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Darf‘s ein bisserl Meer sein?

Unsere Familienfahrt nach Griechenland im Coronajahr 2020.

Erst New York, dann mit dem Mietauto durch Florida und schließlich noch 3 Wochen Wohnmobil-Reise durch Kanada. So unser Plan, bis Corona kam. Zum ersten Mal in unserer 21-jährigen Beziehung hatten meine wunderbare Frau und ich im Sommer so viel Zeit und Geld, um sieben Wochen lang durch Nordamerika zu reisen. Ein Traum. Bis er platzte. 

Meer muss einfach sein 

Noch zum Jahreswechsel haben weltweit wahrscheinlich nur eine Handvoll Menschen geahnt, was auf uns zukommen wird. Auch wir hätten nie gedacht, dass wir unsere lang geplante Reise stornieren würden müssen. Inzwischen sind wir gescheiter. New York und Florida sind im Sommer 2020 ja nicht gerade das gemütlichste Pflaster. Und Kanada? Die lassen überhaupt keine Touris rein. Rundreise, mach‘s gut! Den medialen Ermahnungen zum Trotz wollten wir aber dennoch mit unseren beiden Kindern ans Meer. Für uns einfach der beste Ort, um unsere Akkus nach einem sehr anstrengenden Jahr wieder aufzuladen. Aber wie? 

Reisen für Fortgeschrittene 

Sowohl solo als auch als Paar haben wir uns von äußerlichen „Bedrohungen“ nie so einfach abschrecken lassen. Wir waren kurz nach einem Terroranschlag während Bürgerkriegszeiten zusammen in Sri Lanka. Meine Frau war vier Wochen nach dem verheerenden Tsunami 2004 in Südost-Asien allein noch einmal dort, um zu helfen. Während politischer Proteste sind wir durch Bangkok gewandelt und haben alles gut überstanden. Lediglich das Münchner Oktoberfest macht uns reisetechnisch große Angst. Da kann Corona nicht so schlimm sein. Ganz so einfach war es trotzdem nicht.  Schließlich entschieden wir uns mit Einsetzen der ersten Lockerungen für Griechenland. 

Fliegen, Fähre oder Festland? 

Die wichtigste Frage lautete von Beginn an: Wie kommen wir dort hin? Ab Mitte Juni waren die Grenzen Großteils wieder geöffnet. Die Fahrt mit dem PKW über Ungarn, Serbien und Bulgarien wäre theoretisch möglich gewesen. Aber wollen wir das, mit zwei Kindern? In den Griechenlandforen der großen sozialen Netzwerke häuften sich die positiven Meldungen: „Sind heute über die Grenze gefahren!“ „Sind da, alles super!“ Ja, ok, warum denn nicht.  

Ein paar Tage vor unserer geplanten Abfahrt begannen die Fallzahlen europaweit wieder dezent zu steigen und die Fahrt wurde von Stunde zu Stunde unsicherer. Da zwei von drei Flügen abgesagt wurden, entschieden wir uns schließlich für die Autofähre von Ancona (Italien) nach Igoumenitsa (Griechenland). So eine Schifffahrt soll ja schließlich sehr lustig sein. Mal sehen.   

Problemloser Grenzübergang 

Am 11. Juli ging die Reise los. Die Fahrt über die A2 Richtung Arnoldstein war durchwachsen. Wenig Verkehr, viel Regen. Nach einer Grenzüberfahrt ohne jegliche Kontrollen entschieden wir uns in Padua zu übernachten und buchten online ein Zimmer im recht günstigen Hotel Casanova. Klingt zwar nach Stundenhotel, überraschte uns aber positiv. Der Raum fensterlos und dennoch bequem, mit Bad und Kühlschrank. Das Frühstück sehr in Ordnung. Am Abend spazierten wir durch das Flüchtlingsviertel, von dessen großen Drogenproblemen wir gelesen hatten. Uns wurde nichts angeboten. Wir werden alt! In der Innenstadt trafen wir auf leicht gedrückte Stimmung. Der Corona-Schock scheint immer noch tief in den Köpfen der Italiener zu sitzen. Immerhin: Die Pizza war hervorragend.  

Italien, wo bist du?  

Nächste Station Ancona. Die Hafenstadt an der Adriaküste ist ein lebendiger Ort mit etwas über 100.000 Einwohnern. Wir merkten nichts davon. Die großen Plätze waren wie ausgestorben, die meisten Geschäfte geschlossen. In Räumen überall strenge Maskenpflicht. Nur am engen Stadtstrand tummelten sich die angstbefreiten Italienerinnen und Italiener. Der Großteil über 60. Unsere Fähre der Grimaldi-Minoan Lines sollte um 19.00 Uhr starten. Die Verspätung wurde bereits in den Foren angekündigt und zuverlässig eingehalten. 6 Stunden. Immerhin konnten wir nach vier Stunden Wartezeit in unsere Vierer-Kabine. Was waren wir froh, nicht die günstigere Variante „Camping an Deck“ gebucht zu haben. Vor der Abfahrt wurde noch bei allen Passagieren Fieber gemessen. Gott sein Dank auf der Stirne! 

Warten auf den Code  

Am Anreisetag um 0.00 Uhr sollten wir den angekündigten QR-Code per E-Mail erhalten. Leider funktionierte das W-LAN an Bord nicht und so mussten wir auf Handyempfang warten, um unser Datenvolumen anzukratzen. Immerhin wurden wir an Bord sanft in den Schlaf geschaukelt. Von den 16 Stunden Fahrtzeit haben wir sicher 12 im Bett verbracht. Reisen ist anstrengend. Kurz vor der Ankunft dann das PLING! Das Mail der griechischen Regierung ist angekommen. Unsere Codes beginnen mit der Ziffer 1, laut den Forenusern ein gutes Zeichen, denn wer getestet wird, muss zwei bis drei Tage im angegebenen Hotel in Selbstquarantäne auf die Ergebnisse warten. Klang gut, kam aber anders. 

Go to the doctor! 

Das Auto endlich aus der engen Fähre manövriert standen wir kurze Zeit später in der Kontrollreihe. Menschen mit Maske, Handschuhen und Fieberthermometer gingen von Auto zu Auto und entschieden über Glück oder Quarantäne. Wir hatten Glück im Unglück. Ein Mann maß unsere Körpertemperatur, blickte ernst auf unsere Kinder auf der Rückbank und sagte: „Keep to the right. The doctor will test you all!“ 

Verdammt!  

Wir hielten uns an seine Anweisung, blieben auf der rechten Spur und standen plötzlich vor der Autobahnauffahrt. Ein Wenden war nicht mehr möglich. Der Kerl hatte uns tatsächlich in die falsche Richtung geschickt, also fuhren wir unserem Urlaub entgegen. Manchmal muss man auch mal Glück haben. Mal abwarten, wie die Rückfahrt wird.  

Info

Diese Urlaubsreise fand im Juli 2020 statt, also noch vor den neuerlichen Reisewarnungen des Folgemonats.

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