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Von Zoom, WebEx und Co. – Wie Hochschullektoren die Coronazeit erleben

Schnell noch einen Kaffee machen, den Schreibtisch einrichten und die verschiedensten Online-Tools zur Verwendung bereithalten  für die allermeisten Studierenden spielt sich ihr Studentenleben seit einigen Wochen in den eigenen vier Wänden ab. Es ist für viele eine ungewöhnliche Situation, ausschließlich übers Internet in Kontakt zu treten. Dabei ist es nicht nur für Studierende zum Teil eine große Umstellung – auch manche Lehrende sehen sich mit der Fernlehre vor ganz neue Herausforderungen gestellt. 

Als „spannend, herausfordernd, aber überraschend gut“ werden die Erfahrungen mit der neuen Fernlehre mehrheitlich beschrieben. An der Fachhochschule Burgenland beispielsweise wurde auch bisher schon vielfach auf Online-Lehre gesetzt. Für Michael Zeiller, Studiengangsleiter des Bachelorstudiengangs Information, Medien & Kommunikation, ist die 100-prozentige Fernlehre doch eine ganz andere Herausforderung. Trotzdem zeigt er sich positiv überrascht: „Die Studierenden sind super motiviert, diszipliniert und engagiert. Leider geht aber viel an Interaktion verloren, auch das Persönliche fehlt.“ Mit einigen Tricks und Schmähs weiß man sich hier allerdings weiterzuhelfen.

Interaktion ist auch für Thomas Herdin von der Uni Salzburg das Um und Auf. Der Abteilungsleiter für Transkulturelle Kommunikation setzt auf Gruppenarbeiten und gezielte Interaktion: „Es ist wichtig, auch in der ‚face to screen‘Kommunikation eine Beziehung aufzubauen und die Studierenden direkt anzusprechen. Wenn sich die Studierenden nicht involviert sehen, macht es keinen Spaß. Daher stelle ich konkrete Fragen und setze auf Online-Präsenz in Tools wie WebEx oder Zoom.“  

WebEx wird auch an der FH Burgenland verwendet. „Ich nutze häufig die Funktion des Trainingscenters. Per Link können sich die Studierenden hier in Gruppen zusammenfinden und ihre Projekte diskutieren. Das macht die Gruppenarbeiten einfacher,“ erklärt Michael Zeiller. „Wenn ich dann in den Online-Raum hinzukomme, sind einige Studierende überrascht, wenn plötzlich der Lektor zuhört. Dann verebben intensive Diskussionen auch manchmal, einige müssen dabei lachen“, schmunzelt der Lehrgangsleiter.  

An der Fachhochschule St. Pölten wird eine breite Palette an Online-Tools verwendet, um die Hochschullehre online fortzusetzen. „Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase seitens der Lehrenden hat das Ganze sehr gut funktioniert“, erzählt Harald Wimmer, Leiter der Masterstudiengänge Digital Media Management und Digital Marketing & Kommunikation. Studierende wie Lehrende würden sich gut zurechtfinden und die Online-Meetings fast schon als selbstverständlich betrachten.

„Wir verwenden ganz bewusst unterschiedliche Tools wie Skype, Zoom, Google Meetings oder WebEx, um in der Praxis zu lernen. Auch im Arbeitsalltag kommen die verschiedensten Tools zum Einsatz.“

Die Learnings während der Fernlehrezeit sollen an der FH St. Pölten auch in Zukunft in den Unterricht einfließen. „Wir werden definitiv auf die Erfahrungen, die wir jetzt mit der Online-Lehre machen, auch später zurückgreifen. Einige Teile der Lehre funktionieren online sehr gut und wir werden sie möglicherweise auch dort beibehalten, wo zuvor Präsenzunterricht war“, so Wimmer.  

Auch an der Uni Salzburg plant man, sich positive Aspekte der Fernlehre für die Zukunft mitzunehmen. „Gerade im universitären Bereich ist der direkte Austausch und die Diskussion notwendig. Ich sehe die aktuelle Krise aber als Chance, viel über Online-Kommunikation zu lernen und als Bonus für das spätere Berufsleben mitzunehmen. Für mich ersetzt aber nichts das persönliche Treffen“, meint Thomas Herdin. Ebenso für Michael Zeiller von der FH Burgenland hat Präsenzunterricht eine ganz andere Qualität. „Soziale Interaktion ist wichtig, ich möchte die Präsenzlehre nicht missen. Für die Zukunft muss das Profil des Fernunterrichts geschärft werden, um die Qualität nach oben zu treiben.“  

Alle drei Lektoren betonen, wie wichtig Interaktion während der Online-Lehre ist – und wie wichtig die Vorbereitungen sind, um eben diese zu erzielen. „Was man normalerweise ‚on the fly‘ macht, muss online gut geplant werden, um Interaktion anzuregen“, so Zeiller. Entscheidend ist auch die Rückmeldung für die Lehrenden. „Ich habe meinen Studierenden nahegelegt, sofort Feedback zu geben, um diese neue Form der Lehre möglichst gut zu gestalten“, sagt Harald Wimmer von der FH St. Pölten. Auch sollten Lehrende sowie Studierende offen sein für verschiedenste Online-Anwendungen. 

Daraus entstehen zum Teil auch besonders kreative Momente. „Ich war begeistert, als Studierende bei einem Zoom-Meeting ein Quiz nach dem Stil der Millionenshow präsentiert haben. Also mit demselben Hintergrund, der gleichen Musik und eingeblendeten Fragen,“ erzählt Thomas Herdin von der Uni Salzburg. Im Allgemeinen ist er fasziniert von den unterschiedlichen Eindrücken der privaten Umfelder, die durch die Online-Lehre entstehen. „Manche versuchen mit ImpressionManagement ein spezielles Bild von sich zu erzeugen. Da werden dann Bücherregale im Hintergrund ein- und umgeräumt. Manchmal kommen auch Kinder, Katzen oder Hunde ins Bild“, schmunzelt Thomas Herdin. 

Gefeilt werden muss jedenfalls noch an den Prüfungsmodalitäten für Online-Tests und Prüfungen. Hier biete es sich an, anwendungsbezogene Klausuren zu erstellen und die Fragen darauf hinzutrimmen, dass nicht die Antworten untereinander ausgetauscht werden können, wie Harald Wimmer von der FH St. Pölten anmerkt.  

Wenn auch nicht alles perfekt ist, so fällt das Fazit bei den meisten doch recht positiv aus. Aus der „erzwungenen“ Online-Lehre können Studierende sowie Lehrende einiges lernen und auch für ihren späteren Alltag mitnehmen. 

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Portrait Harald Wimmer
Dr. Harald Wimmer © Claudia Mann, FH St. Pölten
Portrait Michael Zeiller
Dr. Michael Zeiller © FH Burgenland
Portrait Thomas-Herdin
Dr. Thomas Herdin © Patrick Daxenbichler, Uni Salzburg

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