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Berufspraktikum: Zwischen Karriere-Sprungbrett und Orientierungslauf

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Sei es ein Ferialpraktikum während der Schulzeit, ein (Pflicht-)Praktikum während der Studienzeit oder ein Praktikum nach dem Studium – Praktika bieten meistens große Chancen für die eigene Zukunft.  

So gut wie jeder hat wohl im Laufe seines bisherigen Lebens ein oder mehrere Praktika absolviert und dabei gute oder weniger gute Erfahrungen gemacht. Wurden die Aufgaben aber auch wirklich ernst genommen und die Chancen für das weitere Leben wahrgenommen? Genau das ist nämlich der springende Punkt, um ein Praktikum im Nachhinein als erfolgreich bezeichnen zu können. Ein Praktikum nur zu absolvieren, um seinen Lebenslauf zu füllen oder das Studium abschließen zu können, ist nicht sinnvoll.

Startschuss für die Karriere

Wenn die Suche nach dem richtigen Praktikum ernst genommen wird, können dieser Monat bzw. diese Monate bereits der erste Stopp auf der Karriereleiter sein. Iris H. (21) hat ihr 4-monatiges Pflichtpraktikum letztes Jahr in einer Digitalagentur in der Content-Management-Abteilung absolviert – bei ihr hat das Praktikum einen besonders guten Lauf genommen. „Mein Praktikum hätte nicht besser laufen können. Die Arbeit war total spannend und abwechslungsreich, ich bekam schnell Aufgaben mit Eigenverantwortung und wurde super in das Team integriert. Ich habe schon nach den ersten Wochen gewusst, dass dieser Job auf jeden Fall in die richtige Richtung hinsichtlich meiner Zukunft geht. Das Beste: Ich habe nach meinem Praktikum ein Jobangebot erhalten und arbeite jetzt neben meinem Studium weiterhin in dieser Agentur. Das Praktikum war also auf jeden Fall der erste Schritt Richtung Berufsleben“, erzählt Iris.

Es läuft nicht bei jedem glatt

Auch wenn man bei einem Praktikum im Endeffekt nur wenige positive Erfahrungen gemacht hat, kann das durchaus wichtig für die eigene Zukunft sein. Nina H. (22) hat letztes Jahr ein 1-monatiges Ferialpraktikum als Journalistin bei einem Radiosender absolviert und berichtet Folgendes: „Ich habe schon in den ersten Tagen gemerkt, dass die Arbeit nicht das ist, was ich mir darunter vorgestellt habe. Das war aber eigentlich nicht schlecht, denn so kann ich diesen Bereich für meine Zukunft schon einmal ausschließen. Auch wenn mir mein Praktikum dadurch natürlich nicht so gut gefallen hat, war es hilfreich, um wichtige Kontakte zu knüpfen. Außerdem bin ich durch die verschiedenen Herausforderungen mehr als nur einmal über meinen Schatten gesprungen und habe so Erfahrungen gesammelt, auch bezüglich Business-Gesprächen und Bewerbungen.“

Pflichtpraktika ein wichtiger Teil

Besonders Fachhochschulen legen sehr viel Wert darauf, ein Pflichtpraktikum in ihre Studiengänge zu integrieren. Hier können die Studentinnen und Studenten das Gelernte anwenden, sich ausprobieren und Erfahrungen sammeln. Auch Michael Zeiller, Studiengangsleiter des Bachelorstudiengangs „Information, Medien & Kommunikation“ an der FH Burgenland, ist dieser Meinung. „Das Berufspraktikum bietet eine ausgezeichnete Möglichkeit, in vielfältigen Bereichen Praxiserfahrung zu sammeln. Auch wenn der Unterricht meist praxisnah stattgefunden hat, ist die Tätigkeit in einem Unternehmen bzw. in einer Organisation der eigenen Wahl eine ganz andere Qualität der berufsspezifischen Ausbildung. Es ist essentiell, das Gelernte einmal direkt entsprechend den Anforderungen von Auftraggeberinnen und Auftraggebern bzw. Kundinnen und Kunden umsetzen zu können und mit den ‚echten’ Problemstellungen konfrontiert zu sein. Gleichzeitig verschafft die Tätigkeit in den Unternehmen/Organisationen als vollintegrierte Mitarbeiterin bzw. Mitarbeiter einen ganz anderen, unmittelbaren Einblick in die fachlichen Anforderungen und die betrieblichen Abläufe“, ist Zeiller überzeugt. Er ist ebenso der Ansicht, dass das Berufspraktikum vor allem für Studierende aus der Vollzeit-Organisationsform einen guten Berufseinstieg bietet.

Das Praktikum als Orientierungshilfe

Um herauszufinden, ob das gewählte Tätigkeitsfeld zu einem passt, ob diese Tätigkeit Spaß macht und man sich in dieser Branche oder Unternehmensform wohl fühlt, ist ein Praktikum sehr nützlich. Das Berufspraktikum bietet somit die große Chance, Neues – sowohl fachlich, im Tätigkeitsspektrum, als vor allem auch persönlich – kennenzulernen und vor allem auszuprobieren. Wenn es passt, ist es perfekt – wenn es nicht passt, ist auch nichts passiert und man weiß wenigstens, was beim nächsten Job anders sein sollte. Ein Praktikum stellt auch für Studierende in der berufsbegleitenden Organisationsform eine Chance dar, noch studienspezifischer tätig zu sein und das eigene Tätigkeitsspektrum noch mehr auf das gewählte Fachgebiet auszurichten. Und für jene berufsbegleitenden Studierenden, die noch nicht fachspezifisch tätig sind, ist das Praktikum oft der Auslöser, diesen Schritt jetzt tatsächlich zu setzen und innerhalb des eigenen Unternehmens/der eigenen Organisation oder auch bei einem anderen Unternehmen oder einer anderen Organisation mit dem eigentlichen Traumjob durchzustarten.

Was sagt man im ersten Gespräch?

Bei einem ersten Gespräch mit dem Unternehmen sollte bereits über Erwartungen seitens der Praktikantin bzw. des Praktikanten gesprochen werden. Wenn das Unternehmen sorgfältig ausgewählt wurde, wird dieses selbst darauf bedacht sein, dir besonders viele Erfahrungen und Aufgaben mit Eigenverantwortung zu ermöglichen. Nur so bekommst du auch einen realen Eindruck des Joballtags.

Melanie Eckhardt ist Unternehmerin mit Leidenschaft und die einzige Bürstenmacherin im Burgenland. Seit 2000 führt sie in dritter Generation den Handwerksbetrieb „Bürstenerzeugung Melanie Eckhardt“ und hat in den letzten Jahren schon einige Erfahrungen mit Praktikantinnen und Praktikanten gemacht. Darüber, wie sie Praktika in ihrem Unternehmen handhabt, sagt sie Folgendes: „Ich möchte SchülerInnen und StudentInnen die Möglichkeit bieten ihr theoretisch erlerntes Wissen in der Praxis umzusetzen und gezielt anwenden zu können. Sowohl für die Praktikantin bzw. den Praktikanten als auch für mich als Unternehmerin entsteht dadurch eine Win-Win-Situation – ich erhalte wertvollen Input über beispielsweise die neuesten Trends und Techniken und im Gegenzug dazu ermögliche ich ihnen einen Einblick in den Berufsalltag.“

Die Aufgaben, die sie den Praktikanten gebe, seien unterschiedlich und abhängig von der Ausbildung und Erfahrung. Besonders wichtig ist ihr, dass es ein ausgewogener Mix aus Einzelaufgaben und gemeinsamen Arbeiten ist, um sicherzustellen, dass durch das Praktikum auch ein Mehrwert entsteht.

Nicht gleich das erstbeste nehmen

Wie bereits erwähnt, ist es nicht sinnvoll, sich leichtfertig und schnell für irgendein Praktikum zu bewerben. Deiner Zukunft zuliebe solltest du dir für die Auswahl des RICHTIGEN Praktikums genügend Zeit nehmen. Hier gibt’s eine kleine CHECKLISTE, worauf man bei der Auswahl des Praktikumsplatzes unbedingt achten sollte:

  • Dein Interesse für die Arbeit selbst im Praktikum MUSS unbedingt vorhanden sein, denn nur so machst du die Aufgaben auch gerne und nimmst dabei viel für deine Zukunft mit.
  • Eine ausgiebige Recherche über das Unternehmen kann dabei helfen, bereits einiges über die Arbeitsatmosphäre zu erfahren und vor allem beim Bewerbungsgespräch zu punkten.
  • Stelle dir selbst die Frage: Könnte ich mir vorstellen, später einmal dort zu arbeiten? Das ist ganz wichtig, denn wie oben bereits erwähnt, kann ein Praktikum durchaus zu einem Jobangebot führen. Somit stehst du bereits mit dem ersten Fuß im Berufsleben.
  • Um viele der genannten Chancen wahrnehmen zu können, musst du bereit sein, dich voll und ganz auf die Erfahrung einzulassen.
  • Ein Praktikum bedeutet nicht, nur das Nötigste zu tun und möglichst schnell Feierabend zu machen. Für den positiven Ausgang deines Praktikums solltest du schon bereit sein, dafür auch etwas zu tun.
  • Die gerechte Bezahlung ist ebenfalls wichtig. Praktikantinnen und Praktikanten leisten durchaus ihren Beitrag und auch eine Schülerin/ein Schüler oder eine Studentin/ein Student sollte sich nicht unter Wert verkaufen.

Es kommt also nicht darauf an, wo man im Leben gerade steht: Falls ihr euch jetzt überlegt habt, ob ein Praktikum die verkürzten Sommerferien wirklich wert ist, ist die Antwort ganz klar JA! Nehmt euch genügend Zeit für Recherche und Bewerbung, überlegt euch, was ihr wirklich wollt. So steigt ihr auf die erste Stufe eurer Karriereleiter! So viel sei versprochen: Ihr werdet es nicht bereuen.

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