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„Ich schäme mich, dass Donald Trump mein Land regiert“

Marketing-Experte Philip Kotler hielt am Global Peter Drucker Forum in Wien eine vielbeachtete Rede. Der 88-Jährige beschäftigt sich nicht nur mit Trends der Digitalisierung, sondern scheute auch nicht davor zurück, eine politische Message loszuwerden.

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Eine lebende Legende beehrte das diesjährige Global Peter Drucker Forum: Professor Marketing-Guru Philip Kotler. Der mittlerweile schon fast 90-jährige amerikanische Wissenschaftler und Professor für Marketing an der Kellogg School of Management der Northwestern University gilt als Begründer der modernen Marketinglehre. Sein 1967 erschienenes Buch „Marketing Management“ zählt zur Standardliteratur in der einschlägigen universitären Ausbildung.

Marketing 5.0

Trotz seines doch bereits stolzen Alters von 88 Jahren beschäftigt sich Professor Kotler mit den aktuellen Entwicklungen der Branche, allen voran der durch die Digitalisierung bedingten Veränderungen. „The Future of Marketing“ lautete der Titel seines Vortrags auf der internationalen Managementkonferenz  in Wien. Darin ging Kotler auf die Entwicklung des Faches ein und erklärte, dass dieses sich gerade in der Transformation von Marketing 4.0 in Richtung Marketing 5.0 befindet. Neue Konzepte beinhalten komplexe Prozesse wie Customer Journey Mapping, die Entwicklung von Personas und selbstverständlich Künstliche Intelligenz. 

Kotler wurde in seinem Vortrag aber auch politisch: „Ich schäme mich, dass Donald Trump mein Land regiert“, sagte er im Festsaal der Industriellenvereinigung am Wiener Schwarzenbergplatz. Trump würde gefühlt 41.000 Lügen innerhalb von nur einer Minute von sich geben. 

Influencer-Marketing

Zurück zum Marketing: Marketing Manager in Konzernen würden inzwischen von Kollegen in völlig neuen Management-Positionen wie Chief Growth Officers oder Chief Customers herausgefordert werden. Und dann gebe es auch noch das relativ neue Feld Influencer-Marketing. „Manche Menschen haben in sozialen Netzwerken eine Million Follower“, sagt Kotler. Damit würde ihr Wort, wenn sie beispielsweise ein Produkt empfehlen, Gewicht haben.  Letztendlich sei das Konzept der Influencer eine Weiterentwicklung der guten alten Mundpropaganda, dem so genannten „Word of Mouth Marketing“, wie der Marketing-Experte betont. Mittlerweile gebe es aber auch im Influencer-Marketing bereits eine ausdifferenzierte Sichtweise. So gehe es längst nicht mehr ausschließlich um Masse, sondern, wenn man so will auch um Klasse in Hinblick auf die jeweiligen Follower. „Es gibt bereits Micro-Influencers,  die etwa 15.000 Follower und eine lokale Bedeutung haben“, so Kotler: „Und es gibt so genannte Nano-Influencer. Die haben gar nur rund 5.000 Follower.“ 

Der am meisten gehasste Beruf der Welt

Unternehmen sollten nicht davor zurückscheuen, Dinge auszuprobieren und auch keine Angst haben, es mit ihren digitalen Ambitionen womöglich zu übertreiben. Der US-Riese Procter & Gamble zum Beispiel hätte zeitweise 30 Prozent seines Marketingbudgets im digitalen Bereich investiert. Diese Quote inzwischen aber auch schon wieder zurückgefahren. „Trotz allem darf man auch die klassische Werbung mit 30 Sekunden-Spots nicht unterschätzen“, so Kotler. Schließlich gelte es, beispielsweise Aktionen zu verlautbaren und damit für kurzfristige Kaufentscheidungen zu beeinflussen.“

Am Ende seines Vortrages gab sich Kotler noch einmal nachdenklich: Big Data, das Phänomen der immensen Sammlung von persönlichen Daten macht ihn, wie er meint „nervös“. Dies, zumal gerade in dem Zusammenhang auch Marketing als Nutznießer dieses Trends in Verruf geraten könnte: „Wir könnten am Ende noch der am meisten gehasste Beruf der Welt werden“, warnt der Marketing-Professor. 

Global Peter Drucker Forum - Philip Kotler

Im Anschluss an seinen Vortrag trafen unsere Redakteure Philip Kotler noch zum persönlichen Interview.

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