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„Laufbahnplanung ist eine Geisteshaltung“: Tipps für den Bewerbungsprozess

Vor allem gegen Ende ihres Studiums müssen sich Studenten die Frage aller Fragen stellen: Wie geht es nun weiter? Alexander Simon Seifert vom Career Center der Universität Salzburg beschreibt, wie man den Traumjob finden kann. Und er gibt Tipps für den Bewerbungsprozess.

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Wie finde ich als Student heraus, welcher Beruf zu mir passt?

Alexander Seifert: Studierende müssen sich ihrer eigenen Kompetenzen und Werte bewusst werden und sich selbst die Frage beantworten können, wo sie gern in der Gesellschaft wirksam werden möchten. Ein wichtiger Schritt, nachdem die Richtung feststeht, ist ein guter Lebenslauf und das Eigenmarketing zu trainieren.

Niemals ein und dieselbe Bewerbung an verschiedene Unternehmen senden. Standardsätze wie: „Ich bin teamfähig, lernfähig, leistungsorientiert“ spart man sich lieber. Mit solchen Selbstverständlichkeiten macht man keine Werbung für sich selbst. Besser ist es, punktgenau zu beantworten, was einen ausmacht im Vergleich zu anderen. Das bedarf der Reflexion und braucht Zeit. Jemand, der mehr als 20 Bewerbungen für einen Job schreiben muss, hat das Prinzip Bewerbung nicht verstanden.

Und worauf legen Arbeitgeber besonders Wert?

Was man studiert, ist einem modernen Arbeitgeber grundsätzlich egal. Auch die Benotung spielt nur mehr eine sehr geringe Rolle. Es gibt einfach so viele Gründe, wieso jemand bessere oder schlechtere Noten schreibt. Die Note allein wird also niemanden interessieren, es sei denn, man geht in den Forschungs- oder Wissenschaftskontext. Da ist es unerlässlich, sehr gute Zensuren zu schreiben. Arbeitgeber achten vielmehr darauf, warum sich jemand bewirbt. Das bedeutet, jeder muss seinen Lebenslauf gut kennen und rechtfertigen können. Jeder Bewerber muss sich mit der Firma, dem Produkt oder dem Serviceportfolio intensiv auseinandergesetzt haben, um dann argumentieren zu können, wieso er davon träumt, bei dieser Firma tätig zu sein.

Wie wichtig sind Praktika während des Studiums?

Allgemein ist Erfahrung etwas sehr Wichtiges. Ob das dann im Rahmen eines Praktikums, eines Ferialjobs oder einer freien Mitarbeit erfolgt, ist an sich egal. Ich persönlich bin kein Freund von Praktika, weil sie nicht sinnvoll sind, wenn ich schon weiß, in welchem Bereich ich arbeiten möchte, und da vielleicht auch schon etwas Erfahrung gesammelt habe. Ein unbezahltes Pflichtpraktikum passt, aber man braucht nicht vier Pflichtpraktika. Viele Praktika kann man sich dadurch sparen, dass man sich wirklich einmal hinsetzt und Laufbahnplanung betreibt und sich fragt, was man wirklich will. Laufbahnplanung ist dabei eine Geisteshaltung. Es geht darum, was man denkt.

Welche Fragen sollte sich jeder bei der Laufbahnplanung stellen?

1. Was brauche ich unbedingt?
2. Was wäre schön?
3. Was geht auf gar keinen Fall?
4. Was muss ich nicht unbedingt haben?
Das sind die wichtigsten Fragen, die jeder für sich selbst beantworten muss.

Ist es sinnvoll, an den Bachelor ein Masterstudium anzuhängen?

Bei Bachelor und Master geht es darum, inhaltlich zu beurteilen, was zu einem und der eigenen Jobvorstellung besser passt. Für Menschen, die gut und gern analytisch denken und die gern studieren, ist der Master eine gute Option. Es ist aber auch sehr spannend, zwei Bachelor in ganz verschiedenen Disziplinen zu machen, beispielsweise in Kommunikationswissenschaft und Molekularbiologie.

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist nach wie vor ein großes Thema. Wie bekommen berufstätige Eltern all das unter einen Hut?

Der Sinn des Lebens ist sicher nicht das Arbeiten. Ich finde es furchtbar, wenn Menschen zum mittleren Lebensabschnitt feststellen: „Verdammt, jetzt ist es zu spät.“ Es ist doch ein Leichtes, mit den eigenen Eltern zu sprechen, ob sie einen unterstützen würden. Wenn da dann die Antwort „Auf gar keinen Fall“ lautet, würde ich die Familienplanung tatsächlich noch nach hinten stellen. Aber ich habe auch noch nie Eltern kennengelernt, die nicht Großeltern werden wollten.

Wie kann sich jeder selbst den Übergang zwischen Studium und Beruf erleichtern?

Jeder sollte schon früh die Laufbahn planen; schon nach den ersten Semestern sollte das möglich sein. Laufbahn meint nicht nur Karriere, sondern umfasst neben Aufsteigen und Geld auch die Familienplanung und den Wunschwohnort. Jeder sollte sich hin und wieder fragen, wozu er das, was er in der Uni mitbekommt, brauchen kann.

Wie kann ein Student die Chancen auf seinen Traumjob erhöhen?

Jeder muss träumen und sich den Luxus gönnen, fernab des Webs darüber nachzudenken, was er ausprobieren will. Auf Firmen und Personen muss dann jeder aktiv zugehen.

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