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„Präsentiert man sich gut, ist der Inhalt gar nicht so wichtig“

Welche Fehler gilt es bei Bewerbungsschreiben zu vermeiden? Und welche Fragen sollte man für sich vor einem Jobinterview selbst beantworten können? Wie man sich am besten auf eine Bewerbung vorbereitet, erklärt Bewerbungscoach Angelika Woglar im Interview.

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Mit leicht schwitzenden Händen sitze ich im Besprechungszimmer. Mein Herz klopft. Ein volles Glas Wasser vor mir und ein noch leerer Sessel gegenüber. Habe ich mich gut genug informiert? Bin ich passend angezogen? Das sind nur einige Fragen, die nicht nur mir, sondern auch vielen anderen Studierenden kurz vor einem Jobinterview durch den Kopf schießen. Dass das Bewerbungsschreiben auf jedes Stellenangebot individuell angepasst sein sollte, dass man seine Stärken und Schwächen beispielhaft belegen soll und wie wichtig ein hochwertiges Bewerbungsfoto ist, erläutert Bewerbungscoach Angelika Woglar.

Frau Woglar, unterscheiden sich die Anforderungen eines Akademikers im Vergleich zu einem Nicht-Akademiker bei seiner Bewerbung?

Angelika Woglar: Es ist meistens so, dass die Anforderungen und Ansprüche an einen Akademiker höher sind, ja. Und deswegen sollte auch die Performance ein bisschen ausgereifter sein.

Auf welche Punkte ist dabei besonders Wert zu legen?

Es wird schon davon ausgegangen, dass aussagekräftige, ordentliche Unterlagen mit einem professionellen Foto vorhanden sind. Beim Gespräch ist ein sicheres Auftreten von Vorteil, nicht zu sicher, aber auch nicht zu unsicher. Vorbereitung ist wie bei so vielen Sachen das A und O. Ein roter Faden durch die Bewerbung und gewisse Fragen vorzubereiten ist wichtig. Dabei aber die Antworten nicht auswendig lernen – das ist nicht Sinn und Zweck der Sache.

Was sollte im Bewerbungsschreiben vorhanden sein und was nicht?

Was überhaupt niemanden mehr interessiert, ist der Einleitungssatz „Hiermit bewerbe ich mich auf Ihre Stellenanzeige“. Das gehört in den Betreff ganz kurz und knackig, somit beugt man einem Schlafanfall des Personalers vor (lacht). Man kann gleich zu Beginn seine Fähigkeiten und Kompetenzen nennen. Diese sollten allerdings immer auf die Stellenanzeige abgestimmt sein. Ich erlebe es immer wieder, dass Klienten ein Anschreiben an alle möglichen Unternehmen verschicken, das immer gleich klingt. Dabei wird nicht konkret auf die Stelle eingegangen, und das ist eigentlich das Wichtige in der Bewerbung. Kurz, knackig, eine Seite reicht. Außer es wird ganz explizit nach einem Motivationsschreiben gefragt, das darf dann ruhig ausführlicher sein.

Gibt es auch im Lebenslauf Angaben, die nicht mehr gebraucht werden?

Die Volksschule muss nicht mehr angegeben werden. Viele vergessen zu erwähnen, dass sie die Matura haben. Angaben zu den Eltern müssen auch nicht mehr gemacht werden, außer es ist wirklich ganz relevant. Zum Beispiel, wenn die Eltern Rechtsanwälte sind und ich jetzt auch Anwalt werden will. Religionsbekenntnis brauchen wir im Lebenslauf auch nicht mehr. Größe und Gewicht wurden noch nie gebraucht und trotzdem sind diese Angaben manchmal zu finden.

Wie sollte der Lebenslauf aufgebaut sein?

Nach den persönlichen Daten kommt als erster Punkt die Berufserfahrung und nicht die Ausbildung. Sobald man Praxis hat, rutscht die Ausbildung nach hinten. Und ich spreche hier nicht von Praktika, sondern von wirklichen Angestelltentätigkeiten. Persönliche Interessen können genannt werden, müssen aber nicht. Ein sehr wichtiges Thema beim Lebenslauf ist das Foto, weil ich mich dabei von der Konkurrenz abheben kann – speziell bei uns in Österreich.

Sollte dabei ein spezielles Foto verwendet werden?

Niemals ein Passfoto verwenden. Generell würde ich sagen, eher klassisch. Es gibt allerdings durchaus noch viele, auch im Bereich der Akademiker, die ein Handyfoto zum Lebenslauf geben. Man sollte bzw. muss eigentlich zu einem Fotografen gehen, der verschiedene Posen ausprobiert und bei dem auch unterschiedliche Kleidung getestet werden kann.

Wie lang kann so ein Foto dann verwendet werden?

Maximal zwei Jahre. Es ist sicher eine Investition, die sich auszahlt.

Über welches Medium sollten Bewerbungsunterlagen am besten verschickt werden?

Das gängigste ist im Moment sicher E-Mail bzw. Upload über die Website. Per Post wird nur noch ganz selten versandt. Persönlich vorbeibringen, davor warne ich. Stellen Sie sich vor, Sie sind in der Personalabteilung tätig und es kommen täglich 150 Personen, die ihre Bewerbung abgeben. Die meisten wollen eine Bewerbung lieber per E-Mail, und wenn es gebraucht wird, wird es ausgedruckt. Deswegen soll auch auf die Form des Lebenslaufs geachtet und überlegt werden, wie er aussieht, wenn er nur in Schwarz-Weiß ausgedruckt wird. Bezüglich der farblichen Gestaltung gilt: Weniger ist mehr, mit Ausnahme von Bewerbungen für Kreativberufe. Niemals ein Passfoto verwenden.

Welche Fragen sollte man vor einem Bewerbungsgespräch für sich beantworten können?

Eine Aufforderung, die immer vorkommt ist: Erzählen Sie etwas über sich. Und das gilt es auch wirklich vorzubereiten. Ich habe gerade kürzlich in einem Coaching mit meinen Klienten festgestellt, dass das wirklich herausfordernd sein kann.

Welche Themen sollten dabei angesprochen werden?

Es darf durchaus etwas Persönliches dabei sein, aber nur kurz. Man sollte sich aber auf das Berufliche konzentrieren. Einsteiger können auch das Thema Studium ansprechen, je nachdem, was zum Job und zum Jobprofil passt.

Was sind noch klassische Fragen, die bei einem Bewerbungsgespräch gestellt werden?

Stärken und Schwächen und diese unterlegt mit einem Beispiel aus der Praxis oder aus dem Studium und nicht nur „runterrattern“. Wo sehen Sie sich in fünf Jahren? Dabei will man abtesten, ob der Bewerber plant, längerfristig zu bleiben. Was wissen Sie über unser Unternehmen? Es ist auch ganz wichtig, hierauf vorbereitet zu sein. Das Internet bietet dabei viele Möglichkeiten, sich einen Einblick zu verschaffen. Es ist auch kein Fehler, einmal in einen Geschäftsbericht hineinzuschauen.

Was sind häufige Fehler, die gemacht werden?

Schlechte Vorbereitung ist das Schlimmste, weil sich das Unternehmen denken könnte, dass Sie gar kein Interesse haben. Schlechtes Benehmen, nicht richtig gekleidet sein – der erste Eindruck zählt. Präsentiert man sich gut, ist der Inhalt in den ersten zehn Minuten gar nicht so wichtig. Wenn man einen guten ersten Eindruck macht, ist es sehr schwierig, diesen wieder zu zerstören. Wenn man allerdings einen schlechten Eindruck macht, ist es richtig schwierig, diesen wieder umzuwandeln. Wichtig ist, authentisch zu bleiben. Nicht in irgendeine Rolle schlüpfen und irgendetwas vorspielen, was man nicht ist. Man soll wissen, was man kann, und das auch kommunizieren. Es wäre gut, sich Feedback von anderen zu holen, zum Beispiel in Form eines Bewerbungstrainings.

Gibt es eine Art von Kleidung, die immer passt?

Kann ich so nicht sagen. Angepasst wäre am besten, man kann sich beispielsweise über die Homepage informieren. Im Zweifel gilt aber: lieber overdressed als underdressed.

Angelika Woglar ist seit 2009 Bewerbungstrainerin und Karrierecoach in Salzburg. Mehr Bewerbungstipps und Bewerbungsunterlagen-Check unter www.wtm-training.at.

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