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Drucker, Aufzugspiegel und ein Paternoster

Thomas Wedell-Wedellsborg hat gerne ein Problem. Am liebsten sogar mehrere. Schließlich ist es eine seiner Kernkompetenzen als Autor und Vortragender Tipps darüber zu geben, wie man mit Herausforderungen am besten umgehen sollte.

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Wer ein Problem hat weiß noch lange nicht, was für ein Problem er hat. Dies ist sinngemäß die Kernaussage, auf die ein Vortrag des Harvard Business Review-Autors Thomas Wedell-Wedellsborg aufbaute. Der geborene Däne, der in New York lebt, zitiert gern Peter Drucker, der einst sagte: „The most serious mistakes are not being made as a result of wrong answers.The true dangerous thing is asking the wrong question.“ Zu Ehren des legendären amerikanischen Ökonoms österreichischer Herkunft findet das jährlich abgehaltene Global Peter Drucker Forum in Wien statt. Und genau hier hat Wedell-Wedellsborg seine, auf Druckers Weisheit aufbauenden Ausführungen zum Ausdruck gebracht. Fast möchte man sagen zum Aufzug gebracht.

Der falsche Rahmen

Denn ausgerechnet im Haus der Industrie am Wiener Schwarzenbergplatz, jenem Gebäude, in dem 1911 der ursprünglich erste Paternosteraufzug in Österreich installiert wurde und der vor allem heute noch in Betrieb ist, hat Wedell-Wedellsborg nämlich über Aufzüge referiert. „Stellen sie sich vor, sie sind der Besitzer eines Bürogebäudes und die Mieter beschweren sich darüber, dass der Aufzug zu langsam ist und drohen damit, auszuziehen, sollte das nicht verbessert werden“, so Wedell-Wedellsborg. Das Naheliegende sei, den Aufzug einfach schneller zu machen, etwa durch den Einbau eines stärkeren Motors. Allein, das muss nicht zwingend die richtige Lösung sein. Denn: Die aufgebrachten Mieter haben das Problem bereits vorab „geframt“, also in einem Bezugsrahmen dargestellt, der nicht richtig sein muss.

Ein neuer Blickwinkel

Was, wenn der Lift gar nicht langsam ist, sondern das Problem ein psychologisches ist. Dann würde es beispielsweise reichen, einfach einen Spiegel im Aufzug zu montieren. Damit wären die Fahrgäste abgelenkt und die Zeit im Aufzug würde schneller vergehen. Mit diesem Beispiel will Wedell-Wedellsborg veranschaulichen, wie wichtig es ist, verschiedene Standpunkte einzunehmen und sich zunächst über das Problem selbst Gedanken zu machen. Und eben nicht gleich zu handeln und eine womöglich falsche Lösung zu finden.

85 Prozent der Unternehmen sind nicht gut darin, sie geben heute noch an, dass sie glauben, vor allem Probleme lösen zu müssen“, sagt der Experte, selbst Autor von Büchern wie „What’s Your Problem?“ und „Innovation as Usual“. Ganz selten nur handle es sich um ein einziges Problem, meistens sei man mit mehreren Problemen zu ein und derselben Sache konfrontiert. Und sehr oft stecke eine soziale Komponente dahinter, so Wedell-Wedellsborg. Das gelte für Probleme aller Art, auch solcher im privaten Umfeld. Im Übrigen seien Probleme in verschiedenen Branchen oft sehr ähnlich gelagert.

Die soziale Komponente

Ehe man versucht, ein potenzielles Problem zu lösen, müsse man alles hinterfragen, die vermeintlich eindeutige Diagnose ebenso wie auch sich selbst. Und auch die Ziele. Hier gelte es zu fragen: Was wäre wirklich ein Erfolg? Wichtig sei der Blick von außen, eine Diskussion mit anderen Menschen, die neue Impulse setzen und unterschiedliche Sichtweisen einbringen. Das Lift-Problem könnte zum Beispiel noch andere Facetten haben. „Vielleicht haben alle Mitarbeiter im Gebäude zur gleichen Zeit Mittagspause und es kommt deshalb zu Wartezeiten beim Aufzug.“ In diesem Fall wären unterschiedliche Essenszeiten die Lösung des Problems und nicht ein neuer Motor.

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