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Wenn nichts mehr geht

A rbeiten oder studieren? Lukas hat sich für den harten Weg entschieden. Er macht beides. Neben Freunde treffen, Fußball und Hausarbeit, lernt er die Nächte durch und hetzt von Meeting zu Meeting. Doch was passiert, wenn nichts mehr geht?

Lukas (24) ist ein leidenschaftlicher Boulderer und Fußballspieler. Diese Woche hat er für beides keine Zeit. Denn neben Terminen im Büro und der Prüfung am Freitag bleibt wenig Platz für anderes. So wird auch aus dem wöchentlichen Bier mit seinem besten Kumpel ein Energydrink in der Bibliothek. Obendrein feiert seine Oma am Wochenende ihren 80. Geburtstag. So sieht eine normale Woche von Lukas – einem berufsbegleitenden Studenten – aus.

Neben all diesen Ereignissen kämpft er mit hohem Leistungsdruck. Denn ,,nur durchkommen” ist für Lukas keine Option. Schon seit der Schule ist Lukas ein Einserschüler. Nun will er dieses Niveau halten, obwohl die Anforderungen an Hochschulen viel höher sind. Auch von den Eltern wird Druck gemacht. Lukas ist ausgebrannt. Er kämpft mit Schlaflosigkeit, Erschöpfung und Versagensängsten – und damit ist er nicht allein.

Symptome werden oft ignoriert

Für Gottfried Großbointner, klinischer Psychologe  in der Psychologischen Beratungsstelle für Studierende in Wien, ist dies ein bekanntes Thema. Viele Studierende suchen bei ihm Hilfe. Diese Studenten plagen sich – genauso wie Lukas – mit Lustlosigkeit, Gefühlsschwankungen und Angstzuständen. Das führt meist zu Interessensverlust beim Studium, aber auch privat zu sozialem Rückzug.

Oft werden erste Anzeichen, wie beispielsweise psychosomatische Störungen, nicht ernst genommen. Magenbeschwerden, Verspannungen und Schlaflosigkeit werden  nur als vorübergehende Probleme gesehen. Die tatsächliche Ursache bleibt unbekannt.

Fehlende Wertschätzung als Ursache

Den Grund für den selbsterzeugten Leistungsdruck sieht Großbointner zum einen in einer Veranlagung der Betroffenen und zum anderen als eine Art von Vorbelastung, die oftmals auf spezielle Umstände des Aufwachsen zurückzuführen sind. Geringe Wertschätzung und Unterstützung sind  meist die Ursache. So ist es auch bei Lukas: Er will im Studium den hohen Ansprüchen seiner Eltern gerecht werden.

Großbointner empfiehlt bei der Erkennung der oben genannten Symptome, eine Beratungsstelle aufzusuchen. Als Betroffener sollte man nicht zu lange warten. Im Vorfeld sei es empfehlenswert, sich mit der Lage und mit sich selbst auseinanderzusetzen. Der Betroffene solle sich über den Zustand der Überforderung bewusst sein, erklärt Großbointner. Gemeinsam mit der Beratungsstelle können dann die inneren Antriebe erkannt werden. Grundsätzlich gilt: ,,Man muss bereit sein, darüber zu reden!”

Weiter Information und Hilfe gibt es unter: www.studentenberatung.at
und bei den Anlaufstellen in Graz, Innsbruck, Klagenfurt, Linz, Salzburg und Wien.

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