Ein gut gefülltes Pausenbrot
Sind Pausenbrote schlecht fürs Klima?

Klimafeind im Pausensnack: Schaden Tomate, Butter & Co. der eigenen Ökobilanz?

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Eine Studie der Universität Konstanz ergab, dass 93 % der befragten Studierenden Umweltschutz und Klimawandel zu den größten Herausforderungen unserer Zeit zählen. Die Erde wird immer wärmer, Permafrostböden beginnen aufzutauen und der Meeresspiegel steigt. Das Thema schlägt sich aber auch da nieder, wo es uns Studierenden oft am nächsten ist: am Teller.

Immer mehr Menschen möchten bessere Entscheidungen im Hinblick auf Lebensmittel und deren CO2-Bilanz treffen. Dass Avocados Klimasünder sind, einen extrem hohen Wasserverbrauch haben und weite Transportwege zurücklegen, ist mittlerweile vielen bekannt. Doch es gibt auch noch weitere Klimasünden im Jausensackerl.

Klimafeind im Pausensnack?

Betrachten wir ein klassisches Sandwich etwas genauer: Auf Toastbrot liegen oft Salat, Tomaten und Hühnerfleisch. Müssten wir eine Zutat zum Wohle des Klimas aussortieren, würden wir uns intuitiv für das Huhn entscheiden. Es ist immerhin Fleisch, dessen Produktion wichtige Ressourcen regelrecht verschlingt. Doch was viele nicht ahnen: der wahre CO2-Übeltäter in diesem Snack ist nicht das Geflügel, sondern die Tomate! Dort, wo Tomaten aufgrund der Witterungsbedingungen in Glashäusern angebaut werden müssen, entstehen durch die benötigten Gase, Elektrizität und Wasser enorme Mengen an CO2. Das ist allerdings noch lange kein Grund, Gemüse von unserem Speiseplan zu streichen und zum Karnivoren zu werden. Neben CO2-Verbrauch spielen auch Faktoren wie Nährwerte, Ernährungsempfehlungen und das Tierwohl eine entscheidende Rolle bei der Auswahl unserer Lebensmittel.

„Shop local“?

Ein Motto, das zurzeit in aller Munde ist: Kauf regional!

Konsumenten gehen davon aus, mit der Entscheidung für lokal angebaute oder produzierte Lebensmittel automatisch zu einer Verbesserung ihrer persönlichen Klimabilanz beizutragen. Was auf den ersten Blick logisch und vernünftig erscheint, relativiert sich bei genauerer Betrachtung. Die amerikanischen Wissenschafter Webber und Matthews haben hier die Auswirkung von Transportwegen auf die CO2-Bilanz von Lebensmitteln untersucht und Überraschendes festgestellt: Die anfallenden Emissionen machen nur etwa 5 % des CO2-Fußabdrucks von Lebensmitteln aus. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass sich maximal 5 % des durch Lebensmittel anfallenden Kohlenstoffdioxids einsparen ließe, wenn sämtliche Amerikaner ihre Lebensmittel ausschließlich lokal einkaufen würden. Was wir kaufen, spielt also eine wesentlich wichtigere Rolle als wo.

Wie grün ist Soja?

„Konsument*innen von Soja beeinflussen den Regenwald negativ“, hört man vielerorts. Doch was ist wirklich dran? Der Verein gegen Tierfabriken hat die Zahlen offengelegt: In Wahrheit werden nur 7 % des importierten Sojas für Lebensmittel verwendet, stolze 87,4 %, und somit der Großteil, werden als Tierfutter für Hühner, Schweine, Rinder und Zuchtfische verwendet. Die restlichen 5,6 % fließen in die Produktion für Biodiesel.

Tierische Produkte als Klimasünde No.1?

Dass Fleisch ein Klimasünder ist, wissen wir auch nicht erst seit gestern. Der Ökotest zeigt, dass, noch bevor das Rindfleisch bei Endkosument*innen ankommt, ganze 13 Kilo CO2-Äquivalente in die Luft abgegeben wird. Das ist eine viermal (!) so hohe CO2-Bilanz wie sie Geflügel oder Schweinefleisch hat. Auch der Wasserverbrauch ist für die Produktion von Rindfleisch enorm hoch.

Aber wie sieht es mit anderen tierischen Produkten aus? Bevor du dir dein Butterbrot in der Früh schmierst, solltest du eins bedenken: Für ein Kilo Butter werden in etwa doppelt so viel (!) Kilo CO2-Äquivalente ausgestoßen wie für Rindfleisch. Für die Herstellung eines Kilos Butter benötigt man ca. 18 Liter Milch und es müssen dementsprechend viele Milchkühe gehalten werden. Das Futter, welches für die Milchkühe benötigt wird, setzt sehr viele Treibhausgase frei und auch das von Kühen freigesetzte Methangas, welches bei der Verdauung entsteht, ist um einiges klimaschädlicher als CO2.

Fazit

Es lohnt sich also, in Sachen CO2-Bilanz von Lebensmitteln etwas genauer hinzusehen – auf den ersten Blick lassen sich Tomaten & Co nicht sofort als Klimasünde identifizieren. Das während der Lebensmittelerzeugung ausgestoßene Kohlenstoffdioxid ist ein wichtiger Faktor, der sich zur Bewältigung der Klimakrise nicht unter den Tisch kehren lässt. Umso besser, dass wir unsere ökologischen Fußabdrücke durch bewusste Entscheidungen beeinflussen und der Krise Tag für Tag entgegenwirken können.

Deine Meinung zählt

Wie nachhaltig ist dein Einkauf? Was tust du dir ins „Pausenbrot“? Wir freuen uns auf deine Tipps in den Kommentaren!