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Wie sich die Öffi-Angebote für Studenten unterscheiden

Nicht alle Uni-Standorte in Österreich sind gleich: Dies zeigt sich besonders, wenn die Studentenangebote der Öffi-Anbieter miteinander verglichen werden.

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Quietschende Bremsen. Das ist das erste, das Daniel hört, sobald er die Universität verlässt. „Jetzt schnell, sonst fährt mir die U-Bahn vor der Nase weg“, denkt sich der Wiener Student und eilt zur U-Bahnstation. Kurz bevor sich die Türen mit schrillendem Alarm schließen, kann er noch in den letzten U-Bahnwagen der Linie 2 springen. „Die öffentlichen Verkehrsmittel hier in Wien sind echt cool“, sagt Daniel dem „Uni Magazin“. Für 150 Euro kann er mit dem Studierendenticket ein Semester lang alle U-Bahn-, Bus- und  Straßenbahnlinien in der Stadt nutzen. Für dieses Geld können Studenten in anderen Uni-Städten nicht auf ein solch umfangreiches Angebot an Leistungen zurückgreifen.

So kann Pia in Salzburg im Gegensatz zu Daniel nur auf ein kleines Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgreifen. Der Grund: Als öffentliche Verkehrsmittel bleiben den Salzburger Studenten im Stadtzentrum oft nur die Oberleitungs- und die herkömmlichen Busse übrig. „Damit ergibt sich bei Kosten von 125 Euro pro Semester ein schlechtes Preis-Leistungsverhältnis“, meint Pia. Hier sieht die junge Studentin Verbesserungsbedarf. So sollte es mehr Angebote für Studierende geben, etwa ein kostengünstigeres Wochen- oder Monatsticket. Johannes Gfrerer von der Salzburger Verkehrsbund GmbH, die im Bundesland Salzburg für die Tarifgestaltung zuständig ist, merkt dagegen an: „Mit dem Studententicket können Studenten auch die S-Bahnen sowie die Regionalbuslinien innerhalb der Stadt Salzburg nutzen.“

Doch nicht nur Salzburger Studenten bekommen für das selbe Geld weniger angeboten als ihre Kollegen in Wien, sondern auch die Studenten an den anderen Universitätsstandorten. So auch in Linz. Studierende müssen hier 192,80 Euro für das Semesterticket bezahlen. Das Ticket gilt dann für sechs Monate, während etwa in Salzburg nur Semestertickets für fünf Monate ausgestellt werden. Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Städten liegen dagegen in der Altersbeschränkung der Tickets: Bei 26 Jahren liegt die jeweilige Altersgrenze. Diese Beschränkung ist für die 33-jährige Studentin Maria ein Problem. Denn rund vierzig Prozent aller österreichischen Studierenden sind mehr als 26 Jahre alt, wie die Studierenden-Sozialerhebung aus dem Jahr 2015 zeigt. Diese Studierenden haben keinen Anspruch auf Vergünstigungen durch Studentenangebote. „Das finde ich ungerecht“, sagt Maria.

Der Hauptwohnsitz bestimmt den Preis

Einen weiteren Kritikpunkt schildert die Grazer Studentin Lea: „Der Hauptwohnsitz hat oft einen ziemlich großen Einfluss darauf, wie viel die Tickets jeweils kosten.“ Beispielsweise bietet die Stadt Graz einen „Mobilitätsscheck“ an, der die einzelnen Tickets vergünstigt. Diesen können aber nur Studenten mit Hauptwohnsitz in Graz beantragen. Dies bedeute gerade für Studierende, die täglich aus der näheren Umgebung zur Universität nach Graz pendeln, einen erhöhten Kostenaufwand, meint Lea.

Dieses Problem haben Innsbrucker Studenten seit dem 1. September 2017 nicht mehr. Hier wurde das Tirol-Ticket eingeführt: Dieses kostet pro Semester 180 Euro und damit können die Studierenden kostenlos alle öffentlichen Verkehrsmittel im ganzen Bundesland Tirol nutzen. Erfreut darüber zeigt sich auch Florian, Student an der Universität Innsbruck: „Das ist endlich ein Schritt in die richtige Richtung.“ Zuvor hatte man sich auch hier jahrelang über teure Tickets beklagt.

Ohne sich jemals Gedanken über solche Probleme gemacht zu haben, steigt Daniel an der Station „Hardeggasse“ aus. Dagegen bleibt für Pia, Maria, Lea und Fabian oft nichts anderes übrig als auf das Fahrrad als Fortbewegungsmittel zurückzugreifen.

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