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Spitzensportler büffeln für die Karriere danach

Wieso sich österreichische Hochleistungssportler für eine duale Karriere aus Sport und Weiterbildung entscheiden. Und wie der Verein KADA Athleten wie Jörg Siebenhandl bei einem Studium unterstützt.

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"Fußball ist ein sehr unsicheres Geschäft. Daher war es mir sehr wichtig, mit dem Studium ein zweites Standbein aufzubauen."

Jörg Siebenhandl hat erreicht, wovon viele Nachwuchsfußballer träumen: Im März 2018 debütierte der gebürtige Wiener im Tor der österreichischen Nationalmannschaft – nur zwei Monate später gewann er mit dem SK Sturm Graz den ÖFB-Cup. Doch auch abseits des Grünen Rasens lief es für den 28-Jährigen zuletzt nach Wunsch. Denn im Jänner 2016 schloss er das Bachelorstudium Wirtschafts- und Sozialwissenschaften an der WU Wien erfolgreich ab. Aber wieso entscheidet sich ein erfolgreicher Profisportler dafür, eine duale Karriere einzuschlagen? „Fußball ist ein sehr unsicheres Geschäft. Es kann passieren, dass man nach Vertragsende keinen neuen Verein findet oder eine schwere Verletzung zum Karriereende führt. Daher war es mir sehr wichtig, mit dem Studium ein zweites Standbein aufzubauen“, sagt Siebenhandl im Gespräch mit dem „Uni-Magazin“.

Dennoch hat Siebenhandl das Privileg, dass im Profifußball im Regelfall weitaus höhere Geldsummen umgesetzt werden können als in vielen anderen Sportarten. So verdienen nur die wenigsten Profisportler während ihrer aktiven Karriere genug, um ihren Lebensunterhalt noch Jahre später – geschweige denn bis an ihr Lebensende – finanzieren zu können. Laut einer Schätzung des Vereins KADA, der Sportlern beim Übergang in das Leben danach hilft, haben nur zwei Prozent der Hochleistungssportler in Österreich nach der Sportlerkarriere finanziell ausgesorgt.

Auch am Arbeitsmarkt haben es ehemalige Spitzensportler schwer. Dies liegt größtenteils daran, dass lediglich 57 Prozent der Hochleistungssportler in Österreich am Ende ihrer sportlichen Karriere eine abgeschlossene Berufsausbildung haben. Das geht aus einer repräsentativen KADA Evaluation aus dem Jahr 2014 hervor. Aus diesem Grund gehen immer mehr Profisportler den Weg einer dualen Karriere. Doch wie kann bei täglichem Training der komplizierte Spagat zwischen sportlicher und beruflicher Karriere gemeistert werden?

"KADA und sein SLS-Programm haben unterstützt. Daher war es kein Problem, dass ich Seminare nicht in der Häufigkeit besuchen konnte, die eigentlich von Nöten gewesen wäre",

KADA widmet sich vorrangig der Lösung dieses Problems. Der Verein wurde 2010 gegründet und wird vom Sportministerium und dem AMS gefördert. Er setzt sich selbst zum Ziel, möglichst vielen Hochleistungssportlern eine Zukunftsperspektive zu bieten. Diese hat nicht nur materiellen Charakter, sondern zielt auch darauf ab, dass ein Athlet nach dem Ende der sportlichen Laufbahn einer für ihn erfüllenden Beschäftigung nachgehen sollte. Die sogenannten „KADAthleten“ erhalten eine kostenlose Beratung in den Bereichen der Laufbahnentwicklung und beruflicher Integration.

Jörg Siebenhandl wurde in den Jahren 2014 bis 2016 von KADA unterstützt und war dabei Teil des seit 2011 existierenden Studienförderprogramms SLS (Schule Leistung-Sport). Es soll Spitzensportler dabei unterstützen, einen höheren Bildungsgrad zu erlangen. Den Sportlern soll ein Studium aber nicht erleichtert, sondern etwaige Nachteile ausgeglichen werden. „KADA und sein SLS Programm haben mich vor allem bei der Steuerung der Kurse und der Absprache mit den Vortragenden unterstützt. Daher war es kein Problem, dass ich Seminare nicht in der Häufigkeit besuchen konnte, die eigentlich von Nöten gewesen wäre“, erläutert Siebenhandl. So konnte er das Bachelorstudium Wirtschafts- und Sozialwissenschaften nach zwölf Semestern 2016 erfolgreich abschließen.

Derzeit sind etwa 200 österreichische Athleten Teil des SLS-Programms – Tendenz steigend. Die nötigen Rahmenbedingungen für ein funktionierendes Studienförderprogramm werden durch Kooperationen mit österreichischen Universitäten und Fachhochschulen geschaffen. Mit der Northumbria University of Newcastle ist auch eine ausländische Universität informell Teil des SLS Programms.

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