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Wenn schon pauken, dann aber richtig

Das neue Semester hat begonnen. Lukas (19) wirft einen Blick auf die Power-Point-Präsentation seines Vortragenden. Viele Gedanken gehen ihm durch den Kopf. Hätte er sich die Folien ausdrucken sollen? Sollte er lieber mitschreiben oder den Vortrag nur auf sich wirken lassen? Wie soll er alle Informationen in seinem Kopf behalten, geschweige denn wiedergeben können?

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Minuten Lesedauer

Gertraud Meusburger, Leiterin der psychologischen Studierendenberatung in Salzburg, weiß die Antwort. Wie Studierende Lerninhalte aufnehmen, hängt von der Lernmotivation, der Konzentration und von effizienten Lerntechniken ab.  Für das Optimieren der Wissensaufnahme kann es hilfreich sein, dass man weiß, welcher Lerntyp man ist und über welche bevorzugten Sinneskanäle man neues Wissen aufnimmt. Laut Meusburger kann man in Anlehnung an Frederic Vester von vier klassischen Lerntypen sprechen. Auf diesen Lerntypen basiert auch ein Lerntypentest von Vester.

Die Lerntypen

Der visuelle Typ kann Informationen gut mit Bildern oder Filmen aufnehmen und sich an Details erinnern. Er merkt sich Lerninhalte besser durch Notizen, Skizzen oder Mind Maps. Auch die Markierung wichtiger Informationen hilft ihm das Gelernte zu verinnerlichen.

Der auditive Typ nimmt Lerninhalte vor allem über den Hörsinn auf. Wesentliche Merkmale sind für ihn das laute Lesen und das gute Zuhören (z.B.: Lern-CDs).

Der haptische oder auch motorische Typ ist ein Mensch der Tat. Er bewegt sich gerne, probiert, präsentiert und  handelt. Ideal sind für ihn Lernmaterialien zum Anfassen und praktische Lernerfahrungen im Labor oder im Modellbau. Besonders hilfreich kann für ihn sein, Memory-Karten zu verwenden.

Der kommunikative Typ merkt sich seinen Lernstoff am besten durch ein Gespräch mit anderen. Über den Austausch in Lerngruppen oder Diskussionsrunden wird ihm vieles klarer und verständlicher.

Kombination wird empfohlen

Laut dem Beratungslehrer und Psychotherapeuten Kurt Prade gibt es jedoch nicht nur den einen Lerntypen. Jeder Mensch nimmt die Informationen mit allen vier Lernkanälen wahr. „Nur die Ausprägungen der Sinnesorgane sind unterschiedlich. Aber die Erforschung des Lerntyps gibt eine erste Hilfestellung und Anregung, um das Lernverhalten zu verbessern. Wichtig ist es, alle Sinnesorgane beim Lernen zu kombinieren“, erklärt Prade

Informationen werden bei ausschließlichem Hören nur zu 20 Prozent aufgenommen. Bei ausschließlichem Sehen nur zu 30 Prozent. Schon die Kombination von Sehen und Hören erhöht die Informationsaufnahme auf 50 Prozent. Durch Sehen, Hören und Diskutieren gibt es eine Steigerung auf 70 Prozent. Eine Kombination von Sehen, Hören, Diskutieren und  Selbstmachen optimiert die Verinnerlichung auf 90 Prozent.

Sowohl Meusburger als auch Prade betonen, dass auch die Rahmenbedingungen stimmen müssen. Ein störungsfreier Arbeitsplatz, ein guter Lehrplan, regelmäßige Arbeitszeiten mit Lernpausen und körperliche Aktivitäten tragen zur Konzentration bei.

Anregungen zum Thema „Erfolgreiches Lernen“ findet man auf der Homepage der Psychologischen Studierendenberatung (www.studierendenberatung.at). Bei Lernstörungen oder Prüfungsängsten kann man sich bei der Studierendenberatung Hilfe holen. Dort werden Einzelcoachings und Gruppen zur Verbesserung der Lernkompetenz und Prüfungsbewältigung angeboten.

Allein aber das Erkennen der individuellen Zugangswege zum Wissenserwerb, ein kreatives Erarbeiten des Lernstoffes und ein leichteres Merken der Lerninhalte über die individuellen Sinneskanäle kann dem Studium mehr Genuss und Freude abringen. Es erhöht die persönliche Motivation und bringt schließlich auch den erhofften Erfolg.

comments (1)

  • Andres Matheis

    Es gibt leider keine empirische Bestätigung der Lerntyptheorie. Wie in dem Artikel richtig erwähnt ist eine kombination verschiedener Sinneskanäle hilfreich, wobei das wenig mit den Lerntypen zu tun hat.

    Für weitere Informationen empfehle ich „Learning Styles: Concepts and Evidence“ von Pashler, McDaniel, Rohrer & Bjork (2009) https://doi.org/10.1111/j.1539-6053.2009.01038.x

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