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Raus aus dem „Hotel Mama“

Lernen, Putzen, Haushalt – alles auf einmal. Viele Studenten entscheiden sich dafür, während ihres Studiums im „Hotel Mama“ zu bleiben. Für manche Vorteile lohnt es sich aber auch, sich eigene vier Wände zu leisten.

Während seine Mutter das Abendessen vorbereitet, sitzt David am Küchentisch und büffelt für eine Prüfung. So in etwa sieht Davids Alltag aus, da der 22-Jährige bei seinen Eltern wohnt. Damit ist er nicht allein: Laut einer aktuellen Statistik von Eurostat zogen die Österreicher 2018 im Schnitt erst mit Mitte 20 aus.

Eigene Wohnung ist kaum leistbar

Dies war aber nicht immer so, wie Beat Fux, Soziologieprofessor an der Uni Salzburg, erläutert: „Seit den 60er-Jahren stellt man eine zunehmende Verjüngung beim Auszugsalter fest.“ Allerdings sei es in den 80er-Jahren zu einer Trendwende gekommen und man sei von da an wieder später ausgezogen. Dies habe laut Fux auch damit zu tun, dass sich immer mehr Studenten keine eigene Wohnung mehr leisten könnten. Diesen Trend verdeutlichen auch die Daten der Statistik Austria für Salzburg seit 1971. Demnach lebten 2016 im Bundesland 67,40 Prozent der 18- bis -24-Jährigen im „Hotel Mama“. 1971 war es nicht einmal die Hälfte.

Gerechte Aufteilung im Haushalt

Ein Grund für David, bei seinen Eltern zu wohnen, sind die hohen Mietpreise. „Wenn es in Salzburg eine billige Wohnung gäbe, dann wäre es eine Überlegung wert. Aber da ich sowieso eine Dauer-Zugkarte habe, würden mir meine Eltern keine Wohnung bezahlen“, sagt David. Als großen Vorteil sieht der Student die Arbeitserleichterung im Haushalt. Etwa beim Putzen teilen sich David und seine Eltern die Arbeit auf. Neben diesem Vorteil hat das Wohnen im „Hotel Mama“ klarerweise auch Nachteile. Dazu zählt David etwa, dass er nicht so lange mit seinen Freunden feiern kann: „Wenn ich  zum Beispiel am Abend in einem Pub sitze, dann muss ich früh gehen, da der Zug schon um halb 11 losfährt.“ Das Elternhaus wird David frühestens am Ende des Studiums verlassen, da er selbst für die Mietkosten aufkommen möchte.

Mehr Nesthocker im Süden

Trotz der Nähe ihres Elternhauses zur Hochschule wohnt die 22-jährige Studentin Klara nicht mehr dort. Zu Studienbeginn ist sie in die Wohnung ihres Freundes gezogen. „Ich wollte Verantwortung übernehmen. Außerdem hätte ich meine Mama nicht mehr ausgehalten, obwohl ich mich gut mit ihr verstehe“, sagt Klara. Größere Veränderungen hätte es für sie nicht gegeben: „Es war gar keine große Umstellung. Nur, dass man jetzt nicht nur ein Zimmer aufräumen muss, sondern die ganze Wohnung.“ Die größten Vorteile seien übrigens spontan Freunde einladen zu können, die freie Zeiteinteilung und mehr Platz. Ein Vergleich der Werte verschiedener EU-Staaten bei Eurostat zeigt, dass es im Süden mehr Nesthocker gibt als im Norden. Das ist für Beat Fux wenig erstaunlich. Im Süden sei dies häufig ökonomisch bedingt: Zogen in Schweden die Menschen 2018 bereits aus, kurz nachdem sie volljährig geworden waren, war dies bei Montenegrinern im Durchschnitt erst mit mehr als 30 Jahren der Fall.

Wer sich keine eigenen vier Wände leisten kann, aber trotzdem die Freiheit braucht, findet hier ein paar Tipps: „Alternativen zum Hotel Mama“

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