Frau liest Buch Doppelstudiun
Einigen Studierenden reicht ein Studium nicht aus. Sie möchten ein Doppelstudium absolvieren.

Doppelt hält besser – aber auch im Studium? 

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In Italien ist es verboten. In Deutschland ist es meist mit großem Aufwand verbunden. In Österreich ist es hingegen kein Problem. Die Rede ist vom Doppel- oder Zweitstudium, also davon, zwei (oder mehr) Studienrichtungen gleichzeitig zu belegen. Mittlerweile gibt es Doppelstudien auch an Fachhochschulen. 

Die Kunstgeschichte- sowie Publizistik- und Kommunikationswissenschaftsstudentin Klara Brunner aus Wien ist eine der immer weniger werdenden Doppelstudent:innen in Österreich. Studierte 2009 laut Studien-Sozialerhebung noch jede:r Fünfte mehr als ein Fach, ist mittlerweile nicht einmal jede:r Zehnte für mehr als einen Studiengang eingeschrieben. Klara Brunner sieht den Grund für diesen Rückgang in den stärker verschulten Bachelor- und Masterstudiengängen. Im Laufe der Hochschulreform wurden durch die Umstellung auf das zweistufige Abschlusssystem vermehrt Lehrveranstaltungen mit Anwesenheitspflicht in die Curricula integriert. Dadurch wurde das Erstellen eines Studienplans für Doppelstudent:innen erschwert, da eine zeitgleiche Belegung von zwei prüfungsimmanenten Kursen nicht mehr möglich ist. „Man kommt früher oder später an den Punkt, an dem man sich entscheiden muss, welchem Fach man den Vorzug gibt“, erklärt die junge Studentin. Für Studierende bedeutet ein Doppelstudium vor allem eines: doppelten Aufwand. Es sind doppelt so viele ECTS nötig und es müssen auch zwei Abschlussarbeiten verfasst werden. Was man sich allerdings meist erspart, ist die Belegung von zusätzlichen Wahlfächern, da man sich die Pflichtfächer aus dem einen Fach als Wahlfach im anderen anrechnen lassen kann. Dadurch würde man sich laut Klara Brunner etwa 20 ECTS pro Fach sparen. 

Auch an Fachhochschulen sind Doppelstudien möglich 

Wahlfächer gibt es an Fachhochschulen nicht immer. Deswegen und auf Grund der straffen Zeitpläne der Fachhochschulen, scheint ein Studium von zwei Fächern nahezu ausgeschlossen. Die FH Salzburg bietet jedoch seit 2008 die Möglichkeit die beiden Studiengänge MultiMediaArt (MMA) und MultiMediaTechnology (MMT) zeitgleich zu studieren. In den letzten neun Jahren haben allerdings nur einige wenige Studierende einen Abschluss in beiden Studienrichtungen gemacht. Obwohl es jährlich mehrere Interessent:innen gibt, wird nach intensiveren Gesprächen mit den Bewerber:innen häufig klar, dass es für die meisten aufgrund mangelnder Vorkenntnisse nicht zu stemmen wäre. Hilmar Lindner, MMT-Studiengangsleiter und Mitentwickler des Doppelstudienprogramms, meint zum strengen Aufnahmeverfahren: „Wir schicken die Studierenden nicht auf eine Reise, von der wir wissen, dass es nicht funktionieren wird.“ Das tut es eben nur, wenn man die benötigten 120 ECTS im ersten Studienjahr durch Anrechnungen von Vorkenntnissen aus einem vorherigen Studium oder einem Beruf auf ein realistisches Maß kürzen kann. Auf Grund der hohen Anforderungen beginnen pro Jahr nur ca. ein bis zwei Studierende mit dem Doppelstudium MMA und MMT. Damit hat die FH Salzburg ein, wie Hilmar Lindner es nennt, „Exzellenzprogramm“ geschaffen. 

Disziplin und Organisationstalent gefordert 

Was die Doppelstudent:innen an den unterschiedlichen Bildungseinrichtungen eint, sind Disziplin und Organisationstalent. Hilmar Lindner stellt außerdem immer wieder eine besondere Art von Zielorientierung bei den Doppelstudierenden der FH fest. Auch Klara Brunner verfolgt mit ihrem Doppelstudium ein Ziel: „Ich möchte nach meinem Studium gerne im Bereich Kultur-PR oder Kultur-Marketing arbeiten. Dabei helfen mir die Skills aus beiden Studiengängen.“ 

Für die Zukunft sieht Hilmar Lindner ein besonderes Potenzial in den Double- und Joint Degrees. „Ich glaube, dass in Zukunft Joint Degrees bzw. Double Degrees aus Sicht der Studierenden spannender sind. Ich bin zwar nicht der Meinung, dass Studierende mit mehreren Abschlüssen in unterschiedlichen Gebieten oder von unterschiedlichen Universitäten bessere Jobaussichten haben, allerdings eröffnet man sich so natürlich ein größeres Berufsspektrum.“ 

Wer statt einem weiteren Studium lieber Berufserfahrung sammeln möchte, sollte sich diesen Beitrag ansehen: Zwischen Hörsaal und Arbeitsplatz 

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