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Wo Generationen die Joints teilen

Er wusste es wirklich nicht, der gute alte Fred Sinowatz. Damals, Ende Mai 1976 am Ortsrand des nordburgenländischen Oslip. Das gab er auch offen zu: „Ich weiß nicht, was ich eröffne, aber ich eröffne es.“ Schwupps. Und plötzlich war sie da. Jene Mühle, deren Vorname schon damals keiner richtig aussprechen konnte.

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Lokaltipp: Cselley Mühle

Er wusste es wirklich nicht, der gute alte Fred Sinowatz. Damals, Ende Mai 1976 am Ortsrand des nordburgenländischen Oslip. Das gab er auch offen zu: „Ich weiß nicht, was ich eröffne, aber ich eröffne es.“ Schwupps. Und plötzlich war sie da. Jene Mühle, deren Vorname schon damals keiner richtig aussprechen konnte: die Cselley Mühle.

Weltstars und Joints

Ein Ort der kollektiven Ekstase und künstlerischen Freiheit. Ein Ort, wo sich Weltstars wie Joe Cocker und Eric Burdon die Ehre gaben und sich noch heute Generationen die Spaßzigaretten (Joints) reichen. Ein Ort, an dem Jazz Gitti mit rohem Fleisch beworfen wurde und Hot Chocolate ein Popfestival im August 1977 veredeltet. Aber auch ein Ort, an dem Dorfer und Düringer ihre zahlenden Lachfreunde zum Schmunzeln bringen und Bilderbuch sowie Wanda einen gemeinsamen Gratis-Gig zelebrierten. Und ein Ort, an dem absolut geniale Bohnen mit Speck die ideale Unterlage für legendäre Abende bilden und an dem die boomende Veranstaltung in den warmen Jahreszeiten den unschlagbaren Namen „Sitzen und schauen“ trägt. Kurzum, eine Institution in der pannonischen Tiefebene und darüber
hinaus.

Übel nahm ihm das natürlich niemand, dem damaligen Bundesminister und späteren Kanzler. Und das dürfte sich bis heute nicht geändert haben: Ursprünglich als Aktionszentrum angedacht, gilt die vom Maler Sepp Laubner und dem Keramiker Robert Schneider gegründete Cselley Mühle seit über 40 Jahren als unantastbarer Gigant in der burgenländischen Kunst-, Kultur- und Musikszene. Woher hätte der Sinowatz das auch bitte schon wissen sollen? Eben, das konnte er einfach (noch) nicht.

Der Zeitpunkt ist immer ideal

Äußerst schwierig der Versuch, den idealen Zeitpunkt für einen Besuch der im Volksmund “Müh” genannten Lokalität festzumachen. Es gibt nämlich zu viele davon. Konzerte, 90er-Feten, DJ-Battles, Music Quiz und Poetry Slams an den Wochenenden. Irische Lagerfeuer-Happenings, Kunstausstellungen und Kabarett-Abende an den Werktagen. Dazu die starken Jugend-Magnete: das Oster- und Weihnachtsflash.

Wer es eher mit Ruhe und Gemütlichkeit hat: ein uriges Gasthaus kredenzt pannonische Schmankerl für Veganer, Allergiker, Biofreaks und Fleischtiger – mehr Bobo-Essen geht nicht, nicht einmal in den Rucola-Bezirken Wiens.

Genießen lassen sich die Abende in der „Müh“ aber nicht nur im Gasthaus:
Ursumpf, Galeriebeisl, Jazzgwölb, Stehbar, Atrium und Mühlenhof hüllen Besucher mit ihren liebenswerten Eigenheiten in eine unbekümmert wirkende, sympathische Aura. Zugleich spürt man an jedem Platz und an jedem Tisch: Hier wurde schon unzählige Male gelacht, geschmust, getrunken und geschlafen. Sicher aber auch erbrochen, geweint, getrauert und betrogen. Eben alles, was Nächte zu Tagen und Tage zu Nächten werden lässt.

Die eigene Postleitzahl ist längst überfällig

Willkommen ist dabei wirklich jeder. Gutmenschen, Bösmenschen, Hippies, Punks, Rocker, Bobos und Money Boys. Junge und alte, naive und erfahrene, weilende und reisende Weggenossen. Je verschiedener, desto interessanter, desto besser. Sepp Laubner und Robert Schneider haben einen Ort geschaffen, der sich nicht mehr abschaffen lässt. Ein Ort, dessen eigene Postleitzahl längst überfällig ist. Und das, obwohl nie jemand auf die Idee kommen würde, der „Müh“ einen Brief zu schicken, weil man viel lieber selbst hingeht, um Geschichten zu erzählen und – noch viel wichtiger – zu erleben.

Infos zum aktuellen Programm, die Öffnungszeiten sowie eine Wegbeschreibung findest du hier: http://www.cselley-muehle.at

Ja, Maschek war natürlich auch schon da.

Und der Ernst Molden auch.

Dieser Schlagzeuger auch.

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