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Wie man als Student nachhaltig lebt

Nachhaltigkeit ist derzeit in aller Munde. Doch dafür auf etwas verzichten, wollen nur die wenigsten. Dass weniger manchmal mehr ist, kann sich allerdings positiv auswirken. Auch auf Studierende gibt es Möglichkeiten.

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Ohne Nahrung, Wasser, Strom, und inmitten schmutziger Luft. So müssten die Menschen seit dem 1. August diesen Jahres leben. Denn dieses Datum markierte 2018 den „Earth Overshoot Day“. An diesem Tag hat die Weltbevölkerung die natürlichen Ressourcen verbraucht. Jene, die eigentlich für das ganze Jahr zur Verfügung stehen sollten. Der Wissenschafter Hans Carl von Carlowitz wies bereits zu Beginn des 18. Jahrhunderts darauf hin „nur so viel Holz zu schlagen, wie wieder aufgeforstet werden kann“. Er gilt als Begründer des Begriffs Nachhaltigkeit.

„Wir haben keine andere Wahl als die Welt zu retten“

"Nachhaltigkeit und damit auch Lebensqualität bedeutet sicherlich weniger Konsum
und das Ende der ,Materialschlacht' "

Kinder, die in Bangladesch 15 Stunden täglich T-Shirts nähen. Jugendliche, die auf Kaffeeplantagen arbeiten anstatt in der Schule zu sitzen. Tote Fische, die mehr Plastikteile als Organe im Körper haben und Großkonzenre, die Wasser privatisieren. Es ist allseits bekannt, dass dies nicht nachhaltig ist. Viele Menschen haben deshalb ein schlechtes Gewissen und wollen etwas verbessern. Sie wissen jedoch oft nicht wie. Die Gesellschaft hat einen großen Einfluss aufgrund ihrer Kaufentscheidungen und ihrem Verhalten. „Nachhaltigkeit und damit auch Lebensqualität bedeutet sicherlich weniger Konsum und das Ende der ,Materialschlacht‘ „, erläutert Thomas Lindenthal. Er ist der stellvertretende Leiter des Zentrums für Globalen Wandel und Nachhaltigkeit an der Universität für Bodenkultur in Wien. Doch gerade für all jene mit einer kleinen Geldbörse – etwa Studenten – stellt sich die Frage: Muss nachhaltig immer auch teuer und zeitaufwändig sein?

Vom Bio-Kisterl über das Dumpstern bis hin zu Food Coops

„Rund 25 Prozent unseres ökologischen Fußabdrucks ergeben sich durch die Art und Weise, wie wir essen.“ Das beschreibt Kurt Langbein. Aber biologische Artikel zu kaufen ist oftmals nicht das richtige, weil Bio-Produkte mittlerweile industriell produziert werden und weite Wege hinter sich bringen. „Wenn regional, saisonal, frisch und nach Möglichkeit auch noch biologisch eingekauft wird, kann viel verändert werden“, ist Langbein überzeugt. Der Einkauf vom Bauernhof kann in Form einer Bio- (und Regional-) Kiste direkt vor die Haustüre geliefert werden. Der Inhalt kann online ausgesucht werden. Weiters finden sich in jeder größeren Stadt (Bauern-)Märkte. Hier kann man regionale, meist biologische Lebensmittel zu ähnlichen Preisen wie im Supermarkt kaufen.

Für die ganz mutigen gibt es auch das „Dumpstern“. Dabei werden die weggeworfenen Produkte der Supermärkte nach Ladenschluss aus den Mülleimern geholt. Damit setzt man ein Zeichen gegen die Wegwerfkultur. Rechtlich gesehen bewegt sich das Dumpstern allerdings an der Grenze zur Illegalität. „Institutionen wie die Österreichische Hochschülerschaft oder die Umweltreferate helfen den Studenten sich zu vernetzen, zum Beispiel um sogenannte Food Coops aufzufinden“, sagt Lindenthal. Das sind selbstverwaltete Lebensmittel-Kooperationen um faire und nachhaltigen Lebensmittel zu besorgen und verteilen. „Bei der Gestaltung verschiedener Bereiche der Initiative ,Allianz nachhaltige Universitäten‚ spielen Studenten eine wichtige Rolle, sei es bei der Menü-Anpassung in der Mensa, dem Inhalt der Getränke-Automaten oder der Verbesserung der Rad Mobilität.“

Beim Wohnen heißt es: Weniger ist mehr

Im Jahr 2016 gab es laut Statistik Austria in Österreich 1,42 Millionen Single-Haushalte. Wohngemeinschaften sparen nicht nur Ressourcen, sondern fördern auch soziale Kontakte. Der passende Öko-Strom-Tarif ist im Zeitalter der Digitalisierung schnell online gefunden. Gemeinsam finanzierte, teils gebrauchte, vollwertige Möbel auf Flohmärkten oder auch im Internet zu kaufen, erfreut auch das Geldbörserl. Thomas Lindenthal schlägt vor: „Gemeinsames Kochen und kollektives Müllmanagement in Wohngemeinschaften schont die Umwelt, spart Geld und fördert das Zusammengehörigkeitsgefühl.“

„(Ride-)Sharing means caring“

Foodsharing, Carsharing, Ridesharing (Mitfahrgelegenheiten). Auch hier zeigt die Digitalisierung ihre reifen Früchte. (Fast) alles wird geteilt. Die Sharing-Economy verzeichnet einen immensen Aufschwung. Über Internetseiten können Konsumenten massenhaft Essen finden, das bei Betrieben überbleibt und abgeholt werden kann. Auch für Leihwagen oder Mitfahrgelegenheiten gibt es online diverse Anzeigen. Etwa zu einer der größten Hauptverkehrsstrecken für Studenten. Nämlich jener von Wien nach Salzburg. Sei es mit der Westbahn oder durch Ermäßigungen seitens der ÖBB (Vorteilscard oder Sparschiene) – innerhalb von Österreich kann schnell und günstig mit dem Zug von A nach B gelangt werden. Durch Reisen in ganz Europa mit dem Flixbus kann das Fernweh auf kostengünstige (und noch dazu umweltfreundliche) Weise gestillt werden.

Zieht es Reisende über die europäischen Grenzen hinaus, gibt es zur genüge Projekte wie zum Beispiel „Deeper Travel“. Dabei ist aber zu bedenken, dass „bei einem Fernflug doppelt so viel CO2 ausgestoßen wird, wie einem Menschen auf der Erde zusteht“, warnt Kurt Langbein. „Wenn das Budget knapp ist, können Studenten ihre Talente über verschiedene Online-Plattformen ohne Geldflüsse miteinander teilen. Eine Fahrradreparatur wird beispielsweise gegen eine Physik-Nachhilfestunde getauscht“, ergänzt Lindenthal.

„Energieverbrauch soll höher besteuert werden“

„Die Politik müsste die Rahmenbedingungen grundlegend ändern. Sodass etwas bewirkt wird. Energieverbrauch sollte viel höher besteuert werden als Arbeit“, regt Langbein an. So sei der Flugverkehr zum Beispiel gering besteuert. Und Agrarförderungen werden an Großbetriebe vergeben, da sie pro Hektar berechnet werden. „Das Geld fließt nach oben und in die Umweltzerstörung, anstatt vernünftig eingesetzt zu werden.“

Im Bereich der Bildung seien neben Kursen mit Inhalten über nachhaltige Entwicklung auch didaktische Veränderungen notwendig. „Es sollte ein Lehrbetrieb angestrebt werden, der stärkeres Reflektieren, Diskutieren, Teamarbeit und Kooperation in den Unterricht einbezieht. Sehr wichtig ist in der Lehre auch, die Lösungskompetenz anhand konkreter Fälle sowie fächerübergreifendes Wissen zu fördern“, erläutert Lindenthal. Er führt an, dass Studierende dies einfordern sollen, indem sie den Unterricht aktiv mitgestalten. Andererseits müssen sie bewusst Fragen stellen.

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