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Wenn Mama und Papa im Hörsaal büffeln

Vereinbarkeit von Job, Familie und Uni-Alltag: Ein Studium mit Kind erfordert gutes Zeitmanagement. Wie sich Studium und Kindererziehung unter einen Hut bringen lassen.

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Viele studierende Eltern kennen die Situation: Morgens früh aus dem Bett, Frühstück zubereiten, das Kind zur Betreuung bringen. Zuvor noch schnell in die Bibliothek und dann ab in den Hörsaal. „Der Studienalltag kann manchmal ziemlich chaotisch sein“, sagt auch Eva B. Die 35-Jährige absolviert derzeit ein Masterstudium am Fachbereich Kommunikationswissenschaft an der Universität Salzburg. Während Eva Lehrveranstaltungen besucht oder ihrem Bürojob nachgeht, wird die zweijährige Tochter Maria in der Krabbelgruppe eines privaten Kindergartens betreut. Gebüffelt wird nach Feierabend und wenn die Kleine schläft.

Gemäß der aktuellen Studierenden-Sozialerhebung (2015) des Instituts für Höhere Studien (IHS) haben zehn Prozent der Studierenden in Österreich ein oder mehrere Kinder, wobei Mütter und Väter anteilsmäßig beinahe gleich häufig vertreten sind. Ein Großteil der studierenden Eltern ist auf Kinderbetreuungsplätze angewiesen, die im Idealfall auf ihre Bedürfnisse abgestimmt sind. Besonders in den größeren Städten wie Wien, Graz oder Innsbruck gibt es ein breites Angebot an Betreuungsmöglichkeiten an Universitäten und Hochschulen.

In Salzburg bietet etwa der „Verein Uni Krabbelstube Freisaal“ eine Betreuung für Ein- bis Dreijährige. Die Gebühr ist je nach Einkommen sozial gestaffelt. Derzeit werden dort 16 Kinder von Studierenden und Bediensteten an der Universität Salzburg betreut. Für die pädagogische Leiterin Martina Zweimüller sind diese Plätze nicht ausreichend, denn der Andrang ist groß. „Der Ausbau weiterer Krabbelstuben wäre deshalb notwendig“, betont die Pädagogin.

"Ein ,Kinderverbot' an der Uni Salzburg gibt es jedenfalls nicht."

Eine Lehrveranstaltung mit Kind zu besuchen verstößt zwar grundsätzlich nicht gegen die Hausordnung der Universität Salzburg, sollte aber in jedem Fall mit dem Professor abgesprochen werden. „Ein ,Kinderverbot‘ an der Uni Salzburg gibt es jedenfalls nicht, sofern Erziehungsberechtigte oder Begleitpersonen dabei sind“, beschreibt Vizerektor Rudolf Feik. An den österreichischen Hochschulen gibt es unterschiedliche Regelungen.

Was aber tun, wenn Betreuungsplätze knapp sind und die Oma nicht greifbar ist? An dieser Stelle wird von Experten auf die Broschüre „Studieren mit Kind“ der Österreichischen HochschülerInnenschaft (ÖH) verwiesen, die einen umfassenden Überblick über Kinderbetreuungseinrichtungen an den Hochschulen sowie Beihilfen und Förderungen gibt (siehe Info-Kästen). Nach Ansicht der ÖH-Bundesvertretung gibt es demnach keinen Grund, sich entmutigen zu lassen, an die Hochschule zu gehen oder das Studium fortzusetzen.

Eva befindet sich in der glücklichen Lage, die nötige Unterstützung durch ihren Lebenspartner zu bekommen. Dadurch lässt sich der Uni-Alltag leichter bewältigen. „Allerdings wäre ein besseres Angebot an E-Learning-Modellen und virtuellen Kursen wünschenswert, das ein flexibleres Studieren von zu Hause aus ermöglicht“, betont Eva. Die besten Voraussetzungen für ein erfolgreiches Studium mit Kind sind ein gutes Zeitmanagement, Selbstorganisation und eine Portion Durchhaltevermögen, ist die angehende Kommunikationswissenschafterin überzeugt – damit der Weg zum Traumberuf nicht zum Albtraum wird.

Info: Förderungen und Beihilfen

  • Wenn Studienbeihilfe bezogen wird, kann bei Geburt eines Kindes ein Erhöhungsantrag gestellt werden.
  • Zuschüsse wie Wohnbeihilfe oder Schulstartgeld sind je nach Bundesland unterschiedlich.
  • Wird die vorgesehene Studienzeit um mehr als zwei Semester überschritten, sind Studierende mit Kind weiterhin von der Bezahlung von Studiengebühren befreit.
  • Wenn berufstätig Studierende mit Kindern an ihren Abschlussarbeiten schreiben oder nur mehr wenige Prüfungen abzulegen haben, können diese beim Europäischen Sozialfonds (ESF) ein Abschlussstipendium beantragen.
  • Mithilfe des Sozialfonds der ÖH werden Studierende mit Kind in finanzieller Notlage unterstützt. Sie erhalten einen Zuschuss zu den Kosten für die Betreuung ihrer Kinder (Kindergarten, Babysitter etc.) oder zu Mehrbelastungen durch Arzt-/Therapiekosten.

Weitere Informationen unter: oeh.ac.at/downloads/studieren-mit-kind

Möglichkeiten der Kinderbetreuung

  • Studentische Krabbelstuben und Kindergärten, in denen die Mitarbeit und Mitbestimmung der studierenden Eltern vorausgesetzt wird.
  • Privatkindergärten mit speziellen Pädagogik-Konzepten.
  • Unterbringung bei Tagesmüttern und -vätern.
  • Betreuung der Sprösslinge durch Leihomas und -opas, Au-Pairs oder Babysitter.

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