gute Arbeit ersetzen.“

Finanziert wird das Volksbegehren durch Privat- und Firmenspenden. Angesprochen werden hierbei vor allem Firmen, die bereits im Klimaschutz tätig sind und nachhaltig wirtschaften, wie nachhaltige Energieproduzenten und Bio-Produzenten, aber auch große Unternehmen wie die ÖBB. „Mit einem Gesamtbudget von ca. €130.000 sind wir eines der ‚ärmsten‘ Volksbegehren, meint Raphael, das Rauchervolksbegehren hat im Vergleich dazu ein Budget von € 1.000.000.“  

Gerade für das Bewerben von Kommunikationsmaßnahmen in den sozialen Medien fehlt oft das Geld. Trotzdem konnte das Klimavolksbegehren zahlreiche prominente Unterstützerinnen und Unterstützer aus Unterhaltung und Industrie gewinnen und hat mit ihnen Werbespots gedreht, die auf dem YouTube-Kanal des Volksbegehrens und den sozialen Medien ausgespielt werden.  

Das Volksbegehren arbeitet auch mit zahlreichen NGOs und Organisationen zusammen – unter anderem mit Greenpeace und der katholischen Kirche. Kürzlich konnte sogar Kardinal Christoph Schönborn für eine Pressekonferenz gewonnen werden.

Die Eintragungswoche des Klimavolksbegehrens endete am Montag, dem 29. Juni 2020. Die finalen Unterschriftszahlen wurden am 29. Juni 2020 um 20:15 Uhr bei einem Abschlussevent am Heldenplatz öffentlich verkündet. 380.590 Menschen haben unterschrieben. Das Volksbegehren wird zu gegebener Zeit dem Nationalrat vorgelegt. 

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