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Nicht-EU-Studenten in Österreich: „Die Auflagen sind knallhart“

Die kolumbianische Studentin Carolina (25) spricht über die Situation von Studenten aus Nicht-EU-Ländern in Österreich. Carolina studiert in Salzburg. Im Interview spricht sie etwa darüber, was sie selbst im Umgang mit Nicht-EU-Studenten stört.

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Carolina Martinez Cabral studiert an der Uni Salzburg Soziologie – zusammen mit ihrem Freund, den sie in Salzburg kennenglernt hat. Im Interview klärt sie über die Zulassungsbedingungen für Nicht-EU-Studenten auf. Als Besonderheiten gelten etwa die Einschränkungen bei der Ausübung eines Nebenjobs und die Komplikationen mit der Aufenthaltsgenehmigung, um in Österreich studieren zu dürfen.

Carolina, du bist seit gut drei Jahren in Österreich. Wie wohl fühlst du dich mittlerweile?

Carolina Martinez Cabral: Inzwischen habe mich gut eingelebt, auch weil ich seit Oktober mit meinem Freund aus Deutschland zusammengezogen bin.

Also hast du dich privat schon mal guteingelebt. Aber wie gefällt dir dein Studium?

Nach der ersten Eingewöhnungszeit macht mir mein Soziologie-Studium mittlerweile sehr viel Spaß.

Welche Antrittsvoraussetzungen hast du als Nicht-EU-Studentin benötigt?

Um überhaupt in Österreich studieren zu dürfen, musste ich eine bestandene Deutsch-Prüfung auf B2-Niveau vorweisen.

Wie hoch war der Schwierigkeitsgrad dieser Prüfung aus deiner Sicht?

Für mich war es schon zu schaffen, da ich davor schon ein halbes Jahr in Deutschland gelebt habe und dort zahlreiche Deutschkurse besucht habe. Diese Prüfung war weniger das Problem, um in Österreich studieren zu können.

Sondern?

Die Studiengebühren betragen derzeit rund 750 Euro pro Semester. Aus meiner Sicht ist dieser Betrag etwas hoch angesetzt, da zusätzlich noch Mietkosten und Lebensunterhaltskosten anfallen. Zusätzlich musste ich ein Diplom äquivalent zur Matura vorweisen.

Wie sieht es eigentlich mit der Aufenthaltsgenehmigung für Nicht-EU-Studenten aus? Muss man für eine Verlängerung bestimmte Leistungen im Studium vorweisen?

Ja, ich habe als Studentin ein Visum für ein Jahr bekommen (in den meisten Fällen ist seit dem Wintersemester ein begleitender Vorbereitungslehrgang nötig, Anm.). Anschließend muss Uhr ich pro Semester 18 ECTS im Studium erbringen, um meine Aufenthaltsgenehmigung zu verlängern.

Inwiefern fühlst du dich damit unter Druck gesetzt?

Dadurch eher weniger, denn wenn man nur studiert sind 18 ECTS schon zu schaffen. Was mich mehr stört, ist die Tatsache, dass man im Bachelor nebenher nur zehn Stunden die Woche arbeiten und gleichzeitig nicht mehr als 400 Euro im Monat verdienen darf. Somit kann man sich durch einen Nebenjob höchstens die Miete in Salzburg leisten. Trotz meines kleinen Aushilfsjobs bei einer Zahnarztpraxis müssen meine Eltern mir doch finanziell stark unter die Arme greifen. Erst im Master könnte ich dann bis zu 20 Stunden in der Woche arbeiten.

Hättest du weitere Verbesserungsvorschläge für die Auflagen der Nicht-EU-Studenten?

Zunächst einmal bin ich froh, in der Uni gleich wie alle anderen behandelt zu werden. Aber wenn es um das Visum geht, kann ich nicht wie meine Kollegen planen und sagen, dass ich beispielsweise dieses Semester eine Vorlesung weniger mache und diese im kommenden Semester nachhole. Da sind die Auflagen knallhart.

Was musst du eigentlich sonst noch vorlegen, damit das Visum verlängert wird?

Damit mein Visum verlängert wird, muss ich meine Kontoauszüge vorlegen und falls ich arbeite, brauche ich die Arbeitserlaubnis. Diese bekommt man vom AMS (Arbeitsmarktservice Österreich, Anm.). Ich muss mit einem Alter von mehr als 24 Jahren beweisen, dass ich mehr als 800 Euro auf dem Konto habe. Zudem muss ich meine Identitätskarte vorlegen, die Inskriptionsbestätigung für das kommende Semester und eben den Studienerfolgsnachweis.

Ist das ein enormer Aufwand für dich?

Ja, es ist wirklich immer eine Prozedur mit diesen ganzen Dokumenten (lacht).

Wie fühlst du dich generell akzeptiert als Nicht-EU-Studentin in Österreich?

Was ich mir in Zukunft erhoffe, ist mehr Freundlichkeit gegenüber uns Ausländern bei der Ausländerbehörde. Dies war in der Vergangenheit schon grenzwertig. In der Uni würde ich mir wünschen, dass mehr interkulturelle Lehrveranstaltungen angeboten und gefördert werden. Die Uni schreibt sich dies zwar auf ihre Agenda, aber eigentlich werden diese LV ausschließlich für Erasmus-Studenten angeboten.

Wie war das zu deiner Zeit in Berlin?

In Deutschland wollte ich zwar studieren, habe allerdings meine Aufenthaltsgenehmigung dafür nicht bekommen.

Wieso, wenn ich fragen darf? 

Das darf ich nicht wissen. Dies wäre hier genauso, wenn ich mein Visum nicht bekommen würde. Die Uhr Gründe werden hierfür nicht aufgezählt. In Berlin habe ich ein halbes Jahr die Sprachschule besucht, aber fürs Studieren habe ich dann leider nicht die Aufenthaltsgenehmigung bekommen. Mittlerweile bin ich aber froh, dass ich damals nicht das Visum bekommen habe. Denn in der Zwischenzeit habe ich in Salzburg mein Glück gefunden.

Zum Abschluss: Ist es eigentlich ein Ziel für dich, die österreichische Staatsbürgerschaft zu erlangen?

Ja, dafür müsste ich erstmal zehn Jahre in Österreich gelebt und meinen Hauptwohnsitz haben. Das könnte ich mir aber sehr gut vorstellen.

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