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Mit gesundem Stress zu besseren Uni-Noten

Während des Semesters geht es Schlag auf Schlag: Kursanmeldungen, Präsentationen, Prüfungen. Der Stress macht dem entspannten Uni-Leben einen Strich durch die Rechnung. Der Psychologe Daniel Trobisch klärt auf, wie sich gesunder Stress erkennen lässt – wie man damit richtig umgeht.

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Es gibt ja das Vorurteil „Studierende haben keinen Stress“. Unterscheidet sich das Stressempfinden Studierender tatsächlich von arbeitstätigen Personen?

Daniel Trobisch: Sobald eine Person einer Bewertung unterliegt, wie in den beiden Fällen mit Noten oder Geld, entsteht ein gewisser Druck. So enthält der Alltag für beide Gruppen Stressfaktoren. Sonst hätten auch Hausfrauen, junge Mütter, Pensionisten oder Arbeitslose keinen Stress. Jeder Mensch ist jedoch in seiner Stressentwicklung und -verarbeitung völlig unterschiedlich. Das hängt einerseits mit der Persönlichkeit zusammen. Andererseits spielen familiäre Vorbildwirkung, etwa wie in der Familie mit Konfliktsituation umgegangen wurde, oder das soziale Umfeld eine entscheidende Rolle.

Wie entwickelte sich der Begriff Stress?

Vor etwa 80 Jahren wurde der Begriff mit der Bedeutung „Anspannung und Druck“ aus dem Englischen übernommen. Anfangs war er positiv behaftet und wirkte sogar interessant. Wenn es hieß „Ich habe viel Arbeit oder Stress“ wurde das eher akzeptiert, als wenn gesagt wurde, „Ich möchte mich erholen und nichts tun“. Erst im Laufe der Zeit bekam der Begriff fälschlicherweise eine rein negative Bedeutung. Freilich hat es Stress in allen Erscheinungsformen immer gegeben. Betrachten wir die physikalischen Stressoren Hunger, Umweltkatastrophen oder Kriege.

Sie sprechen von einer „fälschlicherweise rein negativen Bedeutung“. Gibt es einen positiven Stress?

Ja. Dabei spricht man vom „Eustress“, was soviel bedeutet wie guter, richtiger Stress. Eine Prüfung etwa löst Stress aus. Dabei kommt es zu einer besseren Durchblutung und Aktivierung des Gehirns. Es werden kurzfristig große Reserven mobilisiert, was freilich eine angemessene Vorbereitung voraussetzt. Wie eine Medaille für den Sportler, eine Bonuszahlung für den Manager, ein Applaus für den Künstler, so bekommt der Student eine positive Note als Belohnung. Stress wirkt dann krankmachend, wenn keine Zeit mehr für Regeneration, lustvolles Tun, Hobbies und soziale Kontakte bleibt.

Was sind Verursacher und Erkennungsmerkmale von Stress?

Zeitdruck, schlechte Terminplanung, emotionale Belastungen wie Partnerprobleme und Mobbing, geistige Über- oder Unterforderung, Heimweh, finanzielle Probleme, schlechte Wohnsituation und Schlafstörung sind Verursacher von Stress. Hinzukommen noch externe Faktoren wie ständige Erreichbarkeit, weltweite Vernetzung und ein permanenter Informationsüberschuss bei zunehmender Orientierungslosigkeit. Ein Stresszustand gibt sich äußerlich-sichtbar oder körperlich zu erkennen. Erkennungsmerkmale sind zum einen schnelles Essen und Rauchen, hektisches Sprechen, aggressives Verhalten und ständige Schuldzuweisungen. Zum anderen äußert sich Stress in Form von erhöhtem Blutdruck, schnellem Herzschlag, erhöhter Muskelanspannung, vermehrtem Schwitzen, reduziertem Speichelfluss, trockenem Mund, Atembeschleunigung und -beschwerden, kalten Händen und Füßen sowie Verdauungsproblemen. Kurzfristig kommt es bei einer Adrenalinausschüttung zu einer Erhöhung der Schmerztoleranz. Diese Symptome vergehen sofort wieder, wenn die „Gefahr“ außer Sicht ist. Dann wird Adrenalin sehr schnell über die Nebennierenrinde abgebaut.

Und wenn die „Gefahr“ kontinuierlich fortwährt?

Ein Problem wird eine Stressbelastung dann, wenn es zu keinen Erholungsphasen mehr kommt. Neben dem Adrenalin wird zugleich über das Gehirn das Stresshormon Cortisol ausgeschüttet. Dieses lässt sich nur langfristig abbauen. Die einzig wirksame Methode sind regelmäßige Bewegungseinheiten im Freien. Für Studierende bieten sich dabei besonders die Hochschulsportkurse an. Wobei tägliches spazieren schon völlig ausreichend ist.

Welche weiteren Tipps können Sie Studierende für ein gelungenes Stressmanagement geben?

Ein gelungenes Stressmanagement ist nicht nur Kopfsache, sondern kann auch durch aktives Handeln erreicht werden. Es ist wichtig, sich des Erfreulichen und Gelungenen bewusstzuwerden und dafür Dankbarkeit zu empfinden. Nicht an unangenehmen Gefühlen oder Ärger festkleben, sondern loslassen und vergeben lernen. Häufiger „Nein“, „Jetzt Nicht“ sagen und die eigenen sowie andere Leistungsgrenzen akzeptieren. Aufgaben, wie Prüfungen, nicht als Bedrohung, sondern als Herausforderung sehen, innere Distanz zu alltäglichen Aufgaben gewinnen und den Blick auf das „Wesentliche“ bewahren. Außerdem wird durch klare Prioritäten unter den Lehrveranstaltungen, eine realistischen Zeitplanung, Lernpausen, Gesprächen mit Freunden und Familie und bewusstem Genießen, wie herzliches Lachen, das Stressgefühl erheblich gesenkt. Außenstehende sollen den Stress einer Person niemals bewerten.

Zur Person

Dr. Daniel Trobisch wurde 1956 als Missionarssohn einer Amerikanerin und eines Deutschen geboren, die ersten fünf Lebensjahre verbrachte er in Kamerun. Später studierte er Psychologie, Philosophie, Psychopathologie und Humanbiologie an der Universität Salzburg. Heute arbeitet Trobisch als Betriebspsychologe bei Swarovski und in seiner eigener Praxis im Salzkammergut am Lichtenberg. 

 

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