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Shoppst du noch oder schraubst du schon?

Ikea, SCS, Samstag – drei Wörter, die in Kombination Ungemach bedeuten. Meine Frau aber mag aus mir unerklärlichen Gründen genau dieses teuflische Gemisch sehr gerne. Also fahren wir regelmäßig samstags shoppen.

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Mit allem, was dazugehört, vom Stau bei der Anfahrt bis zu jenem Spielchen, das ich Auto-Tetris nenne und das mir so gar keine Spaß macht. Es geht so: Am überfüllten Parkplatz des schwedischen Möbelhauses wird die Sache dadurch verschärft, dass jedes Auto sofort stehen bleibt, sobald sich der Inhaber eines Parkplatzes auch nur seinem Fahrzeug nähert, selbst wenn er noch eine halbe Tonne an Möbel zu verladen hat, bevor er seine Parklücke frei geben kann. Dann staut es sich am Parkplatz zurück und es wird eng. Also müssen Autos wie Tetris-Blöcke aneinander vorbei geschoben werden.

Irgendwann hat man dann aber doch den eigenen Block in einer Nische platziert und der Spaß kann beginnen. In der Fundgrube werden wir tatsächlich fündig: ein Doppelbett um 70 Euro, 160 cm breit, genau wie wir es brauchen. Auf Anfrage stellt sich heraus, dass man solche komplett aufgebauten Ausstellungsstücke nicht im Markt zerlegen darf, sondern zuvor die Kassa passieren muss. Also fahren wir mit dem 2 mal 1,6 Meter-Ding am Wagerl durch die Kassa. Verrückt! Aber was tut man nicht alles für ein derartiges Schnäppchen.

Der Schlüssel zum Erfolg

Ein Ikea-Mitarbeiter gibt mir dafür einen dieser „Spielzeug-Werkzeugkoffer“, die man auch kaufen kann. Dort ist nicht viel drinnen, jedenfalls nicht der 13er Schraubenschlüssel, den ich, wie mein geschultes Auge gleich erkennt, unbedingt brauche. Dafür jedoch ein Hammer! Also verlange ich nach jenem Schlüssel und ernte Unverständnis und Ratlosigkeit: „Einen Schraubenschlüssel haben wir nicht“, meint der nette Junge, der mich anscheinend so gut kennt, dass er mich „duzt“. Ich bleibe hartnäckig, er begibt sich im Lager auf die Suche und kommt nach einiger Zeit tatsächlich mit dem gewünschten Werkzeug zurück. Hurra, ich kann loslegen! Ich zerlege also das Bett, lade die immer noch sperrigen Teile in mein Auto (auch eine Art Tetris) und mach mich aus dem Staub. 

Zu Hause lade ich alles aus und bau das ganze Ding wieder auf. Aber dann die böse Überraschung: Mein Lattenrost passt nicht dazu – er entlarvt das Bett als eines von 1,8 Meter Breite. Es war schlicht falsch beschriftet!

Keine schnelle Nummer

Was jetzt kommt, ist wenig erfreulich: Bett wieder zerlegen, ins Auto, wieder in die SCS, Auto-Tetris – wenigstens hab ich jetzt Routine. Endlich bin ich drin im Einkaufstempel, stürme zum Schalter und will gerade anfangen meine Geschichte vom falschen Bett zu erzählen, da unterbricht mich mein Freund am Schalter und stellt mir eine Frage, die ich in etwas förmlicherer Form nur von Ärzten oder Ämtern kenne: „Wo ist deine Nummer?“ „Welche Nummer?“ kontere ich schon leicht genervt. „Na die, die man sich dort vorne ziehen und dann warten muss, bis man aufgerufen wird. Was glaubst du, worauf die ganzen Leute hier warten?“ Erst jetzt bemerke ich, dass rundherum Menschen sitzen, die darauf warten, in der Causa ihres eigenen Garantie- bzw. Umtauschfalls vorsprechen zu dürfen. Ich zieh mir also eine Nummer – die 412 – und warte. Am Bildschirm erscheint gerade einmal Nummer 397. Und so warte ich. Und warte. Und warte. Irgendwann schaue ich auf den Monitor und sehe Nummer 410. Bald hab ich’s geschafft. Von wegen! Nummer 410 dürfte ein schwieriger Fall sein, denn der hält den jungen Mann am Schalter ganze 20 Minuten auf.

Ich beginne mich zu ärgern, zumal von fünf oder sechs Schaltern nur einer besetzt ist. Ich fange an, mich halblaut aufzuregen.

Noch ein Freund

Plötzlich die Stimme eines Mannes: „Hans-Jörg Bruckberger?“ In meinem Hirn rattert es: Woher kenne ich diesen Typ? Ein alter Schulkollege? Ein Angestellter „meiner“ Bankfiliale? Letzteres kann ich ausschließen, denn dort habe ich schon lange keinen Menschen mehr gesehen, dafür umso mehr Automaten. Der junge Mann erlöst mich prompt: Er kennt mich aus einer Zeitung, für die ich arbeite, wenn ich nicht gerade studiere. „Ihr Kommentarbild ist aber schon etwas älter“, sagt er. Ich erwidere: „Nein, eigentlich nicht.“ Darauf er: „Aber Sie sind jetzt doch viel grauer an den Schläfen.“ „O.k., ein, zwei Jahre mögen schon vergangen sein.“ Sehr nett, denke ich. Aber immerhin bin ich berühmt. So fühlt sich also Brad Pitt, wenn er einkaufen geht.

Wie sich herausstellt, hat der Fremde von mir verfasste Börsengeschichten und Aktienanalysen gelesen. Also spricht er über seine leider fehlgeschlagenen Spekulationsgeschäfte. „Ja, wenn’s so einfach wäre, würden wir beide jetzt nicht beim Ikea stehen“, erkläre ich. Guter Witz. Galgenhumor. Auf Wiedersehen!

Endlich bin ich dran und der Ikea-Mitarbeiter bereitet wenigstens keine Probleme beim angestrebten Umtausch. Obendrein habe ich Glück: Das gleiche Bett in den von mir benötigten Maßen gibt es auch noch als Ausstellungsstück! Das heißt freilich, dass ich auch dieses wieder zerlegen muss. Woraufhin folgender Dialog entsteht: Ich: „Ich brauche bitte einen 13er Schlüssel.“ Der „Schwede“: „So etwas haben wir nicht.“ Ich: „Oh doch, der muss dort hinten links liegen.“ Kurz darauf kommt er damit zurück und ich lege wieder los. Danach wieder alles einladen, zu Hause ausladen und aufbauen. Am Abend denke ich, dass ich eigentlich unschuldiger Weise viel Zeit investieren musste und Ikea nicht. David gegen Goliath, doch hier ist der Kleine chancenlos. Meine Frau aber sagt: „Was willst um diesen Preis?“Ich sage nur noch eines: „Gute Nacht!“

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