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Wie hältst du es mit der Hochkultur?

Das Wochenende steht an, alle Arbeiten sind erledigt und Andreas (22) plant einen unterhaltsamen Abend. Das heißt entweder Netflix schauen, ein Pop-Konzert besuchen oder feiern gehen. Hochkultur lässt er dabei außen vor – so jedenfalls das Klischee.

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Doch das Vorurteil ist auch in Zahlen belegbar: Laut einer Jugendstudie vom Wiener Trendforschungsinstitut tfactory verbringen junge Menschen eher selten den freien Abend im Theater, Museum oder Ballett. Ganze 95 Prozent gaben 2012 sogar an, noch nie eine Opernaufführung besucht zu haben. Kulturinstitutionen arbeiten allerdings daran, auch das jüngere Publikum anzuziehen. Im Kulturentwicklungsplan des Landes Salzburg ist das sogar bereits Zielschwerpunkt.

Dresscode schreckt ab

Andreas Haslauer, Mathematikstudent in München, geht sehr gerne zu Kulturveranstaltungen. „Für mehrere Stunden sich einer Sache hingeben und sonst nichts tun zu müssen. Kein Handy, keine Werbung, keine Uni. Zu Hause funktioniert das nur selten“, sagt er. Nichtsdestotrotz versteht er aber, dass die Szene für  Studierende einschüchternd sein kann. Bei Hochkultur-Events störe ihn eine bestimmte Publikumsgruppe, die sich wegen ihres Hobbys automatisch anderen überlegen fühle.

Andreas fügt hinzu, dass ihn der Dresscode solcher Veranstaltungen zu Anfang abgeschreckt hätte. „Mit der Zeit gewöhnt man sich daran, einen gewissen Kleidungsstiel zu pflegen. Jedoch würde die Angst und das elitäre Vorurteil von Hochkulturevents genommen werden, wenn auch ein Schritt von den Veranstaltern auf die gemacht werden würde, denen das nicht durch das Elternhaus näher gebracht wird.“

Thomas Randisek, Geschäftsführer des Dachverbands Salzburger Kulturstätten, hält diese Kritik für unbegründet. „Da muss ich schon sagen: auch selbst Schuld, wenn man solche Hemmschwellen hat.“ Die Kulturinstitutionen seien alle so niederschwellig, dass es eher an den Studierenden läge, sich hinzuwagen. Und dass der Dresscode zu streng sei, wäre nur ein „übles Gerücht“. Jedem sei freigestellt, Hochkulturveranstaltungen in legerer Kleidung zu besuchen.

„Theater gehört meiner Meinung nach zur Allgemeinbildung.“

Auch Sarah Eisenlohr, Studentin der Kommunikationswissenschaft in Salzburg, geht öfters zu Kulturveranstaltungen. „Gerade das Theater gehört meiner Meinung nach zur Allgemeinbildung“. Schwachpunkte hätten diese Events trotzdem. Laut Sarah sind solche Veranstaltungen oft für Studierende zu teuer. Außerdem gebe es an Universitäten zu wenig Werbung für Hochkultur-Events.

Spezielle Angebote für Studierende

Randisek stimmt zu, dass bei der Kommunikation von Kulturprogrammen noch Verbesserungspotenzial besteht. Er fügt allerdings an, dass hohe Preise kein Problem seien. Es gebe genügend Angebote für Studierende, sodass es für jeden leistbar sei. Tatsächlich bieten viele Kulturinstitutionen Ermäßigungen für Studierende, speziell auch Studenten-Mittwoche an. Damit kann ein Besuch der Wiener Staatsoper oder des Landestheaters Salzburg auch schon weniger als zehn Euro kosten.

Auf die Frage hin, ob sich Kultureinrichtungen an Studierende anpassen müssten, antwortet Randisek verneinend. „Also ich glaube, von Seiten der Kulturstätten gibt es da wenig, was man machen kann.“ Im Endeffekt müssten junge Menschen die Initiative ergreifen und einfach zu einer der vielen verschiedenen Kulturveranstaltungen gehen.

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