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Mit Baby zum Bachelor

Schlaflose Nächte, Herzrasen und dunkle Augenringe sind typische Erkennungsmerkmale von Studierenden. Aber auch Eltern, vor allem die von Kleinkindern, lassen sich an diesen Anzeichen erkennen. Werden Studentenleben und Eltern-Dasein kombiniert, muss das wohl zum absoluten Super-Gau führen. Oder? Zwei Studierende erzählen über ihren Studienalltag mit Kind.

Laut der Studierenden-Sozialerhebung aus 2016 hat einer von zwanzig österreichischen Studierenden ein Kind unter sieben Jahren. An pädagogischen Hochschulen sowie in berufsbegleitenden Fachhochschul-Studiengängen liegt die Zahl der studierenden Eltern verhältnismäßig hoch, während Vollzeit-Studierende an Fachhochschulen am seltensten mit Kind studieren. Die richtige Balance zwischen Kind, Studium und Privatleben zu finden, ist schwierig, aber nicht unmöglich.

„Seitdem mein Sohn auf der Welt ist, habe ich einen ganz anderen Blick auf mein Studium. Ich nutze die Zeit, die ich habe, viel effektiver und schiebe nicht mehr alle Aufgaben bis zur Deadline auf”, erzählt die Jus-Studentin Julia, die einen vierjährigen Sohn hat. Während Julias Sohn am Vormittag im Kindergarten betreut wird, besucht Julia Vorlesungen und Seminare oder lernt für die nächste Prüfung. Den Nachmittag widmet sie ganz ihrem Kind. Dann gehen sie oft auf den Spielplatz oder spielen zu Hause.

Am Abend übernimmt Julias berufstätiger Partner die Kinderbetreuung und Julia lernt meistens noch ein bisschen. Nur zum Einschlafen wird Julia wieder gebraucht: „Wenn ich nicht daneben sitze, schläft er momentan gar nicht. Deswegen ist die Einschlafbegleitung gerade meine Aufgabe.” Trotz Kinderbetreuung im Kindergarten und Unterstützung durch den Partner, bringt das Studieren mit Kind, Julia manchmal an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit: „Vor allem, wenn er krank ist, komme ich selten zum Lernen. Und wenn, dann bin ich so KO, dass ich erst recht nichts weiterbringe.” 

Familiärer Rückhalt hilft

Hinter einer studierenden Mama oder einem studierendem Papa steht in vielen Fällen ein starkes soziales Umfeld, das hilft. Die Kinderbetreuung wird meistens vom anderen Elternteil oder von den Großeltern übernommen. „Bei Prüfungen schaut auch oft meine Mama nach ihm, sonst würde es nicht gehen”, so Julia. Fehlt dieses Umfeld, dann wird das Studium eine große, organisatorische Herausforderung. Sarah ist die Mutter einer einjährigen Tochter und ehemalige Ernährungswissenschafts-Studentin. Sie erzählt: „Bei Vorlesungen war es kein Problem, auch mal zu fehlen. Schwierig war es aber in Seminaren mit Anwesenheitspflicht, da musste ich jede Woche jemanden finden, der mir aufs Kind aufpasst.”

Sarah ist alleinerziehend, ihre Familie wohnt in Oberösterreich. Zum Studieren ist sie nach Wien gezogen. Nachdem ihre Tochter auf die Welt gekommen ist, musste sie ihr Studium pausieren. „Meine Familie ist ja weiter weg, deswegen hab ich kaum die Möglichkeit, dass mal jemand auf sie aufpasst. Ich kann auch nicht zwischendurch lernen, weil sie eigentlich andauernd meine Aufmerksamkeit einfordert”, erzählt Sarah über ihren Alltag.

Kinderbetreuung auch an der Hochschule

Teilweise bieten Hochschulen eigene Kinderbetreuungseinrichtungen an, die von etwa 10 Prozent der studierenden Eltern genutzt werden. Der Audit “hochschuleundfamilie” bietet für Hochschulen die Möglichkeit an, sich als familienfreundliche Hochschule zertifizieren zu lassen. Studierende mit Baby benötigen, von ihrer Hochschule vor allem eine flexible Organisation, die auf ihre Betreuungstätigkeit Rücksicht nimmt. Wie gut das funktionieren kann, hat Julia bei ihrer letzten Prüfung erlebt: „Mein Prüfungstermin wäre eigentlich abends gewesen, was für mich immer schwierig ist, aber ich konnte die Prüfung auf 13 Uhr vorverschieben.”

Auch finanziell gesehen ist die Lage für studierende Eltern oft nicht gerade einfach. „Elternsein ist eh schon ein Vollzeitjob. Es ist schon hart da daneben zu studieren. Ein Nebenjob ist sich da bei mir nicht ausgegangen”, meint Sarah. Für jedes Baby erhalten Eltern in Österreich Kinderbetreuungsgeld. Dabei können sie sich zwischen zwei Varianten entscheiden: Beim einkommensunabhängigen Kinderbetreuungsgeld werden je nach gewählter Bezugsdauer 14 bis 34 Euro pro Tag ausbezahlt. Auf das Jahr hochgerechnet sind das etwa 12.300 Euro. Wer gut verdient, sollte das einkommensabhängige Kinderbetreuungsgeld wählen: Dieses beträgt 80 Prozent der Letzteinkunft des Elternteils, welches das Kinderbetreuungsgeld bezieht, jedoch maximal 66 Euro pro Tag.

Partnerschaftsbonus bei geteilter Betreuungszeit

Wenn die Betreuungszeit unter beiden Elternteilen aufgeteilt wird, wird zusätzlich ein Partnerschaftsbonus in Höhe von 500 Euro ausgezahlt. Neben dem Kinderbetreuungsgeld, das für längstens zwei Jahre und vier Monate in Anspruch genommen werden kann, wird an die Eltern Familienbeihilfe für Kinder unter 24 ausbezahlt. Je nach Alter des Kindes beträgt die Familienhilfe 114 bis 165 Euro. Die Anspruchsdauer auf Familienbeihilfe für die Studierenden selbst, verlängert sich durch eine Schwangerschaft um ein Jahr. Der Anspruch besteht dann bis zum vollendeten 25. Lebensjahr. Weiters gelten für Studierende mit Baby Sonderregelungen für die Studienbeihilfe. Wer mit Kind studiert, erhält monatlich zusätzliche 112 Euro. Abhängig von Einkommen von Eltern und Partnern werden an Studierende mit Kind maximal 953 Euro ausbezahlt. 

Bereut hat Julia ihre Entscheidung für ein Baby während des Studiums nie: „Auch wenn es sehr anstrengende Phasen gibt und ich auch länger für mein Studium brauchen werde, als die meisten meiner Studienkollegen, würde ich ihn um nichts in der Welt hergeben wollen.” Sarah hat ihr Ernährungswissenschafts-Studium pausiert, wird es aber wieder aufnehmen, wenn ihre Tochter in den Kindergarten kommt: „Ich hab irgendwann gemerkt, dass ich mit Studium zu wenig Zeit fürs Mama-Sein habe. Deswegen hab ich mein Studium abgebrochen, aber ich werde weiterstudieren wenn die Kleine im Kindergarten ist.” 

Mehr über Kinderbetreuungseinrichtungen lest ihr hier: https://www.studienplattform.at/studierende-mit-kind

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