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Vom Petersplatz direkt in Corona-Quarantäne

65 Österreicherinnen und Österreicher wurden mit einem Sonderflug aus Italien nach Hause geholt. Wir haben mit zwei Rom-Rückkehrern gesprochen.

„Diese Reise werden wir sicher nie vergessen“, erzählt Marion M. zwei Tage nach ihrer ungewöhnlichen Rückreise aus Rom. Ein unvergesslicher Kurztrip mit ihrem Verlobten sollte es werden und das ist wahrhaft gelungen. Geplant war das allerdings anders. Ganz anders. Forum Romanum, Kolosseum, Petersdom und das weltbekannte italienische Lebensgefühl – die italienische Hauptstadt war für Marion und Dieter schon lange ein Sehnsuchtsziel. Nie hätten sie gedacht, dass sie so froh sein würden, wieder in den eigenen vier Wänden zu sein – in selbstgewählter Quarantäne, wohlgemerkt.

Am Abflugtag, dem 8. März, war auf der Webseite des österreichischen Außenministeriums noch nichts von einer Reisewarnung zu lesen. „Es gab zwar eine Reiseempfehlung für Italien“, so die Wienerin, „wir haben uns aber entschieden, dennoch zu fahren.“ Sie haben die Situation schlichtweg falsch eingeschätzt. „Mit dem heutigen Wissen würden wir uns anders entscheiden.“ Ja, später weiß man immer mehr.

Erste Skepsis dann in Rom. Nur wenige Menschen waren auf den Straßen anzutreffen und wenn, dann trugen sie Masken oder Uniformen. Die beliebten Tourismus-Hotspots der Stadt am Po waren leergefegt.

„Es war wie in einem Science-Fiction-Film und nicht gerade sehr beruhigend.“

erinnert sich die leidenschaftliche Städteurlauberin. An diesem Montag hatten die Geschäfte und Restaurants großteils noch offen. Am Dienstag ging gar nichts mehr.

Der Flug mit Lauda Motion zurück nach Wien war für Mittwochabend geplant, dem Tag, an dem in Österreich eine weltweite Reisewarnung der Stufe 4 ausgegeben wurde. Am Morgen desselben Tages wurde auch dieser abgesagt. Die beiden Wiener waren in Rom gestrandet, und die ersten Versuche, eine Heimreise mit dem Zug zu organisieren, scheiterten. „Wir wurden von der italienischen Polizei registriert und hätten fast unsere Unterkunft verlassen müssen“, berichtet Marion M. „Wir haben uns dann recht rasch dazu entschieden, die österreichische Botschaft anzurufen.“ Eine gute Entscheidung.

Bereits einen Tag später dann die ersehnte Information: Für Freitag wurde vom österreichischen Außenministerium ein Hilfsflug organisiert. Das war jener Tag, an dem die Bundesregierung die für ganz Österreich geplanten Maßnahmen bekannt gab. Maßnahmen, die in Italien schon ein paar Tage vorher beschlossen worden waren. „Es war uns nicht möglich, per Bus und Bahn pünktlich zum Flughafen zu gelangen“, schildert die Wienerin,

„Rom war wie eine Geisterstadt.“

Zum Glück waren immer noch einige Taxis unterwegs. Am Flughafen dann die nächste Überraschung: Die österreichischen Italien-Urlauber wurden von Soldaten des heimischen Jagdkommandos in Empfang genommen. Bei allen 52 Passagieren wurde Fieber gemessen – mit zu hoher Temperatur wurde niemand an Bord gelassen. Die Schutzmasken aufgesetzt sollte es nach einem Zwischenstopp in Venedig, wo weitere Rückkehrer zustiegen, direkt in die Heimat zurückgehen. Die Maskenpflicht wurde während des ganzen Fluges nicht aufgehoben. Der Sonderflug wurde von vier Besatzungsmitgliedern und je zwei Mitarbeitern des Innen- sowie des Außenministeriums begleitet – darunter auch der Ehemann von SPÖ-Chefin Pamela Rendi Wagner.

Die Landung in Wien verlief dann allerdings etwas chaotisch. Es fehlten Formulare und es war nicht ganz klar, wer wie nach Hause gebracht werden sollte. „Es war ersichtlich, dass die Situation für alle Beteiligten neu war. Wir waren in erster Linie froh, wieder in Schwechat angekommen zu sein“, so Marion M. „Alle 65 Passagiere wirkten sehr erleichtert.“ Schließlich wurden die Rückkehrer mit kurzfristig organisierten Sightseeing-Bussen und Polizeieskorte nach Hause gebracht. Wie viel die Italien- Urlauber für die Rückholaktion bezahlen müssen, steht noch nicht fest. Das Wichtigste ist: Sie sind wieder im Land.

„Als wir die Wohnungstür aufgesperrt haben, ist die ganze Anspannung von uns abgefallen.“

erzählt die Heimkehrerin abschließend. „Wir sind froh, zurückgeholt worden zu sein, waren aber ganz überrascht, wie viele Menschen in Wien trotz klarer Empfehlungen noch immer auf den Straßen und in den Geschäften unterwegs sind. Die Italiener waren da viel disziplinierter.“ Marion und Dieter werden sich künftig jedenfalls an etwaige Empfehlungen halten, vor allem nach diesem unvergesslichen Urlaub.

© Marion M.
© Marion M.

Marion und Dieter sind froh, wieder in Österreich zu sein.

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