Gestresster Student mit Laptop
Hörsaal und Arbeit vereinbaren? Photo by Tim Gouw (Unsplash)

Zwischen Hörsaal und Arbeitsplatz

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Studieren oder Karriere machen? Beides!

Laut der Studierendenbefragung der ÖH 2022 sind rund 60% der Student:innen in Österreich neben dem Studium auch berufstätig. Davon arbeitet ca. ein Drittel mehr als 24 Stunden pro Woche parallel zur Ausbildung. Doch für so manche wird der Balanceakt zwischen Studieren und Beruf auf Dauer zu viel. Rund die Hälfte der Studierenden fühlt sich durch die Unvereinbarkeit von Beruf und Studium belastet.

Wir haben drei Student:innen und die Gesundheitsyoga-Expertin Alexandra Meraner zum Thema Beruf und Studium befragt. Erfahrt hier was andere Studierende denken und mit welchen hilfreichen Tipps ihr Stress reduzieren könnt.

„Zurzeit wäre es für mich einfach unmöglich, in einer Beziehung zu sein.“

Zu diesen berufstätigen Studierenden zählt auch Martin P. Er bewältigt neben seinem 40 Stunden Job auch ein berufsbegleitendes Studium an der Fachhochschule Burgenland. Für ihn bleibt in der Woche nur wenig Platz für Freund:innen und Freizeit. „Außer sonntags ist meine Woche komplett voll.“ Das Sozialleben des 27-jährigen leidet stark unter der Doppelbelastung. Mit diesem Problem ist Martin P. nicht alleine. Viele Studierende stecken zu Gunsten des berufsbegleitenden Studiums in Familienleben und Freizeit zurück. Besonders zu Corona-Zeiten wurde dieser Effekt verstärkt, so das fast 60% der befragten Studierenden 2022 sagten von Vereinsamung betroffen zu sein. Doch Martin kommt bis jetzt nach eigenen Angaben noch relativ gut mit dem Dauerstress zurecht. Durch die mangelnde Zeit schiebt Martin aber auch viele Aufgaben und Übungen bis zum letzten Moment auf. 

„Der Stress gibt mir den nötigen Antrieb und Druck.“

Prokrastination – das ständige Aufschieben von Pflichten – ist ebenso ein vertrautes Problem des 21-jährigen Jus-Studenten Jakob S. Um Karriere und Studium an der Uni Wien zu vereinen, sucht er immer wieder Ablenkungen und flüchtet vor Belastungen. Aber er spricht auch von einem positiven Effekt des Stresses. Er gibt ihm den notwendigen Druck, um gezielt auf Projekte hinzuarbeiten oder für Prüfungen zu lernen. Allerdings funktioniert diese Taktik auf Dauer nicht immer. Auch er habe schon den Lernaufwand für so manche Vorlesung unterschätzt, was schon zu Misserfolgen bei Prüfungen führte. Jakob erzählt, dass Stress und das mangelnde Zeitmanagement bei ihm vor allem zu Schlaflosigkeit und Gereiztheit führen. Erste Anzeichen für ein Burnout.

„Ohne Verständnis des Arbeitgebers wäre das nicht möglich.“

Julian T. arbeitet zusätzlich zu seinem Vollzeitstudium an der FH Burgenland noch im Marketingbereich eines Unternehmens und als Grafiker bei einer Agentur auf Teilzeit-Basis. Studium und Beruf zu vereinbaren, fordert den 27-Jährigen täglich. „Ich persönlich finde es ganz wichtig, dass man ein richtiges Time-Management hat.“ Wenn stressige Wochen anstehen, versucht Julian T. die Aufgaben rechtzeitig einzuplanen und wenn es geht auch schon vorzuarbeiten. „Wenn sich mal etwas nicht ausgeht, sage ich das auch direkt. Das geht natürlich nicht immer, aber ich finde es wichtig, dass man offen kommuniziert, dass das Studium Vorrang hat und manche Aufgaben nicht auf Knopfdruck erledigt werden können.“, so der Student. Es sei vor allem wichtig, sich selbst einzugestehen, was man schafft und was nicht. „Ich finde es auch sehr wichtig, dass die Arbeitgeberstelle dafür Verständnis aufbringt, denn ohne das wäre das nicht möglich.“.

Alarmsignale im Frühstadium erkennen!

Gesundheitsyoga-Expertin und Mind-and-Balance-Coachin Alexandra Meraner wurde vor vielen Jahren selbst zum Opfer von übermäßigem Stress. Die Folge: Burnout. Jetzt hilft sie Personen mittels Entspannungstraining und Techniken zur Stressbewältigung, durch die gleiche Situation zu kommen, in der sie damals war. Im Gespräch schildert Alexandra Meraner Alarmsignale des Körpers, die man bereits im Frühstadium erkennen kann. „Man merkt es, wenn man nicht mehr schlafen kann. Oder wenn man auf harmlose Dinge aggressiver oder weinerlicher reagiert als sonst“. Flache und schnelle Atmung sei ebenfalls ein Signal für Stress im Körper. „Vor allem wenn der Atem nicht mehr tief geht und eher im Brustkorb bleibt“. Aber auch Kopfschmerzen, Kreislaufprobleme, Herzklopfen und Verspannungen sind ganz typisch, wenn der Stress zu viel wird.

Typische Anzeichen für Überlastung durch Stress:

  • Schlafstörungen, Müdigkeit, Erschöpfung
  • Verringerte Konzentrations- und Leistungsfähigkeit
  • Ruhelosigkeit
  • Entscheidungsunfähigkeit
  • Schwindel, Kreislaufprobleme
  • Herzklopfen, Engegefühl in der Brust
  • Magen-Darm-Beschwerden
  • Häufigere Erkältungen
  • Tinnitus
  • Verspannungen

Befürchtest du Burnout gefährdet zu sein? Wir haben für dich die wichtigsten Informationen, Kontakte und Beratungsstellen gesammelt.

Mit Methoden zur Stressbewältigung rechtzeitig gegensteuern

Alexandra Meraner verrät im Gespräch zusätzlich Tipps, die gegen Stress helfen. Die Basis zur Stressbewältigung liegt im bewussten Leben und einem guten Zeitmanagement. „Der Fokus liegt vor allem auf der Atmung und dass man tief in den Bauch atmen kann. Die tiefe Bauchatmung vergisst man leider immer wieder. Ganz wichtig ist es auch, die Ausatmung zu verlängern“. Neben den Atemtechniken können aber auch ganz einfache Dinge in Stresssituationen helfen.

„Es ist sinnvoll Pausen einzubauen. Aber nicht, dass man zu sich sagt: So, ich mache jetzt eine Stunde Pause. Denn dann bekommt man wieder Stress. Es ist besser, eher kleinere Pausen einzubauen, das Fenster zu öffnen und frische Luft einzuatmen. Einen Kaffee soll man bewusst trinken und nicht nur nebenbei.“ Zum Beispiel ist auch die Planung von Computer- und Handypausen laut Gesundheitsyoga-Expertin sinnvoll. Genauso wie das Einbinden von Pausen in der Natur in den Alltag. „Ich kann jedem empfehlen, die Auszeiten bewusst zu nutzen, um hinauszugehen. Die Natur ist ein heilsamer Ort.“, ergänzt die Mind-and-Balance-Coachin. Wenn man also das nächste Mal zwischen Hörsaal und Arbeitsplatz pendelt, könnte man ein Stück des Weges zu Fuß an der frischen Luft zurücklegen.

Letztendlich wirkt sich Stress auf jeden Menschen individuell aus. Dabei unterscheidet sich sowohl die Stresstoleranz als auch die entstehenden Symptome. Ebenso verhält es sich mit der Stressbewältigung: Da jeder Mensch unterschiedlich auf Stresssituationen reagiert, muss auch individuell darauf eingegangen werden. Sollte man merken, dass man allein nicht weiterkommt, ist es sinnvoll sich professionelle Hilfe von Expert:innen zu holen.

11 Tipps gegen Stress:

  • bewusste Pausen machen
  • Atemtechniken & Entspannungsübungen
  • Sport, um körperliche Anspannungen abzubauen
  • soziale Kontakte pflegen
  • Zeit aktiv planen (Kalender, Apps, etc.)
  • Beruhigende Kräutertees
  • Entspannende Gerüche z.B. Lavendel als Kerze, Duftöl oder Kopfkissenduft
  • Kalte Dusche oder kaltes Wasser über Handgelenke laufen lassen
  • Multitasking vermeiden
  • Die eigenen Grenzen kennen
  • lernen „Nein“ zu sagen