OBEN

So nah und doch so unterschiedlich: Wie Studierende im Osten Weihnachten feiern

Autorin: Jeanine Windbacher

Das SOFA-Magazin und TeilnehmerInnen an den Sommerkollegs der FH Burgenland stellen euch die interessantesten Bräuche vor. Vielleicht findet man einige Parallelen, aber vieles davon wird überraschen. Am besten wir begeben uns zusammen auf die Reise ins Unbekannte und schauen mal rüber in den Osten. 

Das Christkind, Kekse backen, Weihnachtsmärkte, Kinderlachen, Kerzenschein und Familienzeit: Das verbinden die Österreicher*innen mit Weihnachten. Und ganz viele wissen natürlich auch, dass andere Länder die Weihnachtsfeiertage ganz anders feiern. Santa Claus, der ja angeblich am Nordpol zu Hause ist und vorwiegend die Kinder in Amerika beschenkt, ist hierzulande schon ein so großes Phänomen, dass auch hier bereits einige Familien das Christkind gegen den guten alten Santa getauscht haben. Habt ihr euch eigentlich schon einmal gefragt, wie Studierende aus Mittel- und Osteuropa ihre Weihnachtsfeiertage verbringen?  

Kroatien und der brennende Baum  

Ivo lebt in Kroatien und studiert Geschichte und Deutsch auf Lehramt. Weihnachten ist für ihn immer eine besonders aufregende Zeit und er erinnert sich noch haargenau zurück an die Tage, als er noch ein kleiner Bub war und mit seinem Bruder Darian am Fenstersims saß und auf die ersten Schneeflocken wartete. Der kroatische Name für „Heiligabend“ lautet Badnjak und bedeutet brennender Baum. Es ist Tradition, dass das Familienoberhaupt am Weihnachtsmorgen einen Baum fällt, den Stamm nach Hause trägt und dieser über den ersten Weihnachtsfeiertag brennen soll.  

Wein auf den Weihnachtsbaum 

In Ivos Ortschaft ist es auch Brauch, dass der Baumstamm vorher noch mit Wein besprenkelt wird. Als Ivo alt genug war durfte er gemeinsam mit seinem Vater in den Wald gehen und den Baum aussuchen. Das war immer ein besonderes Highlight für den jungen Studenten. Weihnachten, auch Bozic genannt, wird am 25. und 26. Dezember gefeiert, mit traditionell kroatischen Speisen. Und obwohl Kroatien ein relativ kleines Land ist, werden die zahlreichen Bräuche in der Weihnachtszeit hochgehalten. Ansonsten feiert man dort ähnlich wie bei uns, mit Christbaum, Geschenken und der Familie. Wobei einen Unterschied gibt es doch noch: Während in Österreich das Christkind die Geschenke bringt, wird man in Kroatien einfach von der Familie beschenkt.  

Sternenmann statt Christkind in Polen

Unsere Reise geht weiter zu Wiktoria und ihrer Familie nach Polen. Die 22-Jährige studiert Humanmedizin und ist ein richtiger Weihnachtsfan. Und obwohl Polen so nah an Österreich liegt, unterscheidet sich das heilige Fest dort vollkommen von unserem. In Polen feiert man nämlich Wigilia, das auf Latein Wachen bedeutet. Für das christliche Polen ist Weihnachten das wichtigste Fest im Jahr und diese Einstellung wurde auch Wiktoria bereits in die Wiege gelegt. Als Einzelkind ist ihr der Draht zu den Familienmitgliedern besonders wichtig und darum freut sie sich immer besonders, dass zu Weihnachten die gesamte Familie von früh bis spät beisammen ist.  

Ein Fest schöner Momente 

Ein besonderer Brauch ist das Teilen von Weihnachtsoblaten. Diese teilt man sich jeweils immer mit einem Familienmitglied. „Das sind die Momente, in denen ich mich meiner Familie besonders nah gefühlt habe. Beim Teilen der Oblate wünscht man einander Glück und Segen für das nächste Jahr. Es ist einfach ein schöner Moment“, so Wiktoria über den beliebten Brauch. In Polen wird zu Weihnachten viel aufgetischt und nach dem Essen warten die Kinder auf den Sternenmann und seine Helfer, den Sternenjungen. Diese schauen ganz genau, ob die Kinder auch artig waren und bringen je nachdem auch Geschenke. In Polen sieht man in der Weihnachtszeit viele solcher verkleideten Sternenjungen auf den Straßen, die singend von Tür zu Tür laufen und die vertraute und besinnliche Stimmung verbreiten.  

Väterchen Frost und Weihnachten in Russland    

Und von den polnischen Straßen weht uns der Schneesturm weiter zu Valentin und Sophia nach Russland. Die Geschwister feiern Weihnachten ganz anders als wir es vielleicht vermuten. Denn Heiligabend findet dort am 6. Jänner statt und Weihnachten feiern sie erst am 7. Jänner. Außerdem gibt es in Russland auch keine Geschenke. Ja aber, was ist mit Väterchen Frost? In Europa hört man oft, dass dieser in Russland die Geschenke zu Weihnachten bringt – ein Irrglaube, wie Valentin und Sophia erzählen: „Also Väterchen Frost kommt bei uns nicht an Weihnachten, sondern an Silvester. An diesem Tag werden nur die Kinder von ihm beschenkt, nicht wie beispielsweise in Österreich, wo auch die Erwachsenen Geschenke bekommen.“

Geschenke nur für Kinder 

Weihnachten ist in Russland ein Fest für die Kinder. „Bei uns bekommen nur die Kinder Geschenke. Wir waren schon Wochen vorher ganz aufgeregt was Väterchen Frost uns bringen wird. Oft waren es Socken, Puppen oder Holzfiguren. Ich weiß noch genau, wie gut wir unser Spielzeug behüteten. Weihnachten wird bei uns wie gesagt ja erst am 7. Jänner gefeiert. Als Kind war das nicht so aufregend, der Tag war geprägt von langen Gottesdiensten und christlichen Liedern. Als wir aber etwas älter wurden und uns die Bedeutung von Weihnachten mit der Erscheinung des Herrn klar wurde, machten uns auch die Gottesdienste Spaß“. 

Zwei Wochen Abstand 

Vor allem das Festessen danach ist den beiden in sehr guter Erinnerung geblieben und Valentin und Sophia meinen, dass sie Weihnachten eben in zwei Tage aufgeteilt haben. Während in Österreich die christliche Messe und die Bescherung an einem Tag stattfindet, so feiert man dies in Russland mit einigen Wochen Abstand und fokussiert sich dementsprechend stark auf den jeweiligen Teil.  

Man sieht also, auch trotz der Nähe zu Österreich unterscheiden sich Kultur und Brauchtum bei anderen Studierenden im Osten oft stark. Aber auch im Sommer gibt es in Russland, Polen und Kroatien so einiges zu entdecken. Das geht mit den FH Burgenland Sommerkollegs wohl am besten: Gemeinsam mit Studierenden des jeweiligen Partnerlandes taucht ihr dabei nicht nur in die Sprache, sondern auch in die Kultur und die Bräuche des Landes ein. Günstig eine neue Sprache, Kultur, fremde Bräuche und nette Leute kennlernen? Klingt gut oder?  

Und da du ja jetzt auch schon einiges über die Weihnachtsbräuche dieser Länder weißt, kommst du mit den Studierenden in diesen Ländern bestimmt auch leicht ins Gespräch.  

Ab 50 Euro geht es dank Förderung für zwei Wochen in eines von sechs verschiedenen Ländern. Und wenn du dir dein Geld lieber als Taschengeld mitnehmen willst, lass dir ein Sommerkolleg doch einfach zu Weihnachten schenken!  

Erinnerungen an spannende Abenteuer, coole Erlebnisse und die Kenntnisse in einer fremden Sprache sind Erfahrungen, die dir keiner mehr wegnehmen kann.  

Der nächste Sommer kommt bestimmt, doch vorerst wünschen wir unseren Leser*innen ein schönes Weihnachtsfest – egal wann ihr feiert und wie! 

4
Minuten Lesedauer

Kommentar posten